Für Oliver Glasder war jeder Tag ein neues Abenteuer

Langen - Immer mehr Schüler zieht es ins Ausland / Gut besuchter Infoabend in der ARS

Langen/Egelsbach „Jeder Tag war ein neues Abenteuer. Ich würde es auf jeden Fall wieder machen.“ Wenn Oliver Glasder von seinem Auslandsjahr in Washington D.C. erzählt, gerät der 18-Jährige ins Schwärmen. Mit 16 beschloss er, die elfte Klasse im Ausland zu verbringen – für die Eltern völlig überraschend. „Das deutsche Schulsystem ging mir auf die Nerven“, erzählt der Egelsbacher, der zu diesem Zeitpunkt noch die Heinrich-Heine-Schule in Sprendlingen besuchte. „Je mehr ich mich im Internet über Auslandsaufenthalte und die verschiedenen Austauschprogramme informiert habe, desto mehr wollte ich weg“, erinnert er sich. Sein Vater sei zwar zuerst etwas geschockt gewesen, als er sagte: „Papa, ich will weg“, habe sich dann allerdings rasch mit dem Gedanken anfreunden können.

So wie Oliver Glasder packt immer mehr Jugendliche der Wunsch nach einem Aufenthalt im Ausland. Das bekommt auch Barbara Dammann, Englisch-Lehrerin an der Adolf-Reichwein-Schule, zu spüren. „Die USA sind ein riesiger Anziehungspunkt, andere Länder aber auch“, sagt sie. Seit der Umstellung auf G 8 habe die Gesamtschule mit Gymnasialzweig eine ganz andere Schülerklientel, erläutert der stellvertretende Schulleiter Torsten Lampert. Barbara Dammann wird immer häufiger von Schülern angesprochen, die sich die Auslandserfahrung in der zehnten oder elften Klasse nicht entgehen lassen wollen. Entsprechend groß war der Andrang der Interessierten, die zu einer Informationsveranstaltung in die ARS kamen. Knapp 150 Eltern und Schüler wollten von den eingeladenen Vertretern der großen gemeinnützigen Austauschorganisationen AFS (American Field Service), YFU (Youth for Understanding) und Rotary erfahren, was bei der Planung zu beachten ist.

„Neugier und Abenteuerlust sind die besten Voraussetzungen, außerdem solltet ihr eine gewisse Reife und gute Schulleistungen mitbringen und bereit sein, auch mal auf etwas zu verzichten – die beste Freundin etwa oder den Hund“, erläutert Sabine Grasmück-Werner von der Austauschorganisation AFS. Die Angst, angesichts der durch G 8 ohnehin schon verkürzten Schulzeit ein Jahr zu verlieren, sollte keine Rolle spielen, sagt sie: „Ein Austauschjahr ist immer ein Gewinn.“ Und die Schüler sollten durchaus mal ein anderes Land als die beliebten USA ins Auge fassen. „Nach zehn Schuljahren sprecht ihr schon sehr gut Englisch. Also überlegt euch, ob es nicht mal etwas Exotischeres sein darf“, so Grasmück-Werner.

Zwischen 5 000 und 9 000 Euro kostet der Spaß, wobei die osteuropäischen Länder noch deutlich günstiger sind als Australien, Kanada oder Neuseeland. Kein Pappenstiel, doch je nach Austauschorganisation ist es durchaus möglich, Stipendien zu erhalten. Etwa 1 000 Deutsche gingen jährlich mit der Austauschorganisation YFU ins Ausland, erläutert Yara Knipfer. Gleichzeitig gebe es nur halb so viele Gastfamilien in Deutschland, bedauert sie. „Wir suchen immer Familien, die Gastschüler aufnehmen wollen“, so Knipfer.

Oliver Glasder war von seiner Gastfamilie in Washington D.C. begeistert. Von Anfang an wurde er herzlich aufgenommen und sofort in den Freundeskreis seiner beiden Gastschwestern integriert. „Ich hatte außerdem das Glück, in eine jüdische Familie zu kommen“, erzählt er. „Es war mal etwas anderes, mit ihr das achttägige Fest Hanukkah zu feiern.“ Oliver Glasder ging mit AFS in die USA und erhielt ein Stipendium von der Robert-Bosch-Stiftung. Seit vergangenem Sommer ist er wieder in Deutschland und geht nun in die zwölfte Klasse der Weibelfeldschule. Schulisch verlief der Übergang reibungslos  – für ihn persönlich war es jedoch eine gewaltige Umstellung: „Als ich nach einem Jahr zurück nach Deutschland kam, war der Kulturschock viel größer. Man sieht alles aus einem ganz anderen Blickwinkel“, sagt er. In den Weihnachtsferien flog er daher gleich wieder nach Washington und verpasste Obamas Amtsantritt nur um eine Woche. „Mich hatte einfach das Heimweh nach meiner Gastfamilie gepackt“, sagt er und lächelt wehmütig.

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