Porträt-Schau „TypIsch“ der Fotografen Olaf Hermann und Rainer Kraus

Gesichter der Stadt Langen

+
Der Langener Fotograf Olaf Hermann (links) hat Persönlichkeiten seiner Heimatstadt in Porträts festgehalten, so auch Musiker Markus Striegl und Lebensgefährtin Silke Bentlin, die zusammen das Musikcafé Beans am Lutherplatz betreiben.

Langen - Wenn Langen ein Gesicht hätte, wie sähe das wohl aus? Diese Frage hat sich nicht nur Bürgermeister Frieder Gebhardt gestellt, als er am Sonntagabend mit „TypIsch“ die letzte Ausstellung in den „Kunsträumen Oberlinden“ eröffnet hat. Von Sina Beck 

Die Fotografen Olaf Hermann und Rainer Kraus haben die Gesichter ihrer Heimatstadt festgehalten und präsentieren diese bis Ende April im ehemaligen Einkaufszentrum. Den Weg in den alten Supermarkt würden die meisten Gäste inzwischen vermutlich auch blind finden, schließlich laden die ungewöhnlichen Räumlichkeiten nun schon seit November Kunstinteressierte und Flaneure zum Vorbeischauen ein. Angefangen mit dem „Salon der Kunst“ und dem „Salon der Fotografie“ bildet die nun gestartete Gemeinschaftsausstellung den Abschluss der sehr gelungenen Trilogie und knüpft an den Erfolg ihrer Vorgängerinnen an. Musikalisch begleitet dieses Mal das Duo „InTact“, gebildet von Sängerin Elena Keller und Gitarrist Roland Olschok, die abendliche Vernissage. Dazu erschienen sind abermals zahlreiche Besucher – eine ganze Reihe von ihnen blickt sich selbst von den Wänden entgegen.

Der Bäcker Hans Berck ist einer der Protagonisten aus Rainer Kraus‘ Fotoreihe Gesichtspunkte, die im Jahr 1993 entstand.

Uhrmacher und Juwelier Jochen Tröger ist in seine filigrane Arbeit versunken, Julia Scholz von Maison de la Glace türmt lächelnd Eiskugeln auf und in der Metzgerei von Markus Bode geht es augenscheinlich um die Wurst: Es sind stadtbekannte Gesichter, die Olaf Hermann in ihrem jeweils typischen Arbeitsmilieu abgelichtet hat und die für Sicherheit, Vertrauen und Nähe stehen.

„Diese kleinen, feinen Geschäfte, Betriebe und die Gastronomie hier sind das Besondere, das Herz von Langen“, findet der 51-jährige Fotograf. Veränderungen wie dem zunehmenden Onlinehandel müsse man entgegensteuern, um die Langener Geschäftswelt zu erhalten. Hermanns enger Bezug zur Heimatstadt kommt nicht von ungefähr: Bereits als Schüler hat er im Traditionsgeschäft Photo Porst ausgeholfen und heute sein Büro in der Bahnstraße.

Inspiriert wurde Hermann zu seiner „TypIsch“-Serie von Kollege und Co-Aussteller Rainer Kraus, der zwar heute in Ingelheim lebt, früher aber jahrelang die Sterzbachstadt seine Heimat nannte. Bereits 1993, während seines Studiums, hat der Kommunikationsdesigner mit seinen „Gesichtspunkte“-Porträts ein Zeitzeugnis geschaffen und in Schwarz-Weiß-Aufnahmen 50 Männer und Frauen – vom Bürgermeister bis zur Hausfrau – festgehalten. Und manche der einst auf Film gebannten Gesichter schauen nun, immerhin 25 Jahre später, auch als farbiger Fotodruck in die Besucherrunde. „Da wird einem erst deutlich, wie viel Zeit eigentlich vergangen ist“, stellt Kraus fest und begrüßt Heinz-Georg Sehring, eines seiner wandelnden „Zeitdokumente“ und seinerzeit noch Gärtnermeister.

Die schönsten Orte in Langen: Leserbilder 

Neben den Abbildern lokaler Persönlichkeiten komplettiert ein dritter Baustein die Ausstellung: Unter dem Titel „Habe die Ehre / Puls 200“ wird Kraus dem Begriff der Momentaufnahme mehr als gerecht. Auch bei diesen großformatigen Porträts wurden Gesichter ins rechte Licht gerückt und drücken in beeindruckenden Nahaufnahmen eine ganze Gefühlspalette aus. Erleichterung und Anspannung, totale Entkräftung und erschöpfe Zufriedenheit spiegeln sich in den Mienen, während aus jeder gut sichtbaren Pore der Schweiß rinnt. Denn Kraus hat hierbei Athleten in der kurzen Spanne der Erholungsdauer (60 bis 90 Sekunden) direkt nach einem Leistungstest vor der Linse gehabt und so absolut authentische – „gleichermaßen ungeschönte wie ungehemmte“ – Werke kreiert.

Noch bis Sonntag, 29. April, jeweils samstags von 15 bis 18 und sonntags von 14 bis 18 Uhr ist diese letzte Ausstellung zu sehen, dann haben die zeitlich begrenzten „Kunsträume Oberlinden“ ausgedient. Ganz im Sinne des finalen Gemeinschaftsprojekts „TypIsch“ soll das ehemalige Einkaufszentrum (EKZ) von Grund auf umgebaut und mit Einzelhandel, Arztpraxen und Gastronomie belebt werden. „Dieses Projekt hat gezeigt, dass dieser Ort durchaus als lebendiges Stadtteilzentrum taugt, sofern die richtigen Impulse da sind“, zieht Rathauschef Gebhardt Bilanz. „Das ist ein gutes Zeichen für die Zukunft.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare