Neujahrsempfang in Langen

 Das Ende der Krise fest im Blick

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Der deutsche Michel, der seine leeren Hosentaschen zeigt: Die Skulptur, die vor rund 40 Jahren dem damaligen Bürgermeister Hans Kreiling geschenkt wurde, passt ganz gut auch zur derzeitigen Situation der Stadt. Frieder Gebhardt blickt dennoch optimistisch in die Zukunft.

Langen - Feurig („Spanischer Zigeunertanz“), fast schon giftig („Tarantella“) die musikalische Umrahmung durch den Orchesterverein, bissig auch die Rede des Bürgermeisters: Frieder Gebhardt sparte beim Neujahrsempfang nicht mit Kritik, blickte aber auch optimistisch in die Zukunft. Von Markus Schaible

Same procedure as last year? Same procedure as every year: Die Schlange derer, die Stadtverordnetenvorsteherin Margarete Wahler-Wunder und Verwaltungschef Gebhardt die Hand drücken und ein „Gutes neues Jahr“ wünschen möchten, reicht quer durch das Foyer der Stadthalle. Allerdings dauert das „Vorgeplänkel“ nicht ganz so lange wie sonst – wetterbedingt sind doch einige der Geladenen dem Empfang ferngeblieben. Dennoch erntet der Orchesterverein für seine Darbietungen reichlich Beifall; nach der Rede des Bürgermeisters allerdings hält sich der ein oder andere mit Applaus zurück. Kein Wunder, benennt Gebhardt doch deutlich, was aus seiner Sicht falsch gelaufen ist im vergangenen Jahr. Und da steht an vorderster Stelle das knappe Abstimmungsergebnis über den Etat 2013. Dieses empfinde er als „enttäuschend“: „Ich hätte mir bei einem solchermaßen hochdefizitären Haushalt einen breiteren Schulterschluss und mehr Mut in der Stadtverordnetenversammlung erhofft. Die Neinsager sind bis heute eine schlüssige Erklärung für ihre Ablehnung schuldig geblieben. Eine Defizit-Verringerung anzumahnen, aber keinerlei Vorschläge zu unterbreiten, wie diese dauerhaft zu erzielen ist, bringt uns keinen Schritt weiter.“ Ein deutlicher Vorwurf Richtung CDU, FWG-NEV und FDP.

Und Gebhardt legt nach: „,Es soll etwas geschehen, aber es darf nichts passieren. Wir wollen Veränderungen – tue etwas Wirksames, aber bitte nicht bei uns.‘ Mit einer solch zögerlichen Haltung halte ich vielleicht meine Klientel bei guter Laune – wenn die Karre aber erst einmal an die Wand gefahren ist, hilft das leider niemandem mehr.“

Mit Enthaltungen oder Verweigerungen könne man sich auch von unpopulären Entscheidungen reinwaschen, so der Bürgermeister. „Drei ablehnende Stimmen mehr beim Haushalt 2013 und wir hätten unseren Vereinen und Organisationen erklären müssen, warum sie vorerst keine Zuschüsse und Fördermittel erhalten. Wir können froh sein, dass es so weit nicht gekommen ist.“

Bund und Land „Verursacher der Misere“

Deutlich zielt Gebhardt auch auf Bund und Land „als maßgebliche Verursacher der Misere“. Neben der „nicht ausgereiften Unternehmenssteuerreform von 2008“, die mit für den Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen verantwortlich sei, würden die den Kommunen immer neue Aufgaben übertragen, ohne für den nötigen finanziellen Ausgleich zu sorgen.

Im 111. Jahr seines Bestehens: Der Orchesterverein Langen umrahmte den Neujahrsempfang der Stadt.

Trotz der Krise blickt der Bürgermeister optimistisch in die Zukunft, denn: „Wir Langener wollen kräftig anpacken und handeln – und der Erfolg wird sich einstellen.“ 2013 würden im besonderen Maße Weichen gestellt – über das Jahr hinaus: „Wir werden einen Masterplan für die nächsten fünf bis zehn Jahre entwerfen. Bausteine dafür liegen bereits auf dem Tisch. Es geht dabei um die strategische Ausrichtung unserer Stadt beim Wohnen, der Gewerbeansiedlung, der Mobilität, der Infrastruktur, dem Klimaschutz, dem Sozialen und der Bildung. Genauso geht es um die Angebote für Jung und Alt, um die Integration von Zuwanderern und schließlich geht es um die Kommunikation zwischen Wirtschaft und Verwaltung und zwischen Verwaltung und Bürgern. Es geht um eine alle Bereiche umfassende Stadtentwicklung.“

Aktuell stehe die Umsetzung von Vorhaben an, die die Stadt deutlich weiterbringen, so Gebhardt: Neben dem Neubau der Kita auf dem alten SSG-Platz hob er besonders die Entstehung eines Fachmarktzentrums an der Pittlerstraße, die Vermarktung der Gewerbebrache Monzapark Nord und das Wohnungsbauprojekt „Langener Terrassen“ (die Nachfrage übertreffe alle Erwartungen des Investors) hervor. „Langen wird wachsen, davon bin ich überzeugt“ – und das stimmt den Bürgermeister hoffnungsfroh.

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