Projekt besteht seit 15 Jahren 

Corona in Afrika: Zwei Ärzte unterstützen ein Krankenhaus in Ghana

Gern gesehene Gäste: Hans-Georg Bester (rechts) und Michael Schöfer (Mitte) waren 2013 zuletzt gemeinsam in Ghana. Sie bereiteten damals die so erfolgreiche HIV-Prävention für ungeborene Babys vor. Heute gibt es faktisch keine Übertragung des Virus von Mutter auf Kind mehr.
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Gern gesehene Gäste: Hans-Georg Bester (rechts) und Michael Schöfer (Mitte) aus dem Kreis Offenbach waren 2013 zuletzt gemeinsam in Ghana. Während der Corona-Pandemie haben sie das Krankenhaus in Ghana mit einer Spendenaktion unterstützt.

Zwei Ärzte unterstützen seit 15 Jahren ein Krankenhaus in Ghana. Die Coronakrise stellt das Krankenhaus vor neue Herausforderungen.

  • Zwei Ärzte aus dem Kreis Offenbach unterstützen seit 15 Jahren eine Klinik in Ghana 
  • Die Coronakrise stellt das Krankenhaus in Afrika vor neue Herausforderungen
  • Die Ärzte Michael Schöfer und 

Langen – Internist Michael Schöfer aus Langen im Kreis Offenbach erinnert sich noch gut an seine erste Reise nach Ghana in Afrika, als er im Dienst der German Rotary Volunteer Doctors im Jahr 2005 im St. Dominic’s Hospital in Akwatia im Einsatz war: „Schon damals kamen die mit AIDS infizierten Frauen dort hin, um sich behandeln zu lassen und vor allem, um ihre ungeborenen Kinder zu schützen. 

Zwei Männer brauten zwei Tage lang in zwei großen Ölfässern eine Flüssigkeit und verabreichten sie den Patienten. Ob es geholfen hat? Ich bin mir nicht ganz sicher“, sagt der Langener Arzt schmunzelnd. „Es war eben ein richtiges Buschkrankenhaus.“ Jetzt, 15 Jahre später, zählt das St. Dominic’s Hospital zu den besten Krankenhäusern in dem westafrikanischen Staat und das ghanaische Ärzteteam betreut in dem 350-Betten-Haus rund 150 .000 Patienten im Jahr, davon 56 .000 stationär.

Corona in Afrika: Neue Herausforderung für Krankenhaus in Ghana  

Das Engagement von Michael Schöfer, der in der Internistischen Gemeinschaftspraxis im Fachärztezentrum an der Asklepios Klinik in Langen (Kreis Offenbach) praktiziert, und seinem Kollegen Hans-Georg Jester, ehemaliger Chefarzt der Asklepios Klinik Seligenstadt im Kreis Offenbach, hat einen großen Anteil an dem Erfolg des Krankenhauses. Mit der Unterstützung ihrer jeweiligen Rotary Clubs (Dreieich-Isenburg und Rodgau) gelingt es den beiden Ärzten, die Ausstattung und die Ausbildung der afrikanischen Kollegen auf ein neues Niveau zu heben. 

Dabei sammeln die Internisten nicht nur Geld für medizinische Apparaturen, sie sind auch selbst immer wieder in Ghana, schulen das medizinische Personal an den für sie neuen Geräten und lehren Untersuchungs- und Behandlungstechniken.

Mit den Spenden schaffen sie EKG- und Ultraschall-Geräte sowie wichtige Laboreinrichtung an und auch mit der Endoskopie sind die Mediziner in Ghana inzwischen vertraut. Hans-Georg Jester, selbst Gründungsmitglied der Rotarier im Rodgau, holt darüber hinaus immer wieder Ärzte und Krankenschwestern zur Weiterbildung an das Krankenhaus in Seligenstadt.

Ärzte aus dem Kreis Offenbach unterstützen Krankenhaus in Ghana

Das erste ganz große Projekt ist im Jahr 2014 die Einrichtung eines Labors zur Unterstützung der Behandlung der HIV-Infektionen. „Wir haben das Gerät angeschafft, das erkennt, ob Virusmaterial im Körper ist. Heute gibt es faktisch keine Übertragung von AIDS von der Mutter auf das Kind mehr. In der Klinik werden die Mütter behandelt und auch die Kinder bekommen während der Stillzeit eine Therapie“, erläutert Michael Schöfer Details. 

