Neuer Investor in den Startlöchern

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Der Anblick des heruntergekommenen Hochhauses tut nicht nur alten „Pittleranern“ weh. Geht es nach den Vorstellungen des neuen Investors, wird es von der Bildfläche verschwinden.

Langen ‐ Nicht nur alten „Pittleranern“ blutet das Herz, wenn sie am einstigen Sitz des Unternehmens im Neurott vorbeifahren. Von Frank Mahn

Das heruntergekommene Hochhaus und das verwahrloste Pförtnerhäuschen sind das Gegenteil dessen, was sich eine Stadt als Visitenkarte für ihr Wirtschaftszentrum wünscht. Es könnte bald besser werden. Ein Investor steht Gewehr bei Fuß, um auf dem Gelände unter anderem einen Baumarkt anzusiedeln. Die dazu notwendige Änderung des Bebauungsplans kann nach Angaben von Erstem Stadtrat Klaus-Dieter Schneider nach den Sommerferien auf den Weg gebracht werden. Das Ziel der Stadt: „Wir wollen bis 2012 zumindest für Teile des Geländes Baurecht schaffen.“ Soll heißen: Dann könnte der Investor auch seinen Bauantrag einreichen.

Vor allem bei vielen älteren Langenern schwingt Wehmut mit, wenn es um Pittler geht. Der Name stand nach dem Krieg für den Wirtschaftsaufschwung in der Stadt. In seiner Blütezeit beschäftigte der Drehmaschinenhersteller mehr als 2.000 Menschen. Nach einer ganzen Reihe von Insolvenzen und dem Abriss der alten Hallen im Sommer 2006 ist dieser Superlativ nur noch eine schöne Erinnerung. Immerhin: Der Name lebt weiter, die Pittler T  & S GmbH zog seinerzeit mit 130 Mitarbeitern nach Dietzenbach, wo sie heute noch residiert.

Ziel ist ein Nahversorgungszentrum

Das Areal war bereits 2002 zwangsversteigert worden. Für zehn Millionen Euro hatte die Südparkentwicklungsgesellschaft aus Dreieich den Zuschlag erhalten. Deren Gesellschafter wollten auf dem insgesamt 8,3 Hektar großen Areal einen Mix aus Wohnen und Gewerbe verwirklichen. Die Sache zog sich in die Länge, so richtig kam das Projekt mit Namen „Platanenpark“ nicht in die Gänge. Mit der Finanzkrise musste sich der Eigentümer endgültig von der Idee verabschieden, dort attraktive und hochwertige Lofts zu bauen.

Das ehemalige Pittler-Pförtnerhäuschen sieht nicht weniger trostlos aus als das Hochhaus. Nur nachts herrscht dort ab und an ein bisschen Leben – wenn sich Obdachlose einquartieren.

Immerhin: Im nordwestlichen Bereich bekam die Pittler Berufsausbildung GmbH (PBA) ein neues Domizil. An dessen Finanzierung war die Fraport-Stiftung ProRegion maßgeblich beteiligt. Den PBA-Deal hatte die Stadt in einem Vertrag mit der Südpark fixiert, um ihr im Gegenzug Wohnungsbau auf einem Teil des Geländes zu ermöglichen. Die Stadt ist bereits seit 1997 Träger der PBA, rettete den Betrieb seinerzeit vor dem Aus. Die Stiftung ProRegion der Fraport stieg 2006 im größten Ausbildungszentrum der Region ein.

Im Norden des Areals eröffnete im August 2009 der Edeka – die KIZ GmbH aus Bad Soden-Salmünster zog Langens größten Einkaufsmarkt hoch. KIZ-Gesellschafter Norbert Kittler hat vor einiger Zeit von der Südpark auch die restlichen Flächen erworben. Sein Ziel ist – in Übereinstimmung mit den Verantwortlichen im Rathaus und basierend auf dem Einzelhandelskonzept – die Schaffung eines „Nahversorgungs- und Fachmarkt-Ergänzungszentrums“. Einen Baumarkt als Magneten hat Kittler nach eigenen Angaben bereits an der Hand, er würde aber gerne noch weitere Märkte dort ansiedeln.

Was geht und was nicht, prüft nach den Worten von Klaus-Dieter Schneider derzeit ein Gutachter. Das Regierungspräsidium und der Planungsverband hätten der Stadt zur Auflage gemacht, die Auswirkungen auf andere Kommunen untersuchen zu lassen. Die Stadt will zudem darauf achten, dass der Handel in der Innenstadt durch das „Ergänzungszentrum“ keine Konkurrenz bekommt. „Wenn das abgestimmt ist, kann die Änderung des Bebauungsplans eingeleitet werden“, sagt Schneider.

Und was wird aus dem Hochhaus? Während die Südpark es sanieren und verklinkern lassen wollte, hat Kittler den Abriss vor Augen.

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