Mehrheit im Finanzausschuss segnet Mehrkosten ab

Sanierung der Bahnbrücke: „Nichts darf mehr schiefgehen“

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3,2 Millionen Euro sollen in den Nachtragshaushalt für die Sanierung der Brücke eingestellt werden. Wird diese nicht rechtzeitig fertig, könnte die Baustelle zweieinhalb weitere Jahre bleiben.

Langen - Seit Anfang April teilt die Baustelle an der Brückensperrung die Stadt in zwei Hälften, sodass viele Langener Umwege in Kauf nehmen müssen. Nun beschäftigt das Thema die Stadtverordneten im Haupt- und Finanzausschuss aus einem unerfreulicheren Grund: Die Sanierung der Bahnbrücke wird deutlich teurer als angenommen.

Denn das Bauwerk offenbarte nach der Öffnung ungeahnte Schäden. Die sogenannten Brückenlager in den Fundamenten müssen ausgetauscht werden. Zudem hatten die Konstruktionspläne nicht mit der Realität übereingestimmt, es mussten andere und verstärkte Halte- und Gerüstkonstruktionen aufgebaut werden, um benachbarte Gebäude zu schützen. Der dritte Grund für die erhebliche Preissteigerung ist eine Terminverschiebung zu Beginn der Bauzeit und die Forderung der Bahn, dass die Brücke eine Woche früher als geplant wieder abgesenkt werden muss – die Arbeiten also bis dahin beendet sein müssen.

Die Kommunalpolitiker im Ausschuss müssen entscheiden, ob sie die Mehrkosten in Höhe von 1,2 Millionen auf 3,2 Millionen Gesamtkosten für den Nachtragshaushalt absegnen. Es gibt einige kritische Nachfragen, denen sich Manfred Pusdrowski als Chef der Kommunalen Betriebe (KBL) stellt. Tobias Kraut, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der CDU, betonte, seine Fraktion habe die „immensen Kostensteigerungen schockiert zu Kenntnis genommen“. Er will wissen, ob die 135.000 Euro Mehrkosten für die Verspätung in die Verantwortung des ausführenden Unternehmens falle und wer verantwortlich für die falschen Pläne sei, die die 220.000 Euro für die Festhaltekonstruktionen verursacht haben. Pusdrowski erläutert, dass die Arbeiten auf Plänen von 1969 fußen, weil es schlicht keine neueren von der Brücke gebe. Für die ausführenden Unternehmen hätten sich durch all die Punkte unbestreitbar Mehrkosten ergeben: „Aber wir werden sie in dieser Höhe nicht einfach so hinnehmen. Allerdings müssen wir das Geld ja bereitstellen“, sagt der KBL-Chef und betont, er verhandele mit den Firmen.

Bilder: Brücke in Langen angehoben

Doch das ist nicht das einzige Problem, wie nach Pudrowskis Worten deutlich wird: Die Bahn sei dafür verantwortlich, dass die Brücke eine Woche früher wieder abgesenkt wird – am Wochenende 20./21. Oktober. „Ehrlich gesagt schwitze ich Blut und Wasser, dass wir den Termin einhalten können. Falls das nicht klappt – dies hat mir der Bahnverantwortliche unmissverständlich erklärt – könnte es sein, dass wir den nächsten Termin erst in zweieinhalb Jahren bekommen.“ Diese Ankündigung ruft Ralf Weber von der SPD-Fraktion ans Mikrofon. Ob dies bedeute, dass die Langener damit rechnen müssen, die nächsten zweieinhalb Jahre in einer geteilten Stadt zu leben. Bis jetzt, so Pusdrowski, seien die Bauarbeiten durch große Anstrengungen im Zeitplan. „Aber ich will es nicht kleinreden: Das Risiko, dass das schief geht, wenn wir jetzt weitere Überraschungen auf der Baustelle erleben, ist durchaus da.“

Die Vertreter von SPD, Grüne und UWFB stimmten für die Bereitstellung des Geldes. CDU, FDP und FWG-NEV enthielten sich. Das letzte Wort hat am Donnerstag, 18. Oktober, 20 Uhr, die Stadtverordnetenversammlung. (zcol)

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