Auf dem neuesten Stand: Die Ärzte im St. Benedicts Hospital in Akwatia in Ghana können seit einigen Tagen in einem modern eingerichteten Labor arbeiten. 

Dieser Einsatz wird mit insgesamt 88. 000 Dollar unterstützt. Das Geld kommt dabei allerdings nicht alleine aus dem Kreis Offenbach: Ärzte für Afrika hilft mit und die Internationale Rotary Organisation aus den USA verdoppelt die Spenden noch einmal. Mit dieser Initiative gegen die Ausbreitung gegen das HIV-Virus wird das Hospital 2014 zu einem Referenzkrankenhaus der Vereinten Nationen (UNO).

„2018 habe ich auf meiner Reise nach Akwatia festgestellt, dass die Geräteausstattung in einem schlechten, nicht mehr vertretbaren Zustand ist“, berichtet Hans-Georg Jester. Die Internisten aus dem Kreis Offenbach werfen erneut die Spendentrommel an. Mit der Hilfe der heimischen Rotarier, den German Rotary Volunteer Doctors, dem Rotary Club in Ghanas Hauptstadt Accra und der Internationalen Rotary Organisation bekommt das Krankenhaus in Akwatia ein komplett neues Labor im Wert von 93. 500 Dollar, dessen Einweihung vor wenigen Tagen, am 22. Mai, gefeiert worden ist.

Spenden aus Kreis Offenbach finanzieren wichtige medizinische Geräte - auch für Corona-Tests

Covid-19 stellt die Mitarbeiter im Krankenhaus in Ghana jetzt vor neue Herausforderungen. „Vor drei Wochen erreichte mich ein Hilferuf aus dem Hospital. Das Krankenhaus hat einen Corona-Fall – muss aber alle Tests nach Accra schicken. Bis sie ausgewertet und zurück sind, vergehen drei Wochen“, erzählt Jester. 

Eine unhaltbare Situation, denn die Patienten müssen so im Krankenhaus bleiben, müssen die Kosten selbst tragen und von den Angehörigen jeden Tag mit Nahrungsmittel versorgt werden. Wieder gelingt es, 15. 000 Euro zu spenden, mit denen in Ghana ein Gerät von Heraeus zum Auswerten der Bluttests angeschafft werden kann. „Das Virus selbst ist nicht das größte Problem für Westafrika“, schätzt Michael Schöfer die aktuelle Lage ein. 

Die Bevölkerung sei sehr jung, das Coronavirus in der Auswirkung eher wie eine Grippe. „Aber die Krankenversorgung in Ghana ist zusammengebrochen. Die Menschen gehen aus lauter Panik vor Ansteckung nicht mehr ins Krankenhaus. Da ist zu vermuten, dass sich die Zahl der jährlich 400. 000 Malaria-Toten fast verdoppelt“, fürchtet Schöfer schlimme Nebenwirkungen der Pandemie in Afrika.

Coronavirus-Tests in Ghana nur schwer möglich - Ärzte aus Offenbach sammeln Spenden

Hans Georg Jester ist mit 81 Jahren noch immer nicht müde, Hilfe für Ghana zu organisieren. Und auch Schöfer will sich weiter für das St. Dominics Hospital einsetzen: „Es gibt noch tausend Dinge, die wir dort verbessern können. Es gibt beispielsweise keine Notaufnahme in der Klinik“, hat Jester noch Pläne. Und auch Schöfer weiß: „Das Hospital verlässt sich auf uns und wir haben eine sehr gute Beziehung. Außerdem sind die Ärzte und Schwestern vor Ort sehr zuverlässig und leisten eine hervorragende Arbeit. Dennoch bleibt es unser großes Ziel, die Selbstständigkeit des Krankenhauses in Akwatia zu erreichen“, setzt der Langener Internist auf Hilfe zur Selbsthilfe.

Von Nicole Jost

Auch in Münster gibt es eine Initiative, die Menschen in Ghana hilft. Doch auch das gemeinnütziges Engagement leidet in Zeiten von Corona. Vor der Coronakrise sind Mitglieder der Vereins regelmäßig in das westafrikanische Ghana gereist, um zu helfen und sich zu informieren.

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