Obdachlose campieren in Unterführung

Aggressiv am Langener Bahnhof angebettelt

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Die eine Hälfte des nächtlichen Lagers in der Bahnhofsunterführung, fotografiert am Dienstagabend gegen 23.30 Uhr von einem Langener Pendler. Die zweite Gruppe Obdachloser lagerte im linken der im Hintergrund zu erkennenden Tunnelabzweige.

Langen - Menschliches Drama – Belästigung hoch drei: Die Szenen, die sich in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch, vor allem aber am Mittwochmorgen zur Hauptverkehrszeit am Langener Bahnhof abgespielt haben, sind vielen Berufspendlern nicht entgangen. Die Reaktionen, insbesondere in sozialen Netzwerken wie Facebook, sind entsprechend heftig. Von Holger Borchard 

Am späten Dienstagabend haben Obdachlose in der Unterführung des Bahnhofs ein Nachtlager aufgeschlagen. Reisende beziehungsweise um diese Zeit von der Arbeit zurückkehrende Pendler berichten von zehn bis 15 Personen, die sich auf zwei Gruppen verteilt mit Matratzen, Matten und Schlafsäcken in den Gängen eingerichtet hätten. Zitat: „Keine einheimischen Obdachlosen und ein Anblick, wie man ihn sonst nur aus Frankfurt kennt.“ Ein Pendler schickte unserer Zeitung Handyfotos, verbunden mit dem Hinweis, er habe nicht nur sofort die Langener Polizei informiert, sondern ebenso die Deutsche Bahn AG, deren Servicerufnummer praktischerweise in einem Infokasten neben den Nächtigenden hing. Wie es in der Nacht weiterging, ob reguläre Polizei beziehungsweise die kraft ihres „Hoheitsgebiets“ zuständige Bahnpolizei Präsenz zeigte, die Obdachlosen ansprach, aber womöglich humane Kulanz walten ließ, indem sie diese nicht vertrieb, war gestern nicht definitiv zu klären.

Wie dem auch sei: Mittwochfrüh war die Gruppe noch immer am Bahnhof zugange – und entfachte in der Folge lästige Aktivität: Etliche Bahnreisende berichten, sie seien auf den Bahnsteigen systematisch angebettelt, ja mitunter angepöbelt worden. Ein gemeinsamer Einsatz von Langener Polizei und Mitarbeitern des städtischen Ordnungsamts bereitete dem Spuk gegen 8 Uhr ein Ende. Die Beamten hätten rund zehn bis 15 Personen im Bereich des Bahnhofs kontrolliert, Platzverweise ausgesprochen und deren Abfahrt per Bahn überwacht, teilt die Langener Polizeidienststelle mit.

In der Bewertung des Vorfalls ist man sich auf der Wache und im benachbarten Rathaus einig: „ein so noch nicht dagewesener Vorgang“. Um eine Wiederholung auszuschließen, laufe das Ordnungsamt seit gestern tagsüber verstärkt am Bahnhof Streife, in der Nacht werde die Polizei übernehmen. „Wir müssen aber festhalten, dass unsere Befugnisse begrenzt sind, zumal wir über Bahnterritorium und somit den Zuständigkeitsbereich der Bahnpolizei sprechen“, betont der städtische Fachbereichsleiter Carsten Weise.

Wohnwagensiedlung für Obdachlose in Wiesbaden

Seitens der Bahn war der Langener Zwischenfall nicht im Detail aufzuarbeiten, da der Zuständige just gestern frei hatte. „Generell gilt auf Bahnhöfen unser Hausrecht, das auch schon bei sogenanntem Herumlungern greift. Unser Sicherheitsdienst ist dazu angehalten, das Hausrecht durchzusetzen und Leute nötigenfalls zu verweisen“, erklärt eine Bahnsprecherin. Carsten Weises Fazit: „Obdachlosigkeit ist keine Straftat. In Fällen wie dem aktuellen ist die Handhabe schwierig. Nach den Informationen, die mir vorliegen, handelt es sich um eine Personengruppe, die sich bislang in Frankfurt aufgehalten hat.“

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