Dichtkunst im 21. Jahrhundert

Poetry Slam: Hessenmeister zeigt in Langen Tipp und Tricks

Worauf es beim Poetry Slam ankommt, vermittelt Hessenmeister Finn Holitzka aus Offenbach bei Workshops in der Stadtbücherei.  (c)Foto: Strohfeldt

Langen -  Tipps und Tricks für den eigenen Auftritt – das können die Teilnehmer der Poetry-Slam-Workshops in der Stadtbücherei vom Hessenmeister persönlich lernen. Von Paul Dieler 

Finn Holitzka ist in puncto Bühnenpoesie ein alter Hase und gibt sein Wissen gerne an die zukünftigen Sterne am lokalen Poesiehimmel weiter. „Typisch Finn“, meint eine der Teilnehmerinnen, als der Profi-Slammer aus Offenbach erst auf den letzten Drücker zu seinem Workshop in der Langener Stadtbücherei erscheint – Zugausfall. Trotzdem kann der Kurs pünktlich beginnen. Die Kommentatorin dieser kleinen Verfehlung heißt Rena, ist 18 Jahre alt, kommt aus Dieburg und ist schon öfter bei Poetry Slams aufgetreten, die Finn Holitzka moderiert hat. Man kennt sich in der Slam-Szene.

Typisch ist dort oft eine sympathische Improvisationsgabe, wichtig sei nur, dass Gefühle transportiert werden, findet Holitzka. Der 23-Jährige studiert Journalismus und steckt neben dem Studium viel Energie in sein Hobby. An den Auftritten auf der Bühne fasziniert ihn insbesondere die Unmittelbarkeit: „Das Publikum soll nachfühlen können, was ihr erzählt“, rät er seinen Zuhörern.

Poetry Slam – das ist ein Mensch auf der Bühne, der einen selbst geschriebenen Text vorträgt. Ohne Hilfsmittel und pompöse Show. Mehrere Poeten stehen so pro Veranstaltung auf der Bühne, unter denen am Ende ein Gewinner ermittelt wird, meistens per Applaus. Seit einiger Zeit findet der Gedicht-Wettbewerb seinen Weg in die Welt außerhalb von Studentenclubs und kann mittlerweile Stadien füllen, wie zuletzt bei der deutschsprachigen Meisterschaft in Zürich.

Der Kursleiter geht auf die Teilnehmer ein, die Atmosphäre ist familiär; jeder kann sich öffnen. Zu Beginn fängt Holitzka mit allen ein Gespräch an; er will wissen, was die ambitionierten Slammer an ihrem Stil überarbeiten wollen. Auch Petra Engel aus Langen möchte mehr wissen über die neue Art, Gedichte vorzutragen. Die 56-Jährige ist schon lange an Lyrik interessiert und schreibt selbst gerne einige Zeilen zu privaten Anlässen. Aus diesem Kurs nimmt sie viel für ihr Hobby mit: „Ich bin beeindruckt von dieser Art zu schreiben“, stellt Engel fest. „Das ist ein Ansporn für mich, auch an meiner Schreibweise mal etwas zu verändern.“

Trotz des oft sehr eigenen Stils der Werke spricht Finn Holitzka nicht gern von „Poetry-Slam-Gedichten“. „Das klingt zu sehr nach einer bestimmten Textgattung. Im Poetry Slam sind alle Genres erlaubt.“

Der Kontakt mit der Stadtbücherei ist über eine Veranstaltung in der Stadthalle zustande gekommen, die Holitzka moderierte. Gefördert wird das Projekt von der „Partnerschaft für Demokratie in Langen“, das vom Bundesfamilienministerium getragen wird. Denn auch innerhalb des Workshops ist Politik kein Tabu, etwa wenn die angehenden Lyriker innerhalb von nur fünf Minuten Texte über Demokratie verfassen sollen. „Poetry Slam ist außerdem ein Format der freien Meinungsäußerung“, findet Holitzka. Regeln gebe es nicht, solange die Texte selbst geschrieben sind und keine Kostüme oder Requisiten benutzt werden.

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Regelmäßig ist der preisgekrönte Poet als Moderator beim Krone-Slam in Darmstadt zu sehen und auch dazwischen bleibt noch genügend Zeit für eigene kleine Veranstaltungen. Sein Ziel ist, die Kunstform in Langen stärker zu etablieren: „Die Workshops sollen der Grundstein für eine langfristigere Poetry-Slam-Arbeit in Langen sein.“ Holitzka kann sich gut vorstellen, hier einen eigenen Slam zu veranstalten.

Bis dahin stehen am 8. und 22. Dezember (samstags 13 bis 17 Uhr) noch zwei vierstündige Workshops an. Jeweils zehn Plätze stehen zur Verfügung, für die sich Interessierte bei der Stadtbücherei, Telefon 06103 302-420, anmelden können. Die Teilnahme ist kostenlos.

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