Häufige Schnelltests, Schichtsystem und FFP2-Pflicht

Wie sich die kritische Infrastruktur im Kreis Offenbach auf Omikron vorbereitet

Stop! Wer die Asklepios Klinik in Langen betritt, muss zuerst seine Nachweise zeigen. Zudem setzt die Klinikleitung auf häufige Coronatests der Mitarbeiter. Die Impfquote unter den Beschäftigten ist mit 96 Prozent aber hoch.
+
Stop! Wer die Asklepios Klinik in Langen betritt, muss zuerst seine Nachweise zeigen. Zudem setzt die Klinikleitung auf häufige Coronatests der Mitarbeiter. Die Impfquote unter den Beschäftigten ist mit 96 Prozent aber hoch.

Omikron breitet sich rasch aus. Welche Vorsichtsmaßnahmen treffen Langen und Egelsbach?

Langen/Egelsbach – Mittlerweile ist laut Bundesgesundheitsministerium die Hälfte der Erwachsenen geboostert – trotzdem treibt Omikron die Corona-Zahlen in die Höhe. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Covid-Variante ausbreitet, und die höhere Ansteckungsgefahr lassen befürchten, dass Bereiche der kritischen Infrastruktur nicht mehr aufrechterhalten werden können, wenn sich viele Menschen gleichzeitig infizieren oder in Quarantäne begeben müssen. Wir haben nachgefragt, welche Vorsichtsmaßnahmen die Akteure der kritischen Infrastruktur in Langen und Egelsbach treffen.

Feuerwehr in Langen und Egelsbach (Kreis Offenbach)

Seit knapp zwei Jahren gebe es eine Corona-Dienstanweisung für die Freiwilige Feuerwehr Langen, die stets angepasst werde, erklärt Stadtbrandinspektor Frank Stöcker. Diese werde nun verschärft. Die Feuerwehr teilt ihr Personal in Dienstgruppen auf. „Damit im Fall einer Infektion nicht gleich alle Einsatzkräfte ausfallen“, sagt Stöcker. Bei kleineren Routineeinsätzen werde nur die Hälfte der Einsatzkräfte alarmiert. „Bei großen Einsätzen müssen natürlich alle kommen“, so der Stadtbrandinspektor. Tägliche Coronatests und eine FFP2-Maskenpflicht gehören genauso zum Konzept wie ein Verzicht auf Ausbildung in Präsenz. „Wir haben die Kinder- und Jugendfeuerwehr ausgesetzt. Die Ausbildung für die Erwachsenen funktioniert online“, erklärt Stöcker. Der Nachwuchs und Mitglieder der Alters- und Ehrenabteilung dürfen die Feuerwache auch nicht mehr betreten. „So versuchen wir, das Ganze am Leben zu erhalten.“

Auch die Freiwillige Feuerwehr Egelsbach hat ihr Corona-Einsatzkonzept angepasst: Die Fahrzeugbesatzung wird als Vorsichtsmaßnahme reduziert, bei Gruppenfahrzeugen wenn möglich auf ein Fünftel. Auch die Egelsbacher setzen vorerst die Ausbildung in Präsenz und die Kinder- und Jugendfeuerwehr aus und schulen per Online-Unterricht. Im gesamten Feuerwehrhaus gilt überdies Maskenpflicht, im Einsatz müssen die Retter FFP2-Masken tragen. Außerdem stehen den Einsatzkräften uneingeschränkt Antigen-Schnelltests zur Verfügung.

Energieversorgung und Müllabfuhr in Langen und Egelsbach (Kreis Offenbach)

Auch die Versorgung mit Strom, Gas und Wasser gehört zur kritischen Infrastruktur, Grundversorger für Langen und Egelsbach sind die Stadtwerke. Die Kommunalen Betriebe (KBL) sind etwa mit der Müllabfuhr systemrelevant. Manfred Pusdrowski, der beide Einrichtungen in Personalunion leitet, sagt: „Wir organisieren die Bereitschaftsdienste so, dass immer genug Mitarbeiter zur Verfügung stehen. Damit auch, wenn einzelne erkranken, nicht alle infiziert sind.“ Natürlich setze man, wo immer es geht, auf Homeoffice. Zudem ist das Kundencenter für Besucher geschlossen und Mitarbeiter werden nicht mehr auf Fortbildungen geschickt, um Kontakte zu vermeiden. „Ich denke schon, dass wir alles Erdenkliche unternehmen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten“, betont Pusdrowski. Die Langener stimmen sich auch mit den Stadtwerken aus den Nachbarkommunen ab und mit dem wöchentlichen Krisenstab der Verwaltung. „Hier muss ich sagen: Die Kommunikation mit den Entscheidungsträgern klappt sehr gut“, lobt Pusdrowski.

