Knapp 7 000 Quadratmeter auf dem Steinberg bieten Platz für neues Quartier

Premium-Wohnen rund um den Speierling

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Verspielt und luftig ist der Wohnhaus-Entwurf für die Ecke Konrad-Adenauer-Straße/Am Schleifweg. Der markante Speierling wird in die Architektur eingebettet.

Langen - Im Herzen des Steinbergs soll bis Ende 2018 ein neues Wohnquartier mit dem Namen „Am Speierling“ entstehen. Von Holger Borchard 

Die planerischen Weichen hat die Stadtverwaltung im Rahmen eines Investorenwettbewerbs gestellt – somit kann das Vorhaben die Reise durch die kommunalpolitischen Instanzen antreten. Noch liegen die knapp 7 000 Quadratmeter Grund und Boden zwischen Konrad-Adenauer-Straße, Schleifweg und Sonnenhang in einer Art Dornröschenschlaf, aber das soll sich ändern. Zur Entwicklung des Areals, das sich zu 75 Prozent in kommunaler Hand befindet, ist die Stadtverwaltung vom üblichen Pfad – Ausschreibung; Verkauf an den Meistbietenden – abgewichen. Sie hat stattdessen einen Investorenwettbewerb ausgelobt, der am Montag mit der Kür der drei besten Entwürfe sein krönendes Ende gefunden hat.

Städtebauliche Aspekte, Umweltverträglichkeit und zukunftsorientierte Energiekonzepte fanden sich dick unterstrichen auf dem Langener Wunschzettel, der den Wettbewerbsteilnehmern als Arbeitsgrundlage vorgelegt wurde. Gefragt sind Geld und Planungskompetenz – insofern taten sich Architekten, die ein Bebauungskonzept entwickeln, und Investoren, die ein Kaufpreisangebot vorlegen, zu Bietergemeinschaften zusammen.

Unter dem Strich 19 Angebote gingen auf diese Weise im Rathaus ein. Die Ausschreibung war von vornherein jedoch auf zehn Bewerber beschränkt, sodass neun einem Losverfahren zum Opfer fielen. Die vorgelegten Entwürfe beurteilte ein Preisgericht, dem neben Stadtplanern und Architekten Bürgermeister Frieder Gebhardt, Erster Stadtrat Stefan Löbig sowie der private Eigentümer eines knappen Viertels der Baufläche angehörten. „Das Rennen gemacht hat ein Entwurf mit vier ausdrucksstarken Häusern, die mit ihren Grundrissen, Loggien, Dachterrassen, ihrer grünen Umgebung und ihren energetischen Vorzügen hohen Ansprüchen genügen dürften“, bringt Frieder Gebhardt den Auswahlprozess auf den Punkt. Die Expertenrunde freilich hat weder einen klaren Sieger gekürt noch ist ihre Wertung das Maß aller Dinge.

Als grüner Flecken im Herzen des Steinbergs präsentiert sich das Areal, auf dem das Wohnquartier „Am Speierling“ entstehen soll. Das Namen gebende Naturdenkmal wird ebenso erhalten bleiben wie weitere markante Bäume, für den Bolzplatz ist allerdings kein Platz mehr.  

Auf einen Gewinner vermochte sich das Gremium wegen „geringfügiger Schwächen in sämtlichen Entwürfen“ nicht zu verständigen. Es vergab zwei zweite Preise – an Albert Speer + Partner GmbH, Frankfurt, sowie Zaeske und Partner Architekten BDA, Wiesbaden – und einen dritten Preis an Kohl:Fromme Architekten, Duisburg. Während die beiden Zweitplatzierten sich über jeweils 11 440 Euro freuen dürfen, lassen die drittplatzierten Duisburger 5720 Euro und eine Wettbewerbsklausel so richtig jubeln: Jene Bietergemeinschaft aus dem Preisträger-Trio bekommt den Zuschlag, die gemäß der Gewichtung „30 Prozent Wettbewerbsplatzierung/70 Prozent Kaufpreisangebot“ die Nase vorne hat – und das ist Kohl:Fromme Architekten.

Das Konzept des Duisburger Büros sieht vier freistehende, quadratische und nach allen Seiten gleichwertig gestaltete Gebäude in drei- bis viergeschossiger Höhe plus Staffelgeschoss vor. Macht summa summarum 60 Wohneinheiten, sprich Platz für etwa 200 Menschen. Diese Größenordnung bieten die beiden anderen Siegerentwürfe ebenfalls. Das Preisgericht empfiehlt Kohl:Fromme die Überarbeitung im Hinblick darauf, dass in größerem Umfang ökologische Baumaterialien wie zum Beispiel Holz verwendet werden.

Das Gelände am Steinberg war ursprünglich für den Bau einer Grundschule vorgehalten worden. Der Kreis Offenbach als Schulträger sieht dafür aber schon längst keinen Bedarf mehr, zumal die Fläche aus heutiger Sicht dafür zu klein wäre. Der Bebauung weichen müssen wird der Bolzplatz, den die Stadt vor Jahren zur Konrad-Adenauer-Straße hin angelegt und eingezäunt hat. „Er war aber von vornherein nur für eine Übergangszeit gedacht“, erinnert der Bürgermeister.

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Aus botanischer Sicht herausragend und deshalb Namenspate des künftigen Wohnquartiers ist der mächtige Speierling am Schleifweg. Als Naturdenkmal steht der Baum mit seinen rund 20 Metern Kronendurchmesser unter Schutz. „Er bleibt auf jeden Fall erhalten“, betont Gebhardt. Laut Wettbewerbsvorgaben ist um den Solitär herum eine großzügige Schutzzone zu gestalteten. Ebenso verfahren wird mit einer Esskastanie und weiteren Bäumen an anderer Stelle.

Die vorgesehenen Wohnhäuser sollen weiß bis hellgrau verputzt werden und von der Ferne wie eine Felskuppe wirken. Laut Wettbewerbsjury zeichnen sie sich durch zeitgemäße Architektur, großzügige Freiflächen, Dachbegrünungen, Tiefgaragen und Bauweise im Passivhausstandard aus. Effiziente Energieversorgung gewährleisten soll ein Blockheizkraftwerk, sogar Carsharing-Plätze für Elektroautos sind möglich.

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