Pollen und springende Gene

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Dr. Susanne Siebeneicher (2.) und Peter Crauwels (1.) sind zwei frischgebackene Träger des Langener Nachwuchswissenschaftspreises: Der Dritte im Bunde, Dr. Axel Horn, befindet sich derzeit in den Vereinigten Staaten.

Langen - Der Langener Wissenschaftspreis 2015 für herausragende Nachwuchsforscher geht an ein Trio im Alter von 27 bis 35 Jahren: Peter Crauwels, Dr. Susanne Siebeneicher und Dr. Axel Horn.

Die mit insgesamt 1000 Euro dotierte Auszeichnung, die der Verein zur Förderung des Langener Wissenschaftspreises und das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zum vierten Mal vergeben, wurde gestern Vormittag feierlich im PEI an zwei der drei Preisträger überreicht. Der dritte weilt derzeit in den USA. Der Wissenschaftspreis (finanziert von der Sparkasse Langen-Seligenstadt) würdigt herausragende Nachwuchsforschung am Langener Institut, die zu einer Erstautoren-Publikation in einer bedeutenden wissenschaftlichen Fachzeitschrift führt. „Diese Preisvergabe unterstreicht einmal mehr die Bedeutung des Paul-Ehrlich-Instituts und ist nicht zuletzt eine Werbung für unsere Stadt als Standort für Forschung und Lehre“, betonte Bürgermeister Frieder Gebhardt. „ Ich beglückwünsche das Institut zur Vergabe des Preises, durch den junge und talentierte Wissenschaftler auf ihrem weiteren Weg gefördert werden.“ Neben dem Rathaus-Chef zählten der Vorsitzende des Vereins zur Förderung des Langener Wissenschaftspreises, Professor Johannes Löwer, PEI-Vizepräsident Professor Stefan Vieths sowie Stadtwerke-Direktor Manfred Pusdrowski zu den ersten Gratulanten.

„Alle eingereichten Publikationen waren preiswürdig“, stellte Vizepräsident Vieths stellvertretend für die 22 erfahrenen Wissenschaftler des PEI fest, die als Gutachter beteiligt waren. „Die Auszeichnung der drei Preisträger ist daher von besonderem Wert – sie soll Ansporn für künftige Nachwuchswissenschaftler sein.“ Der mit 500 Euro dotierte erste Preis geht an Peter Crauwels (27). Er zeigte, wie es einzelligen Parasiten, so genannten Leishmanien, gelingt, das menschliche Immunsystem zu überlisten. Leishmanien werden durch Sandmücken übertragen und führen zur Leishmaniose, einer Erkrankung, die das Immunsystem angreift und vor allem in den Tropen, im Mittelmeerraum und Asien vorkommt. Inzwischen dringen Sandmücken immer weiter nach Norden vor und wurden auch schon in Deutschland gefunden.

300 Euro und Rang zwei gehen an Dr. Susanne Siebeneicher (28), deren Erstveröffentlichung eine neue Methode zur Behandlung der Birkenpollen-Allergie zum Thema hat. Diese ist eine der am häufigsten vorkommenden Allergien in Europa, Nordamerika und Japan. Zur Behandlung gibt es zwei Optionen: Spritzen oder Tabletten und Tropfen – jeweils über mehrere Jahre. Siebeneichers Projektgruppe entwickelte ein Therapiepflaster, das Patienten bei geringeren Nebenwirkungen und größerer Effizienz unabhängiger von Ärzten machen könnte. Den mit 200 Euro dotierten dritten Preis erhält Dr. Axel Horn (35). Kern seiner Forschung ist die Entdeckung eines bisher unbekannten Schutzmechanismus’ gegen so genannte springende Gene (Retrotransposons), die sich im Erbgut ausbreiten und zu Schädigungen führen können. Möglicherweise könnte dieser Mechanismus genutzt werden, um therapeutisch relevante Zellen über die gezielte Aktivierung einer bestimmten Eiweißfamilie zu schützen. (hob)

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