Krankenhaus in Langen (Kreis Offenbach)

Die Mitarbeiter der Langener Asklepios Klinik sind dem Coronavirus natürlich in besonderer Weise ausgesetzt. „Die Sicherheitsvorkehrungen, die wir mit Pandemiebeginn eingeführt haben, haben wir auch in den Zeiten niedrigerer Inzidenzen kaum zurückgefahren“, sagt Jan Voigt, Geschäftsführer der Klinik, die als sogenanntes Level-1 Krankenhaus einer der Schwerpunktversorger im Rhein-Main-Gebiet ist. „Wir trennen bei der Aufnahme Covid-Patienten, testen alle Patienten, symptomatische sogar doppelt (Antigentest und PCR), haben ein Mitarbeitertestzentrum eröffnet und testen seit August ungeimpfte Mitarbeiter täglich“, erläutert Voigt. Die Impfquote unter den Mitarbeitern liege aber bei über 96 Prozent.

Auf den bis zu drei Isolationsstationen setzt Asklepios das Personal versetzt ein. Bereits im Sommer hat sich die Klinikleitung auf eine vierte und fünfte Corona-Welle vorbereitet. „Wir haben die fachärztliche Präsenz in der zentralen Notaufnahme erhöht, beschäftigen seit Pandemiebeginn 60 Pflegekräfte mehr und haben die Digitalisierung ausgebaut, damit Ärzte und Pflegekräfte Behandlungsdaten besser nutzen können“, sagt Voigt.

Die Klinikleitung weiß, dass die eingeschränkte Möglichkeit zum Besuch der Patienten, viele Angehörige belastet. „Um hier besser reagieren zu können, haben wir die neue Position des Gesundheits- und Pflegekoordinators geschaffen“, so Voigt. Ein langjähriger Mitarbeiter, der die Klinik aus seiner Tätigkeit als Pflegekraft im Bereich der Intensivstation und des Herzkatheterlabors kennt, fungiert als Ansprechpartner für Patienten und Angehörige für alle Themen rund um die pflegerische Versorgung. Neben praktischen Tipps für die Pflege zu Hause unterstützt er die Überleitung stationärer Patienten in Alten- und Pflegeheime, Reha-Einrichtungen oder die ambulante Pflege. Den Kontakt zum Gesundheits- und Betreuungskoordinator kann die jeweilige Stationsleitung herstellen, bald sollen Beratungstermine auch über die Webseite oder per Telefon buchbar sein.

Verwaltung in Langen und Egelsbach (Kreis Offenbach)

Die Langener Stadtverwaltung hat mit Blick auf Omikron ihre Vorkehrungen angepasst. „So wird wieder weitestgehend auf Besprechungen in Präsenz verzichtet, zudem gilt im gesamten Rathaus und allen Außenstellen wieder FFP2-Masken-Pflicht“, teilt Pressesprecher Markus Schaible mit. Soweit möglich arbeiten die Beschäftigten im Homeoffice oder in Wechselschichten. Die Ordnungspolizei ist in feste Teams eingeteilt. „Wir werden die Lage im Blick behalten und gegebenenfalls unverzüglich weitere Maßnahmen ergreifen oder bestehende verschärfen“, kündigt Schaible an.

Die Gemeinde Egelsbach setzt verstärkt auf Selbsttests. „Wir verteilen sie großzügig“, sagt Bürgermeister Tobias Wilbrand. Alle Angestellten im Rathaus und Bürgerbüro sollen die Möglichkeit haben, sich mindestens zweimal pro Woche zu testen. „Manche, die viel unterwegs sind, testen sich sogar täglich“, so Wilbrand. Dazu versuche man, Homeoffice zu ermöglichen. „Wir sind aber noch nicht so digitalisiert wie viele andere Verwaltungen, deswegen geht das bei uns nur bedingt“, erläutert er. Bei internen Zusammenkünften gelte Maskenpflicht. Zwischen den Jahren gab es mehrere von der Feuerwehr organisierte Impfaktionen, bei denen sich Verwaltungsangestellte boostern lassen konnten. Die Impfquote bei seinen Mitarbeitern sei „relativ hoch“, sagt Wilbrand, sie liege bei über 90 Prozent. (Von Julia Radgen und Manuel Schubert)

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare