Gemeinsames Hobby brachte Anette und Moritz Bartke zusammen

Die Erfinder der Art-Promenade

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Anette und Moritz Bartke und ihr vermutlich bekanntestes Werk: das künstlerisch gestaltete Trafo-Häuschen an der Weiherwiese.

Langen - Bei einem Besuch in Frankreichs Hauptstadt hat sie die Atmosphäre in Paris so inspiriert, dass die Idee der Art-Promenade geboren war. Von Sina Beck 

Das Künstlerpaar Anette und Moritz Bartke ist Initiator der Freiluftausstellung gewesen, mit der sie ein bisschen von der erlebten Montmartre-Stimmung auch nach Langen holen wollten – eine Idee mit Erfolg, denn inzwischen liegt die sechste Open-Air-Ausstellung hinter den Art People. Auch sonst haben die Bartkes in Langen schon einige Spuren hinterlassen: Ein Großteil der kunstvoll verzierten Stromverteilerkästen geht auf ihre Kappe und auch das Trafo-Häuschen zwischen Freibad und Stumpfen Turm hat das Paar verschönert, sodass dort nun ein gusseiserner Pavillon im Grünen zu stehen scheint. „Das war unser erstes gemeinschaftliches Projekt und ein toller Erfolg für uns“, denken sie zurück. Kein Wunder, dass an diesem „Pavillon“ viele Erinnerungen hängen, sodass sie sogar Hochzeitsfotos vor der bedeutungsträchtigen Kulisse gemacht haben.

Vor zwei Jahren haben Anette (früher Dyla) und Moritz, beide Jahrgang 1977, geheiratet und inzwischen eine kleine Tochter bekommen. Geplant war der Zuwachs zwar nicht, aber „auch nicht verhindert“, meint er subtil lächelnd. Das Familienglück geht natürlich vor, sodass für das künstlerische Hobby längst nicht mehr so viel Zeit bleibt. Doch diesen Einschnitt haben die beiden schon früher erlebt: „Als wir noch nicht zusammengewohnt haben, hatten wir viel mehr Zeit zum Malen – immer wenn wir Langeweile hatten “, erklärt der Friseurmeister mit Laden in der Berliner Allee halbernst. „Aber wenn man mit Leidenschaft bei einer Sache ist, dann hört man nicht ganz auf.“

Er wurde schon als 17-Jähriger mit Sprühdosen erwischt, denn bis dato praktizierte er seine Graffitikunst am liebsten als Wandgestaltung, seit 2006 als Auftragsarbeiten. Jedoch sind ihm auch als Erwachsener Begegnungen mit der Polizei nicht fremd: Noch lebhaft erinnert Moritz Bartke sich an einen 1. Mai, als er mit einer Auftragsarbeit beschäftigt war – natürlich waren viele Leute an dem Feiertag unterwegs und haben ihn gesehen. „Plötzlich war ich von Polizeiautos eingekreist.“ Heute ist er den Beamten längst bekannt und wenn sie ihn bei der Arbeit an Hauswänden sehen, fahren sie nur noch freundlich grüßend an ihm vorbei.

Anette Bartke hingegen hat 2004 ihren Zugang zur Kunst gefunden: „Ich habe ganz banal mit Lacken auf Brettern angefangen“, erzählt die gelernte Industriekauffrau, die auch ein Studium zum Event-Management abgeschlossen hat. Ganz so banal war es dann doch nicht, denn ihre abstrakten Gemälde aus Acryl hat sie durch die Verwendung von Stoffen ins Dreidimensionale geholt. In die Ölmalerei und Graffitikunst stieg sie 2008 ein, als sie ihren Mann über das gemeinsame Hobby kennenlernte – über seinen Cousin, denn es bedurfte etwas Anschub von außen: „Da musste erst jemand aus Hanau kommen, dass man sich kennenlernt“, lacht sie, die in ihrer Jugend sogar ein Praktikum im Friseursalon von Moritz’ Vater gemacht hatte.

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Seit 2009 ist das Künstlerpaar auch gemeinschaftlich unterwegs – bei Wind und Wetter. „Im Winter können wir nur mit mehreren Lagen Handschuhen arbeiten.“ Wegen der Dämpfe können sie ihre Graffiti nur draußen malen. Sie können an einem Nachmittag fertig sein oder bis zu einem Monat brauchen. „Das ist abhängig von vielen Faktoren abhängig: Technik, der Größe der Fläche, der Komplexität des Motivs“, erläutern sie. Aber auch wenn die Bartkes gerne zusammen kreativ tätig sind, sind sie doch nicht unzertrennlich. Aktuell ist er beispielsweise abends alleine unterwegs, wenn er einer Langener Hausfassade eine Steinoptik aufsprayt. So erhalten sich beide ihre Individualität in der Kunst. Trotzdem bleibt das Stromhäuschen in der Nähe des Freibads ein Meilenstein für das Paar: „Dieser Pavillon ist mit das Schönste, was wir bisher gemacht haben“, sind sie sich einig.

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