Neuen Mittelpunkt mit Leben füllen

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Zwei markante Gesichter des Nordends: Günter Bartsch (links) und Franz Kleibel haben das Programm Soziale Stadt von Anfang an begleitet.

Langen ‐ Am Anfang überwog die Skepsis, doch am Ende fällt das Fazit fast durchweg positiv aus. Zehn Jahre Soziale Stadt im Nordend... Von Frank Mahn

Was sich in dieser Zeit alles getan hat, ließen die Verantwortlichen aus dem Rathaus gemeinsam mit den anderen am Projekt Beteiligten und Bewohnern des Viertels am Dienstagabend Revue passieren. Mit der 15. und letzten Stadtteilkonferenz wurde im Schüler- und Familienzentrum der Schlussstrich gezogen, denn der Förderzeitraum des Bund-Länder-Programms läuft bekanntlich Ende des Monats aus.

Zwei, die den Prozess von Anfang an konstruktiv begleitet haben, sind Günter Bartsch und Franz Kleibel. Von ihnen kamen nicht nur viele Anregungen, sie packten auch mit an, wenn irgendwo Hilfe gebraucht wurde. Die beiden Rentner organisierten Stadtteil-Feste, standen am Grill, zapften Bier und, und, und. Für ihr besonderes Engagement überreichte ihnen Bürgermeister Frieder Gebhardt ein kleines Präsent.

Günter Bartsch kam in den 50er Jahren aus Mecklenburg mit seiner Mutter und fünf Geschwistern in den Westen. Nach einem Jahr in Hanau ging’s weiter nach Langen – die Familie zog ins 2005 abgerissene Übergangswohnheim. „Wir haben mit sieben Personen auf 30 Quadratmetern gelebt“, erinnert sich der 71-Jährige. Dem Stadtteil blieb er treu, seit gut fünf Jahrzehnten ist Bartsch in der Annastraße zuhause. Auch Franz Kleibel kennt das Viertel wie seine Westentasche. Der 69-Jährige lebt dort seit 1962.

Auch Stadt ist an Belebung gelegen

Die Entwicklung, die der Stadtteil durch das Förderprogramm genommen hat, bewerten beide sehr positiv. „Man muss anerkennen, was hier geleistet worden ist“, sagt Bartsch. Als ausgesprochen gut gelungen empfinden sie die Gestaltung des Platzes der Deutschen Einheit. Jetzt müsse der Platz nur noch stärker belebt werden. Vorstellen können sich die beiden Flohmärkte, Auftritte von Musikgruppen oder Theateraufführungen für Kinder. „Das könnten Vereine oder andere Organisationen übernehmen“, regen sie übereinstimmend an.

Auch der Stadt ist an einer Belebung gelegen. Vor diesem Hintergrund und um Geld in die Kasse zu bekommen, will sie zwei Grundstücke an der Annastraße an Investoren verkaufen. Sie könnten dort Wohnungen, Büros, Praxen und Geschäfte bauen. Ganz oben auf dem Wunschzettel steht ein Café mit Außenbewirtschaftung. Nach Angaben von Fachbereichsleiter Carsten Weise gibt es Interessenten, aber noch keine konkreten Ergebnisse.

Dass in der Tat viel bewegt wurde, dokumentierten zwei Filme, die Stadtplaner Markus Hirth und Quartiersmanagerin Margot Acht zeigten. Deutlich sichtbar sind die baulichen Veränderungen im Großen, aber auch „im Kleinen“ passierte jede Menge. So wurden alleine 40 Mikroprojekte umgesetzt – möglich machten es 400 000 Euro aus dem Förderprogramm LOS (Lokales Kapital für soziale Zwecke). Dazu zählten Sprachkurse, die Erstellung der Nordend-Chronik, Bewerbungstraining, Bewohnercafé, Walking- und Frühstückstreff für Frauen und Seminare zur Gewaltprävention.

„Haben zwar nicht alle Probleme gelöst“

„Wir waren Wohnungsvermittler, Lebens- und Schuldnerberater“, so Margot Acht vom Internationalen Bund, die am 31. Januar gemeinsam mit ihrem Kollegen Boris Hilb ihren letzten Arbeitstag im Stadtteilbüro hat. Gerne würde nicht nur sie sehen, wenn der stark frequentierte Mittagstisch für Schlüsselkinder eine Fortsetzung fände, der bislang zum Großteil von Sponsoren finanziert wurde.

„Wir haben zwar nicht alle Probleme gelöst, aber viele Anstöße gegeben“, bilanzierte Weise. Mit dem Erreichten zufrieden („Auch wenn einiges hätte schneller gehen können“) ist auch Stadtplaner Markus Hirth. „Es ist in zehn Jahren mehr passiert, als ich mir vorgestellt hatte.“

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