Art People Martina Retzdorff über Kunst

Hang zur Abstraktion

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Art People-Mitglied Martina Retzdorff hat in den Neunzigerjahren ihre Vorliebe für abstrakte Malerei entdeckt. In ihrem Atelier in der Mühlstraße gibt sie auch Malkurse und hilft Künstlern dabei, ihren eigenen Stil zu finden.

Langen - Ob durch die bemalten Stromverteilerkästen, die limitierten Ebbelwoi-Gläser mit Stadtlogo oder die Gestaltung des Etiketts vom Stadtkaffee des Weltladens – es gibt viele Gründe, warum Martina Retzdorff in Langen bekannt ist wie ein bunter Hund. Von Sina Beck

Seit zwei Jahren ist das Atelier in der Mühlstraße ihre künstlerische Heimat, wo sie durch ihre Malkurse auch einige Mitglieder der Art People rekrutiert hat. „Learning by doing“ ist ihr Motto, wenn sie ihre Kursteilnehmer in die Kunst der Kunst einführt: „Es geht darum, sich auszuprobieren und die eigene Handschrift zu finden. Es bringt ja nichts, wenn am Ende jeder malt wie Martina Retzdorff“, sagt die 58-Jährige schmunzelnd, die ihren eigenen Stil schon gefunden hat. In den Neunzigerjahren hat sie die abstrakte Malerei für sich entdeckt, bleibt aber offen für Neues. Von Anfang an ist sie experimentierfreudig gewesen: Seit Kindheitstagen malt die gebürtige Berlinerin, hat die Techniken Kohle, Tusche, Öl als auch Acryl ausprobiert. „Die Vielseitigkeit in der Kunst macht sie interessant“, findet Retzdorff.

Über 40 Gruppen- und Einzelausstellungen hat die Künstlerin inzwischen vorzuweisen, wobei sie sich derzeit darauf konzentriert, mit ihren Bildern „weiter weg“ zu kommen, denn: „In Langen habe ich schon überall ausgestellt, wo man nur Bilder ausstellen kann.“ So war vom ZenJA über das Alte Amtsgericht bis hin zur Merzenmühle alles dabei. Schließlich lebt Retzdorff, die zuvor Station in Frankfurt und Offenbach gemacht hat, seit mehr als 20 Jahren in der Sterzbachstadt. Auch wenn sie kein Gründungsmitglied ist, ist sie doch seit 2011 bei den Art People aktiv, zählt zu dem Organisatoren-Team und übernimmt das Design der Flyer – gelernt ist eben gelernt.

Fast 35 Jahre lang hat die Lithografin in ihrem Beruf gearbeitet, bevor sie sich 2010 mit ihrem Unternehmen „Kunst & Medien“ selbstständig gemacht hat – ein Schritt, den sie bis heute nicht bereut. Das „Handwerkszeug“ wie Techniken, Bildkomposition oder einen geschulten Farbsinn hat sie also erlernt, das naturgegebene Talent durch ihren Vater in die Wiege gelegt bekommen. Beides sind entscheidende Faktoren bei ihren künstlerischen Kreationen: „Viele haben einen naiven Optimismus, wenn es darum geht, abstrakte Bilder zu malen“, weiß Retzdorff. Tatsächlich sei es eine Herausforderung, in der für sie freilich immer wieder der Reiz liege: „Ich schaffe ohne Vorlage etwas völlig Neues aus dem Nichts.“

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Das kann ein durchaus zeitaufwendiger Prozess sein, bei dem die Künstlerin Schicht für Schicht aufträgt und das Werk ruhen und auf sich wirken lässt, bevor sie daran weiterarbeitet. „Es kann schon mal bis zu einem Jahr dauern, bis ein Bild fertig ist.“ Ob es dann wirklich abgeschlossen ist, steht damit noch nicht endgültig fest: Retzdorff übermalt manche Leinwand wieder und schafft so ein ganz neues Werk, in das die alten Strukturen übernommen wurden. Darin äußert sich ihre „grenzenlose Kreativität“ ebenso wie in dem aktuellen Experimentieren mit der Spray-Technik.

Die Kunst ist eindeutig Retzdorffs Leben – allerdings nicht ausschließlich. Sie begeistert sich für Kultur, Theater und Musik, ist Mitglied im Langener Gewerbeverein und sang 30 Jahre lang im Kirchenchor. Besonders wichtig ist der Wahl-Langenerin auch das Pflegen von Freundschaften, was besondere Gründe hat: „Das Schicksal hat mich in den vergangenen Jahren sowohl beruflich wie auch privat sehr gebeutelt. Meine Freunde haben mir durch die schlechten Zeiten geholfen.“

Vor Kurzem hat Retzdorff dann noch eine neue Leidenschaft entdeckt und frönt seitdem zusammen mit ihrem Partner Herbert Richtarsky dem gemeinsamen Hobby: einem Garten. „In der Erde zu buddeln, erdet im wahrsten Sinne des Wortes“, berichtet sie von der neuen Erfahrung in der Ruhe-Oase. „Wenn wir im Garten sind, ist das immer wie eine Auszeit.“

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