Gründer will Nachhaltigkeit im Familien-Alltag verankern

Start-up aus Langen: PapaZeit kommt gut an

Viel Spaß im Wald haben und dabei etwas erleben: Das vermitteln die Abenteuer mit Julian Ackerknecht den Kindern. Hier baut eine Papa-Zeit-Gruppe ein Waldsofa.
+
Viel Spaß im Wald haben und dabei etwas erleben: Das vermitteln die Abenteuer mit Julian Ackerknecht den Kindern. Hier baut eine Papa-Zeit-Gruppe ein Waldsofa.

Auf ein erfolgreiches Jahr mit seinem Projekt PapaZeit blickt Julian Ackerknecht aus Langen zurück. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte er es trotz Corona-Hindernissen ins Leben gerufen, um Vätern mit ihren Kindern den Wald und die Natur näher zu bringen (wir berichteten). Dazu trafen sich regelmäßig fünf Gruppen mit jeweils zehn Vätern.

Langen – Ziel des Projekts: Kinder für eine nachhaltige Zukunft stärken – in Sachen Natur und Umwelt sowie in ihrer Persönlichkeit. Sie sollten lernen, dass sie mit der Natur und den Tieren achtsam umgehen und allen Lebewesen und Pflanzen Wertschätzung entgegenbringen müssen. Vielen Vätern in Ackerknechts Umkreis fehlte zuvor die Inspiration, was sie mit ihren Kindern im Wald machen können, um ihnen dieses wichtige ökologische Verständnis zu vermitteln.

Inzwischen ist die erste Papa-Zeit rum, und Ackerknecht hat bei den Teilnehmern nachgehört, inwieweit die Erlebnisse aus den Vater-Kind-Treffen in der Natur nachwirken. Tatsächlich berichten mehr als 80 Prozent, dass Nachhaltigkeit auch zuhause ein Thema geworden sei. Den Klassiker Insektenhotel haben fast alle am Haus aufgestellt. Auch beim Thema Müllvermeidung und Wertschätzung der Natur geben viele an, dass dies in der Familie einen neuen Stellenwert erhalten habe. „Drei Viertel der Väter sagen, dass ihre Kinder vom neuen Wissen profitieren“, berichtet Ackerknecht. „Erstaunlicherweise fungieren die Kinder in der Familie als eine Art Klimabotschafter.“

Die Papa-Zeit-Väter fühlen sich deshalb fit für regelmäßige Ausflüge in den Wald mit ihren Sprösslingen. Im Nachgang berichten sie, dass sie mehr Ideen haben, einen Waldausflug lehrreich und spannend zu gestalten.

Langener Gründer will inklusive Gruppen anbieten

Für den 31-Jährigen sind die Erkenntnisse wichtig: Das Nachfolgeprojekt Papa-Freunde steht in den Startlöchern. Dabei treffen sich alle zwei Wochen bis zu sechs Familien aus den Papa-Zeit-Runden, um Waldabenteuer mit ihren Kindern zu erleben, erworbenes Wissen anzuwenden und zu vertiefen. Parallel läuft Papa-Zeit weiter und erfreut sich reger Nachfrage.

Ackerknechts Wunsch, das Angebot inklusiv zu gestalten, hat sich erfüllt: Die aktuelle Gruppe ist mit zwei Inklusionskindern und einem Rollstuhlfahrer unterwegs in Langens Wäldern. „Ich freue mich sehr, dass wir mit vielen Kindern arbeiten können“, sagt Ackerknecht, der auch Anfragen hatte, beispielsweise eine Gruppe nur für Kinder mit ADHS zu eröffnen. Allerdings sieht er darin keinen großen Mehrwert. „Es gibt schon so viele spezielle Angebote – ich möchte, dass Kinder mit- und voneinander lernen und nicht aufgrund ihrer Beeinträchtigung separiert werden“, erzählt der zweifache Familienvater.

Neben den Vätergruppen hat Ackerknecht sein Repertoire um Angebote für alle Familienteile erweitert. Mittlerweile gibt es stundenweise Einzelangebote sowie vierteilige Naturabenteuer („Kleine und große Waldentdecker“ samstags oder unter der Woche nachmittags). Die Kinder begleiten auch Mütter, Großeltern oder andere Familienmitglieder.

Mit der Mülltüte im Wald unterwegs: Auch das vermittelt den Jüngsten, wie wichtig es ist, die Natur zu achten.

Auch die Altersspanne hat Ackerknecht seit dem Start Stück für Stück nach oben geöffnet. Der Schwerpunkt liegt nicht mehr auf Kindergartenkindern, sondern erweitert sich bis zum Grundschulalter. Dafür hat der studierte Entwicklungsökonom ein Konzept zur nachhaltigen Entwicklung für Kitas und Grundschulen erarbeitet.

„Einrichtungen können bis zu vier modular gestaltete Waldtage buchen“, so Ackerknecht. Die Inhalte richten sich nach den aktuellen Bildungsplänen des Landes für die jeweilige Altersgruppe – und können in der Grundschule das Lernen vom Klassenzimmer in die Natur verlagern.

Doch bei all den Ideen macht es die Pandemie Julian Ackerknecht – wie vielen anderen Jungunternehmern – schwer. Die Gruppengröße musste er reduzieren, Gemeinschaftsaktionen laufen nicht mehr so unbeschwert ab wie früher, denn auch draußen versuchen alle, ausreichend Abstand zu wahren. Einige Angebote mussten im vergangenen Herbst sogar eingestellt werden.

Um mit Teilnehmern und Interessenten trotzdem in Kontakt zu bleiben, hat Julian Ackerknecht auf Soziale Medien gesetzt und gibt gelegentlich auf der Facebook-Seite AbenteuerWelt Ideen für Mini-Abenteuer im Wald. Aus vielen Rückmeldungen weiß er, dass nicht nur Waldneulinge, sondern auch viele erfahrene Eltern die Ideenquelle für eine Familien-Waldzeit nutzen. (Marina Zimmer)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Mehr zum Thema

Kommentare