Vom OP-Tisch ins Stadtparlament

Den Arztkittel hat Dr. Detlef Drömer (bis auf Urlaubsvertretungen) abgelegt, doch von Ruhestand kann keine Rede sein: Der Mediziner ist dank seiner Bekannt- und Beliebtheit im März ins Stadtparlament gewählt worden und auch sonst hat er gut zu tun.
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Den Arztkittel hat Dr. Detlef Drömer (bis auf Urlaubsvertretungen) abgelegt, doch von Ruhestand kann keine Rede sein: Der Mediziner ist dank seiner Bekannt- und Beliebtheit im März ins Stadtparlament gewählt worden und auch sonst hat er gut zu tun.

Langen - Bis vor ein paar Wochen behandelte er Patienten und stand am OP-Tisch, jetzt widmet er sich verstärkt der Familie, dem heimischen Garten und der Kommunalpolitik. Dr. Von Frank Mahn

Detlef Drömer ist nicht nur vielen Langenern aus seiner jahrelangen Tätigkeit als Chirurg und Unfallarzt bekannt. Gut drei Jahrzehnte hat er Diagnosen gestellt, Therapien empfohlen, Medikamente verschrieben, Wunden versorgt und operiert. Zum 1. Juli hat der 61-Jährige seine Praxis im Fachärztezentrum an Achim Hundsdorf übergeben, der sie gemeinsam mit Drömers langjährigem Partner Dr. Stefan Milowski weiterführt. Ganz weg ist Drömer allerdings nicht; eine Urlaubsvertretung hat er bereits übernommen.

Die Bandscheibe zwickt auch im Ruhestand

Eigentlich wollte sich der gebürtige Frankfurter schon ein bisschen früher in den Ruhestand verabschieden, aber die Suche nach einem geeigneten Nachfolger dauerte länger als gedacht. Der Schritt sei ihm nicht leicht gefallen, sagt Drömer. Aber auch ein Arzt ist nicht immun gegen gesundheitliche Probleme. „Ich vermeide Dinge, die mich körperlich belasten“, erzählt Drömer, den immer mal wieder die Bandscheibe zwickt. Er sei, sagt er mit einem Schmunzeln, sozusagen präventiv ausgestiegen. Also bevor sich die Beschwerden durch die anstrengende Arbeit gerade am OP-Tisch weiter verschlimmert hätten. Die Tätigkeit eines Chirurgen ist für Drömer eine Mischung aus „Kopfarbeit und Handwerk“.

Langweilig wird es dem Mediziner garantiert nicht. Seit der Kommunalwahl vertritt er die Unabhängige Wählervereinigung (UWFB) im Stadtparlament. Ehefrau Helga, die er vor ein paar Wochen zum Standesamt führte (nachdem sie schon 14 Jahre ein Paar waren), hat auch immer was für ihn zu tun. Und schließlich ist Drömer vor einigen Tagen Opa geworden. So ein Leben als Ruheständler kann ganz schön ausgefüllt sein.

Drömer hatte nach dem Studium 1982 eine Stelle am damaligen Dreieich-Krankenhaus angenommen. 1995 machte er sich mit einer Praxis an der Darmstädter Straße selbstständig. „Das war ein großes Wagnis, zumal die Kinder noch sehr klein waren“, erinnert er sich. Außerdem sei er nicht dazu erzogen worden, Schulden zu machen. Für den Traum von der Praxis aber musste er zur Bank gehen und sich Geld leihen. „Das hat mir schlaflose Nächte bereitet.“ 2006 folgte dann – nach einer kurzen Übergangszeit in Milowskis damaliger Praxis in der Westendstraße – der Umzug ins Fachärztezentrum. 4 000 Patienten, schätzt Drömer, hat er dort pro Jahr betreut.

Das deutsche Gesundheitswesen hält er, wie wohl die meisten seiner Kollegen – für krank. Ärzte müssten für die tatsächlich erbrachten Leistungen bezahlt werden und nicht nach Fallpauschalen und irgendwelchen Punktesystemen. „Wie sollen denn 23 Euro im Quartal für einen Patienten ausreichen?“ Gerade auf dem Land, prophezeit Drömer, werde es zu gravierenden Engpässen kommen.

Beliebtheit katapultiert ihn auf Platz eins

Doch die Unzulänglichkeiten des Gesundheitssystems sind jetzt nicht mehr seine Baustelle. Er beackert seit der Wahl Ende März ehrenamtlich das kommunalpolitische Feld. „Ich bin gebeten worden, mich aufstellen zu lassen“, erzählt er. Seine Beliebtheit und sein Bekanntheitsgrad katapultierten ihn dann vom letzten Listenplatz 15 auf Position eins; Kumulieren und Panaschieren machten es möglich. „Ich bin ganz schön erschrocken, das kam ziemlich überraschend“, sagt Drömer. Aber ein Zurück kam nicht in Frage. Bereut hat er es nicht, auch wenn man sich „durch einen ganzen Wust an Material arbeiten muss“.

Die Arbeit als Stadtverordneter mache Spaß, wenngleich er als Einzelkämpfer ohne Fraktionsstatus natürlich deutliche Nachteile hat. Keinen Sitz und kein Rederecht in den Ausschüssen beispielsweise, also dort, wo die eigentliche Arbeit gemacht wird. „Da ist man schon ein bisschen abgehängt“, meint Drömer, der aber Hoffnung hat. In den anderen Fraktionen werde derzeit beraten, ob die Parteien/Gruppierungen, die nur ein Mandat im Stadtparlament haben, Rederecht bekommen sollen. Davon würde auch Erwin Simon (Linke) profitieren. „Im Ältestenrat sind wir bereits vertreten. Das ist sehr fair von den anderen“, sagt Drömer.

Bei zwei Dauerbrennern der Kommunalpolitik hat der Arzt ganz genaue Vorstellungen. „Das Einkaufszentrum Oberlinden würden wir als UWFB gerne als Sozialzentrum mit Ärzten, Pflegediensten und vielleicht einer Apotheke sehen.“ Durch deren Sogwirkung könne das EKZ wieder mit Leben erfüllt werden. „Eine solche Lösung muss man dem Investor schmackhaft machen.“ Und der alte SSG-Sportplatz? Wenn es nach Drömer geht, wird er nicht bebaut. „Er sollte als Naherholungsgebiet dienen“, meint er mit Blick auf alte Pläne, die einen Stadtgarten vorsehen. „Man kann ein Grundstück nur einmal verkaufen, um ein Loch zu stopfen. Dann ist es weg.“

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