Orthopädie-Schuhmachermeister Uwe Damm

Ein feines Händchen für jedes Füßchen

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Uwe Damm an der Ausputzmaschine – „hier geben ich der Sohle die Form“. Jede Maßanfertigung beginnt mit dem Fußabdruck-Scan. Bis ein Schuh fertig ist, vergeht eine Woche.

Langen - Seine Produkte sind begehrt – dennoch ist Orthopädie-Schuhmachermeister Uwe Damm der Letzte seiner Zunft in Langen. Von Holger Borchard

1997 übernahm der gebürtige Leipziger die Schuhmacherei in der Bahnstraße 12, nun feiert sein moderner Orthopädie-Schuhtechnik-Fachbetrieb rundes Firmenjubiläum. Geht’s nach ihm, „hänge ich noch mal 20 Jahre dran“, sagt Damm. „Ihre Füße in guten Händen“, dieses Versprechen setzt Uwe Damm in die Tat um, seit er vor 20 Jahren an die Handwerkstradition seines Vorgängers angeknüpft hat. „Der Schuhmachermeister Völker ist in Ruhestand gegangen und ich habe den Laden übernommen. Damals war alles noch klein und eng; Verkauf und Werkstatt lagen im Erdgeschoss beisammen, das Obergeschoss gab’s noch gar nicht.“ 2000 löste er das Platzproblem durch Um- und Anbau: Werkstatt und Lager wanderten ins neu geschaffene Obergeschoss – die Ausgangsbasis für den Aufstieg vom kleinen Schuhmacherladen zum Fachgeschäft mit heute fünf Mitarbeitern. Ehefrau Christina führt den kaufmännischen Bereich, zwei Fachangestellte betreuen Beratung und Verkauf und einen Lehrling gibt es ebenfalls.

Seinen Beruf erlernte Damm ab 1984 in der Heimatstadt, die Gesellenprüfung legte er 1986 an der Handwerkskammer Leipzig ab. Drei Jahre später siedelte er an die Bergstraße um und bildete sich im Lauf einer mehrjährigen Anstellung in Bensheim zum Orthopädie-Schuhmacher für Schuheinlagen und Schuhzurichtungen weiter. Den Meisterbrief der Handwerkskammer Rhein-Main erhielt er 1995.

Vom „Fußkranken“ bis zum Freizeit- und sogar Leistungssportler deckt das Kundenspektrum des 49-Jährigen die volle Bandbreite ab. „Im Normalfall gehen Leute mit Fuß-, Knie-, Hüft- oder Rückenbeschwerden zum Arzt, der sie an mich verweist.“ Damm ist einerseits spezialisiert auf Einlagen, andererseits Fachmann für die sogenannte Schuhzurichtung – „Veränderung eines Normalschuhs nach orthopädischen Gesichtspunkten“.

Mit den eigenen Maßanfertigungen und einer Auswahl der Marken Finn Comfort, Semmler und Waldläufer widerlegt der Meister das Klischee klobiger Hässlichkeit, das orthopädischen Schuhen anhaftet. „Gesund und bequem sollen Schuhe sein, aber mir ist genauso wichtig, dass sie tragbar, trendig und bezahlbar sind.“ In großer Zahl konfektionierte medizinische Schuhe hätten da vieles im Sinne der Kunden ermöglicht.

Letzteres gilt prinzipiell für die Technik: „Heute beginnt im Schumacher-Handwerk alles mit dem Scannen des Fußabdrucks“, verrät Damm. „So ermitteln wir Fußform, Fußstellung und Belastung.“ Aufschluss über das Laufverhalten gibt eine Sensorplattform. „Spezielle Druckpunktmessgeräte, deren Fühler ein exaktes Bild der Belastung der einzelnen Zonen anzeigen, garantieren die perfekte Passform.“ Des Meisters Credo: „Werden Einlagen konsequent getragen, verändern sie den Fuß positiv – und das völlig unabhängig vom Alter des Trägers.“ Durch regelmäßige Folgemessungen lasse sich dies dokumentieren. „Nach etwa einem Jahr liegen aussagefähige Daten vor, der Aha-Effekt bei den Kunden ist zumeist gewaltig.“

Apropos: Zufriedene Kunden waren über etliche Jahre auch die Kicker der Frankfurter Eintracht. Von 2006 bis 2013 stand praktisch der halbe Bundesligakader auf Damm’schen Sohlen. „Die Kicker von einst sind längst in alle Winde verstreut, aber das Trikot des damaligen Kapitäns Christoph Spycher mit den Unterschriften aller Jungs hängt als schöne Erinnerung im Laden.“

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So schön wie wichtig findet Damm darüberhinaus die Arbeit mit Kindern. „Die Beratung der Eltern, welche Schuhe wirklich kindgerecht sind, liegt mir extrem am Herzen.“ Und wird mal Hilfe zum Nulltarif erbeten, zögert Damm nicht: So wie voriges Jahr bei einem von Kinderlähmung beeinträchtigten Flüchtlingsmädchen aus Syrien, dem er neue Spezialschuhe in Gehschienen einpasste. Für die Mutter gab’s ein Paar handgefertigte Schuhe obendrauf. „Zur Familie von Sahida haben wir weiter Kontakt – sie lebt in Langen“, schließt Damm diesen schönen Kreis.

Wichtig ist dem Meister, der auch klassische Schuhmacherarbeiten und Reparaturen ausführt und auf besonderen Wunsch sogar „Lieblingsstücke“ wie Ledertaschen etc. zu retten versucht, die Ausbildung. „Mit Lukas habe ich einen interessierten und handwerklich begabten Jungen aus der Nachbarschaft gefunden“, schwärmt Damm. „Leider ist er nur noch einer von vier Azubis hessenweit.“ Für den Chef schimmert derweil ein weiteres Jubiläum am Horizont. Er feiert Anfang Juli den 50. Geburtstag.

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