Der Notdienst und das liebe Geld

Langen ‐ Das Problem ist erkannt und soll sich nicht wiederholen: Die Verantwortlichen des Medizinischen Qualitätsnetzes Langen-Dreieich (MQLD) wollen alles daran setzen, beim Ärztlichen Notdienst Wartezeiten wie zwischen Weihnachten und Silvester künftig zu vermeiden. Von Markus Schaible

Dies betonten jetzt MQLD-Vorsitzender Dr. Matthias Scholz sowie die beiden Obmänner des Notdienstes, Dr. Elmar Grosch und Dr. Horst Rolfes, bei einem Gespräch mit unserer Redaktion. Allerdings machten sie auch deutlich, dass es verschiedene Faktoren waren, deren Zusammentreffen solch chaotische Zustände erst hervorrief und die teilweise auch nicht so leicht zu beseitigen sind.

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Ein Grund für den Ansturm auf die in der Asklepios Klinik untergebrachte Notdienstzentrale war die Tatsache, dass zwischen den Jahren so gut wie alle Arztpraxen in Langen, Egelsbach und Dreieich geschlossen hatten. „Das war in der Vergangenheit anders“, sagt Grosch. Jedoch: Vor dem Hintergrund der Gesundheitspolitik gebe es für die Praxen keinerlei Anreiz, dann zu öffnen – im Gegenteil. Die politisch verordnete Begrenzung des Regelleistungsvolumens und der Fallzahlen bei Kassenpatienten bewirke, dass der Arzt zum Ende eines jeden Quartals bei diesen kein Geld mehr verdiene, sondern im Gegenteil (weil die äußerst knapp bemessenen Budgets bereits aufgebraucht seien) draufzahlen müsse. „Dass man da über die Feiertage lieber seine Praxis zumacht und seinen Leuten ein paar freie Tage gönnt, statt mit minimalster Bezahlung zu arbeiten, dürfte logisch sein“, sagt Grosch. „Ich verstehe mich gerne als Dienstleister“, betont er mit Blick auf einen entsprechenden Kommentar unserer Zeitung, „aber ich will auch entlohnt werden wie jeder Dienstleister.“

Personelle Aufstockung ist nicht einfach

Ein anderes Problem ist die Schwierigkeit, überhaupt Ärzte für den nicht sonderlich attraktiven Notdienst zu finden. Für die Dienstpläne sei ein langer Vorlauf nötig: „Die Pläne für Weihnachten stellen wir bereits im Juni auf“, erklärt Grosch. „Deshalb müssten wir eigentlich schon im Juni wissen, wie viele Praxen zwischen den Jahren öffnen.“ Doch zu diesem Zeitpunkt seien noch keine verlässlichen Angaben zu erhalten: „Wenn wir aber im November sehen, es sind zu wenige offen, sprich wir müssen den Notdienst aufstocken, finden wir keine Ärzte mehr.“

Wobei eine personelle Aufstockung aufgrund die begrenzten räumlichen Kapazitäten nicht einfach ist, wie die Verantwortlichen wissen. Mehr als die zwei Ärzte, die an Wochenenden sowie in der kompletten Zeit über Weihnachten und Silvester im Einsatz sind (ein dritter steht als sogenannter Hintergrund für Hausbesuche zur Verfügung), könnten dort eigentlich nicht „komplikationslos“ nebeneinander Dienst tun, so Rolfes.

Zwar steht ein Umbau in diesem Bereich der Klinik an – aber noch gibt es keine konkreten Pläne; eine Realisierung dauere also noch einige Zeit lang. Und: „Bei knappen Ressourcen und einer Patientenfrequenz von sechs bis zehn pro Nacht an 300 Werktagen können keine Großpraxis-Räumlichkeiten für Weihnachten vorgehalten werden“, ergänzt Rolfes – „solange dies die Politik nicht wünscht und auch nicht bezahlt.“

Notdienst ist „auf einem guten Weg“

Womit wieder eine Lösung her muss, die sich nicht nur auf die Notdienstzentrale stützt: „Wir müssen intern unter den Hausärzten einen Modus finden, dass zumindest vormittags jeweils zwei Praxen für Langen, zwei für Dreieich und eine für Egelsbach geöffnet hat, um die ‚bürokratischen Notfälle‘ wie das Ausstellen von Krankmeldungsverlängerungen und anderen Bescheinigungen, aber auch Laborbesprechungen zu erledigen“, sagt Rolfes.

Nichtsdestotrotz sei der Notdienst in Zusammenarbeit mit der Asklepios Klinik auf einem guten Weg, betonen die Mediziner. Dennoch würde eine finanzielle Unterstützung durch die Kommunen den Bestand der Einrichtung stärken, betont Scholz, wohl wissend, dass die politischen Signale keine guten sind. Aber Mörfelden-Walldorf beispielsweise zahle jährlich einen Zuschuss, um den Notdienst zu erhalten und den Bürgern längere Wege zu ersparen. Auch für die Langener Einrichtung gehe es nicht um riesige Summen, so Scholz: „Wir reden da über 50 Cent pro Jahr und Einwohner.“ Denn schließlich sei es auch an den Politikern, zu sagen, was ihnen eine solche Einrichtung für ihre Bürger wert ist.

Rubriklistenbild: © pixelio.de / Rainer Sturm

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