Öffentlicher Bücherschrank

Selbstbedienung am Wegesrand

+
Langens erster öffentlicher Bücherschrank wartet in der Romorantin-Anlage auf Laufkundschaft. Von Alexandre Dumas bis Jan Weiler, von Ratgebern für alle Lebenslagen bis hin zu Krimis und Jugendliteratur ist er schon recht gut bestückt. „Nehmen Sie sich ein Buch und setzen Sie sich nebenan auf die Bank oder ins Café“, werben Susanne Held (links) und Patin Gabriele Huhle-Kreutzer.

Langen - Die Idee ist nicht neu, aber Gutes kann man nicht oft genug kopieren: Die Stadt hat ihren ersten öffentlichen Bücherschrank. Er steht in der Romorantin-Anlage – seine Paten haben ihn gestern mit einer kleinen Feier eingeweiht. Von Holger Borchard

Was gemeinhin verpönt ist, hat an dem anthrazitfarbenen Kasten mit Schiebtüren aus Plexiglas Methode: Selbstbedienungsmentalität ist angesagt – wer auch immer auf dem Fußweg der Romorantin-Anlage in der Bahnstraße dort vorbeikommt, kann sich guten Gewissens und nach Herzenslust mit Lesestoff eindecken. Die Spielregeln sind einfach, weil ganz individuell handhabbar: Der Bücherschrank ist jedermann zu jeder Tageszeit zugänglich, Leihschein oder Registrierung sind überflüssig – alle bedienen sich und stellen im besten Fall ein anderes, ausgelesenes Werk ins Regal.

„Der Bücherschrank steht allen Langenern offen – wir freuen uns auf rege Nutzung“, ruft Susanne Held, Vorsitzende der CDU-Frauenunion, am Donnerstagmittag der kleinen Schar der Einweihungsgäste zu und zieht symbolisch das Tuch weg, das bis dato die Lesestation verhüllte. Ein wenig getrickst ist das schon, schließlich lädt das Gemeinschaftsprodukt diverser Partner bereits seit voriger Woche zum Schmöker-Stopp ein. „Es wird auch schon rege genutzt“, weiß Gabriele Huhle-Kreutzer zu berichten. Die Apothekerin, ebenfalls Mitglied der Frauen-Union, hat den Kasten von ihrem Geschäft gegenüber genau im Blick und die Rolle der ehrenamtlichen Schrank-Patin übernommen, die den Bestand pflegt, sichtet und sortiert.

Nachahmer gesucht

Rund 80 Bücher warten bereits auf Abnehmer: Krimis, Romane, Ratgeber, Reise- und Kinderbücher und etliches mehr. „Vor allem Schüler scheinen den Schrank schon für sich entdeckt zu haben, denn bei Kinder- und Jugendbüchern läuft das Wechselspiel schon ganz schön“, konstatiert Huhle-Kreutzer.

Für die Erstausstattung haben vor allem die CDU-Frauen und deren Bekanntenkreis gesorgt. „Es waren im Übrigen unsere Kinder, die uns den Anstoß zur Umsetzung dieser bundesweit immer populäreren Idee hier in Langen gaben“, erzählt Susanne Held. Den Bücherschrank gebaut hat die Pittler ProRegion Berufsausbildung, die 2500 Euro für Anfertigung und Aufstellung stammen vom Rotary-Club Offenbach-Dreieich und der Langener Bürgerstiftung. Den Kreis der Unterstützer komplettiert der Fördererkreis für Europäische Partnerschaften, dessen Vorsitzender Fritz-Jürgen Becker gestern gleich mal Lesestoff über die Partnerstädte in deutscher, englischer und französischer Sprache in die Regale stellte.

Nun hoffen die Organisatoren, dass Langens erster öffentlicher Bücherschrank von Vandalen verschont bleibt – und auf Nachahmer. „Das wäre klasse. Der Bahnhofsvorplatz oder der Platz der Deutschen Einheit wären sicher weitere gute Standorte“, sagt Susanne Held.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare