Mit starken Farben und witzigen Formen

Die Art People: Gabriele Teichmann-Reimer mag viele Stile 

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Von klein auf der Kunst verschrieben: Gabriele Teichmann-Reimer hat sich 2011 den Art People angeschlossen. Zuvor war sie sieben Jahre in einer Frankfurter Künstlergruppe.

Langen - Die Kunst hat sich schon immer wie ein roter Faden durch das Leben von Gabriele Teichmann-Reimer gezogen. Bereits bevor sie 2011 den Art People beigetreten ist, war sie sieben Jahre lang Teil einer Künstlergruppe in Frankfurt. Von Sina Beck

Bei ihren Acryl- und Ölbildern ist die Wahl-Langenerin noch dabei, ihren eigenen Stil zu finden. Doch die Collagen tragen eindeutig schon ihre Handschrift – auch wenn sie sich bewusst ist, dass es durchaus Parallelen zu dem französischen Künstler Henri Matisse gibt. „Aber ich habe das nicht nachgemacht, sondern meine eigene Technik entwickelt“, berichtet die 62-Jährige von den Ergebnissen ihres eigenen Experimentierens mit den Scherenschnitten. Dass sie bereits seit frühster Kindheit eine Affinität zu dieser Kunstform hatte, war ihr lange nicht bewusst. „Ich habe mich schon manchmal gefragt, woher dieser Bezug zu Collagen kommt.“

Seit sie klein war, hat die gebürtige Würzburgerin viel gezeichnet und zum Schulanfang von ihren Eltern sogar eine Staffelei geschenkt bekommen. Doch auch die Schere war ihr offensichtlich von Anfang an ein liebes Werkzeug, wie sie sich heute nostalgisch lächelnd zurückerinnert: „Bei meiner Oma habe ich immer die Figuren aus dem Versandhaus-Katalog ausgeschnitten.“ Wer hätte gedacht, dass das später zu einer ganz individuellen Bildsprache führen würde? Auch ihre Schulzeit hatte einen nachhaltigen Einfluss, denn dank guter Lehrer konnte sie sich auch dort für Kunst begeistern und hat ihr „Ausgleichsfach“ dann sogar als Leistungskurs belegt.

Heute bevorzugt Teichmann-Reimer starke Farben und witzige Formen und hat bei ihren Kompositionen meistens ein inhaltliches Thema vor Augen. So auch bei einem ihrer aktuellen Projekte, bei dem ein symbolträchtiges Hamsterrad eine große Rolle spielt: „Nächstes Jahr werde ich dem Hamsterrad entkommen“, spielt sie augenzwinkernd darauf an, bald in Rente zu gehen. Eigentlich hat Teichmann-Reimer Kunstpädagogik studiert, doch mit ihrer Fächerkombination Kunst und Sozialkunde keine Lehrstelle gefunden. Dann sei sie auf „Abwege“ geraten, formuliert sie es schmunzelnd, und ist kurz über lang bei einem Fachverlag als Redaktionsassistentin gelandet.

Bilder aus dem frisch sanierten Stadtmuseum

Obwohl Arbeit und Familie – 1994 kam ihr Sohn zur Welt – wenig Zeit für die Kunst in ihrem Leben ließen, hat sie sich immer mit Ausstellungsbesuchen und Kursen weitergebildet und ihre Faszination für Bilder ausgelebt. Dieses „passive Rezipieren“ genügte der Künstlerin aus Leidenschaft jedoch nicht und 2004 begann sie selbst wieder zu malen, zunächst mit Acryl. In der Künstlergruppe „Montagsfarben“ konnte sie sich austoben und ausprobieren, aber die regelmäßigen Fahrten nach Frankfurt waren auch zeitraubend. Als sie einen Zeitungsartikel über die Art People gesehen hatte, war sie positiv überrascht, dass es so etwas auch in Langen gibt. Ende 2011 trat sie dem „bunten Haufen“ bei.

Während die wanderfreudige Künstlerin, die bereits in den Rocky Mountains unterwegs gewesen ist, noch vor zehn Jahren mit dem Gedanken spielte, eines Tages in die Berge zu ziehen, fühlt sie sich heute so heimisch in der Sterzbachstadt, dass sie nicht mehr weg möchte. „Dann muss ich mir meine Berge eben malen“, erklärt sie schlicht – obwohl Landschaftsmalerei eigentlich nicht ihr Fall ist, denn „die Realität kann die Kamera viel besser einfangen“. Reiselustig ist Teichmann-Reimer definitiv, gerne verbringt sie mit ihrem Mann Ingo den Jahresurlaub damit, im VW-Bus durch Europa zu fahren.

Gestalten mit bunten Klebebändern: Tape it!

Ihr „Hobby“, auch wenn sie diesen Begriff nur ungern verwendet, lässt sich dann glücklicherweise ganz gut damit verbinden. Denn Teichmann-Reimer ist auch leidenschaftliche Sammlerin und nutzt die an Stränden angespülten Plastikteile für ihre Recyclingkunst. Früher hat sie noch Muscheln und Steine gesucht, jetzt nutzt sie Schnüre, Deckel oder angeschwemmte Kanister, um sie zu 3-D-Collagen zusammenzufügen.

Trotzdem gibt es auch bei ihr Situationen, in denen die Kunst – ihr roter Faden – tatsächlich um ihr Recht kämpfen muss: „Lesen ist auch eine Art, sich ein Stück der Welt zu erobern“, erklärt sie, warum sie biografische und geschichtliche Literatur ausländischer Autoren bevorzugt. Und warum sie regelmäßig in einen inneren Zwiespalt gerät. „Ich bin immer aufs Neue hin- und hergerissen“, seufzt sie: „Couch oder Atelier.“

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