„Erweiterung ist unsere Marktchance“

PBA treibt Ausbaupläne voran

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Bei der PBA ist Ausbildung an modernen Maschinen Programm – das wissen immer mehr Partner zu schätzen. Das Bild zeigt den angehenden Mechatroniker Sebastian Kaminski (links) mit Ausbilder Sergej Höffner, die Skizze unten den geplanten Neubau. 

Langen - Wenn Erfolg tatsächlich sexy macht, darf die Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH (PBA) sich glatt „supersexy“ nennen. Von Jahr zu Jahr mehr Azubis, immer neue Partner und Aufgabenstellungen: die Gleichung passt. Von Holger Borchard 

Mit aktuell 330 Lehrlingen ist der Betrieb im Neurott aber an den Grenzen des Machbaren angelangt. Weiteres Wachstum führt nur über einen Anbau. Die Weichen dafür sind gestellt; nur die Finanzierungsfrage sorgte für Verzögerungen. Voriges Jahr hat die PBA das 30-jährige Bestehen gefeiert. Während die Gäste mit Geschäftsführer Thomas Keil ein Gläschen auf den runden Geburtstag hoben, erfuhren sie, dass der Laden zwar „brummt“, aber das Wachstum an der Amperestraße ein jähes Ende finden wird, sofern die vorhandenen Platzreserven nicht durch einen Erweiterungsbau nutzbar gemacht werden. Die Pläne für den Anbau liegen seit zwei Jahren in der Schublade, die Langener Stadtverordnetenversammlung hat sie Ende 2015 abgesegnet und eigentlich sollte schon voriges Jahr der erste Spatenstich gefeiert werden. „Das Ganze hat sich aber verzögert, weil die Finanzierung auf neue Füße gestellt worden ist“, verrät Keil.

Auf knapp vier Millionen Euro taxiert der PBA-Geschäftsführer die Investitionskosten. Geplant sei, südlich des bestehenden Betriebsgeländes entlang der Siemensstraße neu zu bauen. Dafür hat die Stadt über ihre Beteiligungs-Management-Tochter bereits frühzeitig eigene Flächen reserviert, auf denen zwei Werkhallen und ein viergeschossiger Verwaltungskomplex errichtet werden sollen. Das Baukonzept erstellt haben die Kommunalen Betriebe. So weit muss es dann aber auch getan sein mit der Unterstützung seitens der Stadt – angesichts der klammen Kasse ist die finanzielle Beteiligung Langens an den Baukosten utopisch. „Gehofft hatten wir allerdings auf Fördergelder vom Bundesinstitut für Berufsbildung“, erzählt Keil. „Aber das hat sich zerschlagen. Also haben wir letztlich gesagt: Wir können uns leisten, das Vorhaben komplett aus eigener Tasche zu stemmen, zumal das aktuelle Gebäude seit 2016 abbezahlt ist und die wirtschaftliche Entwicklung stimmt.“ Ziel sei nunmehr, im Herbst zum ersten Spatenstich anzusetzen, auf dass die neuen Werkshallen samt Verwaltungs- und Schulungsgebäude im September 2018 eingeweiht werden können. „Außerdem gibt es in diesem Zuge Überlegungen, eigene Übernachtungsmöglichkeiten für Azubis von außerhalb anzubieten“, verrät Keil. „Die werden von unseren Partnerfirmen immer wieder nachgefragt.“

Apropos: Die Liste der Partnerunternehmen hat sich auch 2016 wieder um hochkarätige Zugänge – etwa Hassia oder Radeberger – verlängert. „Immer mehr Unternehmen lassen bei uns in 17 überwiegend gewerblich-technischen Berufen wie Elektroniker, Mechatroniker und Anlagenmechaniker ausbilden“, bilanziert Keil nicht ohne Stolz. „Für den IHK-Beruf Mechatroniker für Kältetechnik sind wir der bundesweite Prüfungsort.“ Besonders bei Unternehmen im Bereich Facility Management stoße der Beruf auf großen Zuspruch.

100 Firmen aus ganz Deutschland lassen aktuell 330 Auszubildende in drei Jahrgängen im Neurott schulen. „Kommt die Erweiterung wie geplant zustande, können wir auf 500 Lehrlinge aufstocken“, blickt Keil voraus. Der Neubau biete weitere 3 000 Quadratmeter Hallenfläche, was die derzeitige Schulungsfläche (3 600 qm) also beinahe verdoppeln würde. „Alle Möglichkeiten, die Flächen noch komprimierter zu nutzen, haben wir schon vor zwei Jahren ausgeschöpft“, schildert der Geschäftsführer. „Damals haben wir umgebaut und zusätzliche Werkbänke aufgestellt, mehr geht einfach nicht.“

Wolle die Pittler ProRegion Berufsausbildung GmbH weiter wachsen, um künftig noch mehr Partnern die Türe zu öffnen und qualitativ gut und wettbewerbsfähig auszubilden, führe rein gar nichts am Griff zum Spaten vorbei, verdeutlicht Keil. Den Verantwortlichen müsse trotz Millionenaufwands nicht bange sein. „Der Trend zur überbetrieblichen Ausbildung, wie sie die PBA sehr erfolgreich praktiziert, wird sich eher noch verstärken“, ist er überzeugt. „Die notwendige Ausstattung, gerade im technischen Bereich, ist teuer und daher für immer mehr Unternehmen immer weniger rentabel. Insofern ist Expansion die Chance, unsere Marktposition zu festigen.“

Ein weiterer Faktor: der Flüchtlingsstrom. „Er lässt den Bedarf an Aus- und Weiterbildung deutlich steigen“, weiß Keil, der betont: „Wir haben sehr gute Erfahrungen in der Ausbildung von Leistungs- und Bildungsschwachen gemacht. Deshalb sehe ich uns für diese Aufgabe besonders gewappnet. Abgesehen davon sage ich mit großer Freude über die neun Flüchtlinge, die wir aktuell ausbilden: Sie sind voll akzeptiert und hoch motiviert bei der Sache.“

Ebenfalls stark nachgefragt: Fortbildung für Erwachsene. „Ausbilder und Dozenten vermitteln praxisnahes Wissen, handwerkliches Können und Arbeitsabläufe in einem Unternehmen. Kombiniert wird dies mit Fertigungsaufträgen für Fremdfirmen.“

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