Skepsis vor lokaler Online-Plattform

Plakat-Kampagne soll Nutzung der Gastronomie in Langen ankurbeln

Langener Gaumenfreuden: Dieses Plakat soll die lokale Gastronomie unterstützen.
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Langener Gaumenfreuden: Dieses Plakat soll die lokale Gastronomie unterstützen.

Die Corona-Krise hat bei den Langener Läden und Gastronomiebetrieben einiges durcheinandergewirbelt. Doch ein Ende scheint in Sicht.

Langen – Einkaufen ist wieder überall möglich, auch Restaurants und Cafés haben geöffnet, drinnen wie draußen. Und auch sonst hat sich in der Langener Innenstadt trotz Pandemie einiges getan. Das Forum Langen mit seinen diversen Geschäften hat vergangenen Herbst eröffnet, in der Friedrichstraße gibt es seit Kurzem einen Bubble-Tea-Laden, Denns Biomarkt am Bahnhof soll Mitte Juni eröffnen, in der Bahnstraße wird es bald eine neue Eisdiele und am Europaplatz ein veganes Restaurant geben. Perspektivisch kommen der neue Rewe in der Bahnstraße und die neue Rossmann-Filiale in der alten Post dazu. Und im Rathaus liegen mehrere Anfragen von Gastronomen vor, wie die Stadt mitteilt.

„Keine Frage, der Handel und mit ihm die Innenstädte stehen vor massiven Umbrüchen. Die Langener Innenstadt ist da aber auf einem vergleichsweise guten Weg, hier wird investiert und es entsteht Neues“, sagt Joachim Kolbe, städtischer Fachbereichsleiter unter anderem für die Wirtschaftsförderung. Die Wirtschaftsprognosen für die Zeit nach Corona seien positiv und prognostizierten massive Nachholeffekte. „Viele Menschen haben in den vergangenen Monaten weniger Geld ausgegeben als normal und davon werden auch die lokalen Akteure hoffentlich profitieren.“

Die städtische Wirtschaftsförderung hat versucht, in der Zeit der coronabedingten Schließungen eine aktive Rolle zu übernehmen. „Wir haben den Einzelhandel, das Gewerbe und die Betriebe in Langen während der gesamten Corona-Pandemie begleitet, standen in Kontakt und haben überall da geholfen, wo wir das konnten“, betont Kolbe. „Vielleicht wird nicht jeder Betrieb gerettet werden können, einige werden womöglich Insolvenz anmelden müssen. Das hat aber häufig Gründe, die wir als Kommune nicht ändern oder verbessern können oder dürfen.“

Durch die sinkenden Inzidenzwerte der vergangenen Wochen sind nun zahlreiche Lockerungen möglich. Um die Wiederöffnung der Gastronomie zu begleiten, hat die Citymarketing-Initiative „So nah. So gut. So Langen.“, ein Zusammenschluss aus Stadt, Handel, Gastronomie, Banken, Gewerbeverein sowie Verkehrs- und Verschönerungsverein, eine Kampagne mit großflächiger Plakatierung gestartet. „Wir wollen zeigen, wie vielfältig die Gastro-Szene in Langen ist“, erklärt Kolbe. „Denn ich bin mir sicher, dass in den Menschen durch Pandemie und Lockdown eine neue Sehnsucht nach Begegnung gewachsen ist, von der dann auch der Einzelhandel profitieren wird.“ Und aufs Shoppen bezogen: „Persönliche Beratung ist doch schöner als das Studieren von Produktbewertungen auf Internetseiten, von denen man nicht mal weiß, ob sie wahr sind.“

Laut Auskunft aus dem Rathaus ist die Stadt außerdem gerade dabei, ihre lokale Citymarketing-Strategie mit der bundesweiten Kampagne der Industrie- und Handelskammern unter dem Motto „Heimat shoppen“ zu verknüpfen. Die IHK hat für den 10. und 11. September Aktionstage ausgerufen. Passend dazu prüft der Gewerbeverein nun, ob er seinen traditionellen Langener Markt mit verkaufsoffenem Sonntag um eine Woche auf das zweite September-Wochenende verschieben kann.

Die SPD hatte kürzlich eine gemeinsame Internetplattform ins Spiel gebracht, auf der Einzelhandel und Gewerbe ihre Angebote und ihre Möglichkeiten zur Online-Bestellung präsentieren könnten. Über einen entsprechenden Antrag stimmt die Stadtverordnetenversammlung bei ihrer Sitzung am Donnerstag, 10. Juni, ab. Unabhängig davon äußert sich die Wirtschaftsförderung zu einer solchen Plattform und zeigt sich nicht sehr angetan: „Wir wollen keine Strohfeuer entfachen oder nette, aber letztlich wirkungslose Projekte wie den Aufbau lokaler Internet-Verkaufsplattform für den Einzelhandel und das Gewerbe in Langen inszenieren“, sagt Kolbe. Beispiele aus anderen Städten zeigten, dass man im Digitalen „viel Zeit, Energie und Geld verschwenden“ könne. Kolbe beruft sich auch auf „führende Handels-Experten und Institute“, die den Nutzen solcher lokaler Online-Plattformen untersucht hätten – mit ernüchternden Ergebnissen. „Statt auf lokale Plattformen zuzugreifen, suchen die Menschen bei Google und Co. direkt nach den Geschäften, Sortiment und Öffnungszeiten.“ Um die lokalen Gewerbetreibenden bei der Sichtbarkeit im Netz zu unterstützen, bietet die Wirtschaftsförderung gemeinsam mit dem Handelsverband Hessen ab Mitte Juni Onlineschulungen zu diesem Thema an.

„Wir alle müssen uns immer wieder bewusst machen, dass wir es sind, die tagtäglich beim Einkauf über die Zukunft unserer Innenstadt entscheiden“, sagt Bürgermeister Jan Werner. Es sei gerade jetzt wichtig, „in unsere lokalen Restaurants und Cafés zu gehen und hier vor Ort einzukaufen. Nur so garantieren wir, dass unsere Stadt lebendig bleibt“, betont der Rathauschef. (msc)

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