Die Wohnung als Privatgalerie

Die Art People: Susanne Link ist in Frankreich zur Kunst gekommen

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Sie tobt sich gerne mit Farben aus: Susanne Link malt bevorzugt mit Acryl- und Ölfarben.

Langen - Wenn Susanne Link tagsüber ihrem Job im Pressevertrieb nachgeht, sieht ihr Leben strukturiert und organisiert aus. Von Sina Beck 

Aber erklimmt sie die Leiter, die zu ihrem kleinen Malzimmer unterm Dach führt, kann sich das Mitglied der Art People so richtig austoben – wovon die heimischen vier Wände Zeugnis tragen: Denn mit rund 80 Bildern ist ihre Wohnung förmlich zu einer Privatgalerie geworden. Damit hat sie aber längst nicht alle ihre Werke untergebracht, sodass einige Gemälde auch in Frankreich von ihren beiden erwachsenen Kindern beherbergt werden. Sowohl ihr Mann, den sie bereits mit 15 Jahren kennengelernt hat, wie auch sie selbst kommen ursprünglichen aus dem Schwarzwald. Beide wollten aber „schon immer weit weg“, erzählt Link. Als es ihn dann aus beruflichen Gründen nach Paris verschlagen hat, ist das die Gelegenheit gewesen.

Die alte Heimat hat Link nicht vermisst, zu sehr hat es ihr das Leben in Paris angetan, wo sie Französisch studiert und sowohl ihr Sohn wie auch ihre Tochter das Licht der Welt erblickt hat. Dort ist Link in den 1990er Jahren auch mit der Kunst in Berührung gekommen, als sie in einer Pariser Galerie arbeitete. „Die Kultur dort hat mich sehr geprägt“, berichtet sie nicht ganz ohne Wehmut. Denn als sie 2004 mit ihrem Mann – erneut berufsbedingt – zurück nach Deutschland kam, war es durchaus eine Umstellung: „Gerade die lockere und offene Mentalität der Franzosen habe ich hier anfangs sehr vermisst.“

Dafür fing sie in Langen erstmals selbst mit der Malerei an, hat Workshops bei Martina Retzdorff gemacht und ist so auch vor drei Jahren zu den Art People gestoßen. Obwohl sie viel mit Acryl und Öl arbeitet, will sie sich künstlerisch in keine Schublade stecken lassen: „Ich habe immer Lust, Neues auszuprobieren und zu entdecken.“ Die Suche nach dem eigenen Stil ist für Link dann auch ein andauernder Lernprozess. So experimentiert sie mit Mixed Media, integriert beispielsweise Salzkörner oder Mullbinden in ihre Gemälde – was ihr eben gefällt, denn „Kunst ist sowieso immer subjektiv“.

Dabei war das Malen früher überhaupt nicht ihr Fall: „In der Schule mochte ich es so gar nicht, irgendwelche Motive nach Anleitung abzumalen“, erinnert sich Link. Umso überraschender war es für sie, wie sich dann ihre künstlerische Ader entwickelt hat. Inzwischen sind über 100 Werke entstanden, darunter auch Auftragsarbeiten, für die kaum noch Platz in der Wohnung zu finden ist. Denn bis ihr selbst das Ergebnis gefällt, kann es ein langer Prozess sein, bei dem Link das unvollendete Kunstwerk auch mal bis zu vier Monate stehen lässt, bevor sie daran weiter arbeitet. Dabei ist ihr Mann der Künstlerin manchmal zu schnell zur Stelle: „Er vermarktet und verkauft meine Bilder. Aber ich muss aufpassen, dass er sie mir nicht zu voreilig aus den Händen reißt“, lacht Link.

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Kräftige Farben haben es der Wahl-Langenerin angetan, die eigentlich keine klare Richtung verfolgt, aber sich generell lieber im abstrakten Feld bewegt. Zwar finden sich in ihrer heimischen Privatgalerie auch klassische Landschaftsgemälde, doch das sei vielmehr ein Selbsttest gewesen, ob sie auch diesen Stil beherrschen würde. Das ist ihr gelungen, doch eine Leidenschaft hat sie offenkundig nicht dafür entwickelt. Stattdessen bleibt Link beim farbintensiven Experimentieren mit Kunstharz oder Spachtelmasse, Sand oder Strukturpaste.

In der Kunst vermischt sie gerne Altes mit Neuem und auch in ihrem „neuen“ Leben in Deutschland spielt die Vergangenheit eine große Rolle: „In Südfrankreich haben wir einen Familiensitz“, erklärt sie lächelnd, warum sie nicht nur immer wieder gerne, sondern auch oft dorthin zurückkehrt. Und Gründe genug gibt es ohnehin, denn schließlich leben beide Kinder mit ihren Familien in dem Nachbarland und inzwischen hat Link auch vier Enkelkinder jenseits der Grenze.

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