Liebe zur Umwelt verbindet

Naturfreunde: Ortsgruppe Langen feiert 100-jähriges Bestehen

Geselligkeit gehört dazu: Ein Bild von einem Mitgliedertreffen im „Loch“ neben dem Naturfreundehaus – seit nun schon einem Jahr nicht mehr möglich.
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Geselligkeit gehört dazu: Ein Bild von einem Mitgliedertreffen im „Loch“ neben dem Naturfreundehaus – seit nun schon einem Jahr nicht mehr möglich.

Langen – Der morgige Samstag ist für alle Langener Naturfreunde ein ganz besonderer Tag: Dann feiert die hiesige Ortsgruppe ihren 100. Geburtstag. In den zehn Dekaden haben die Umweltschützer schon einige Höhen und Tiefen erlebt.

Die Geschichte der Langener Naturfreunde beginnt am 20. März 1921 im Gasthaus „Zum Bergfried“. Wie das „Langener Wochenblatt“ von damals berichtet, zeigt die sehr gut besuchte Gründerversammlung, dass auch in Langen der rechte Platz ist, eine solche Ortsgruppe aufzubauen.

Die ursprünglich 1895 in Österreich gegründete Organisation mit ihrer Leitidee, Arbeitern Erholung und Weiterbildung in der Natur zu ermöglichen, hat sich bis heute zu einer der ältesten und grössten Umweltorganisationen weltweit entwickelt. Die Schwerpunkte liegen damals wie heute im aktiven Umwelt- und Naturschutz, der sinnvollen Freizeitgestaltung für Familien und Senioren, sowie dem Einsatz für eine nachhaltige Produktions- und Lebensweise und damit gegen eine Ausbeutung von Mensch und Natur.

1933 wird in Deutschland nach und nach alles Demokratische zerschlagen, die Organisation verboten, ihre Häuser und ihr Vermögen beschlagnahmt, Andersdenke werden vom Terror heimgesucht, schikaniert, gedemütigt und misshandelt. So auch der Langener Walter Rietig, der im Dezember 1942 in Berlin-Plötzensee mit einem Fallbeil getötet wird. Er hinterlässt seine Frau Grete, die sein erstes und einziges Kind Gerhard Rietig erwartet.

Dreh- und Angelpunkt der Aktivitäten: Das Naturfreundehaus auf dem Steinberg wurde vor 50 Jahren gebaut.

Mit dieser Grete Rietig gründen zwei weitere Langener Naturfreunde, Christoph Gaußmann und Christian Werner, am 29. Dezember 1945 im Sitzungssaal der Haushaltungsschule den Verein mit 76 Mitgliedern neu. Die Genehmigung dazu erteilt der Kreisausschuss Offenbach im September 1946. Das Langener Vereinsleben kommt in Fahrt, die Mitgliederzahl nimmt zu und damit der Wunsch nach einem neuen Vereinsheim.

1947 stellt die Stadt Langen dem Verein das Gelände des ehemaligen Schießstandes am Steinberg in Pacht zur Verfügung und die Mitglieder machen in zahlreichen freiwilligen Arbeitsstunden eine Vereinsoase daraus. Bedingt durch Einbrüche, Vandalismus und Hochwasser ist das Anwesen Ende der Sechzigerjahre allerdings unbenutzbar. Der Gedanke eines Neubaues wird verfolgt und schließlich mit Mitteln von Land, Kreis, Stadt und Verein verwirklicht. Im Juni 1971, zum 50-jährigen Vereinsjubiläum, eröffnet der damalige hessische Sozialminister Dr. Horst Schmidt das neue Naturfreundehaus. Von Anbeginn wird das Haus verpachtet. Als sechstes Pächterehepaar bewirtschaftet es momentan die Familie Milutinovic – und das schon seit 1993.

Die Langener Ortsgruppe der Naturfreunde zählt im Jubiläumsjahr 75 Mitglieder, einige von ihnen sind noch aus der Zeit der Wiedergründung nach dem Zweiten Weltkrieg dabei. Der Pandemie ist es geschuldet, dass die Naturfreunde bereits seit einem Jahr keine Mitglieder-Veranstaltungen abhalten können. Auch haben sich viele der Mitglieder schon lange nicht mehr gesehen. „Eine schwierige Zeit für den Verein und den Vorstand“, so die Naturfreunde. Anlässlich des Jubiläums war eigentlich am morgigen Samstag eine Arbeitstagung mit allen Mitgliedern auf dem Freigelände geplant, die nun ausfällt. Nachgeholt werden soll sie aber auf jeden Fall – dann, wenn man sich wieder etwas näher kommen darf. (msc)

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