Solly Guigui hat in Langen seinen Mittelpunkt gefunden

Die Art People: Ein Leben für Werbung und Kunst

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Solly Guigui ist mit seinen Kunstwerken in Langen ziemlich präsent. Derzeit ist er beim Salon der Kunst im ehemaligen Einkaufszentrum Oberlinden dabei.

Langen -  Valensina, Cherry-Coke, Capri-Sonne, Bizzl – diese Marken sprechen für sich und haben Solly Guigui auf seiner Karriereleiter ein gutes Stück begleitet. Inzwischen hat sich das Art-People-Mitglied der Malerei verschrieben und trägt zur Verschönerung und künstlerischen Darstellung seiner Wahl-Heimat Langen bei. Doch eigentlich ist Guigui ein Mann von Welt. Von Sina Beck 

Und daran lässt seine Biografie keinen Zweifel: Geboren ist er in Kairo, aufgewachsen in Israel, seine Ausbildung hat er in New York absolviert und sich in Frankfurt selbstständig gemacht. Bildgestaltung und Werbung sind sein Leben – das merkt man dem 72-Jährigen bis heute an, denn Projekte wie die „Längste Postkarte der Welt“, das Langener Malbuch oder das großformatige Panorama-Bild seiner Wahl-Heimatstadt setzt Guigui vorwiegend aus Spaß an der Freude in die Tat um.

Diese Leidenschaft für künstlerisches und kreatives Schaffen begleitet den gebürtigen Ägypter praktisch schon sein ganzes Leben. „Als ich neun Jahre alt war, habe ich mir das Bein gebrochen und eine Anordnung des Arztes war, dass ich den Gips bemalen sollte“, erinnert sich der Künstler, wie er erstmalig mit der Malerei in Berührung kam. Und prompt Gefallen daran gefunden hatte. Mehr positive Erinnerungen an sein Geburtsland hat er jedoch kaum, denn heimisch habe er sich dort nie gefühlt. Deshalb war es für ihn Glück im Unglück, als seine jüdische Familie das Land 1956 verlassen musste und über Italien nach Israel reiste. „Vorher kannte ich in Kairo nur Asphalt, es gab nichts Grünes und rausgehen konnte ich eigentlich auch nicht“, so Guigui. „Israel war eine ganz neue Welt für mich.“

In Tel Aviv begann er die Ausbildung der Malerei und Grafik, die ihn 1966 nach New York brachte, wo er sich beruflich in Richtung Cinematografie und Fotodesign bewegte und für das Robert Crandle Photostudio als Fotograf und Retuscheur arbeitete. „Ich habe schon Photoshop betrieben, als Photoshop noch gar nicht erfunden war“, lacht Guigui, wenn er an die aufwendigen Prozesse und komplexen Vorgänge zurückdenkt, die eine Bildretusche zu dieser Zeit erforderte – damals noch alles analog, versteht sich.

Von Werbeplakaten war er schon als Kind fasziniert, da überrascht es wenig, dass er sich in dieser Branche selbstständig machte und 1981 in Frankfurt, damals dem Mekka für Werbung, seine Firma IMAGIC gründete. Auf 500 Quadratmetern und mit zwölf Mitarbeitern wurden namhafte Kunden zufriedengestellt. Auch wenn der dreifache Vater schon immer für das Nachtleben geschwärmt hat, New York den Rücken zu kehren fiel ihm überraschenderweise nicht schwer: „Es ist dort alles zu intensiv und zu hektisch gewesen. Als ich im Flugzeug saß, habe ich erst mal durchgeatmet.“ Deutschland ist der Liebe wegen sein Ziel gewesen, aber angekommen ist der rastlose Werbefachmann zu dieser Zeit noch immer nicht endgültig.

Guigui wollte zurück nach Israel, wagte einen erneuten Neuanfang und versuchte ein Jahr lang sein Glück – das ihn jedoch verließ. Dass seine Frau und Söhne in Deutschland geblieben waren, erwies sich als gute Entscheidung, denn Guigui war vom Pech verfolgt: Ein Wasserrohrbruch zerstörte einen Großteil des teuren Equipments und was übrig war, wurde bei einem Einbruch gestohlen. „Ich habe die Zeichen verstanden, es musste wohl so passieren“, hat er heute seinen Frieden damit gemacht, dass er gebrochen zurückkehren musste.

Anschließend mit der Malerei anzufangen, war damals eine Art Notlösung für ihn. „Ich habe mich gefragt, was ich denn jetzt machen soll – da war es ein Lückenfüller“, so der 72-Jährige, der seit nunmehr 20 Jahren in Langen wohnt. Die Ergebnisse dieses ursprünglichen „Lückenfüllers“ können sich dafür aber sehen lassen. In Öl, Acryl und mit verschiedenen Techniken malt Guigui Natur, Tiere und Menschen auf Leinwand – oder Stromkästen, die dank ihm als Kühlschrank oder M&M’s-Automat die Blicke auf sich lenken.

Die Kunstwerke des Wahl-Langeners zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass es immer wieder etwas zu entdecken gibt. So auch das Stadtpanorama Langens, das gewissermaßen eine Rückkehr zu seinen beruflichen Wurzeln ist: Bildbearbeitung. „Das Bild hat zwischen 300 und 400 verschiedenen Ebenen – ich habe eben eine Schwäche für Details.“

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