Auf gutem Weg zur Mitsprache

Projekt Jugendforum kommt voran

+
Sie kennen den Stadtverordnetensitzungsaal, in dem das Bild entstand, und freuen sich auf das Jugendforum: Giulia Sengpiel, Tim Kolmschlag, Leonie Borst und Michael Ackermann (von links) zählen zu den treibenden Kräften der Arbeitsgruppe, die derzeit eine Satzung ausarbeitet.

Langen - Das erklärte Ziel heißt: politische Anbindung. Jugendliche und Kinder sollen in Langen künftig ein Wörtchen mitreden. Über das Jugendforum sollen sie ihre Ideen, Vorstellungen, Wünsche und Anregungen in die Kommunalpolitik einbringen können. Von Holger Borchard 

Grundlage ist der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, ein solches Gremium für junge Leute bis 18 Jahre einzurichten. Michael Ackermann (18), Giulia Sengpiel (17), Tim Kolmschlag (17) und Leonie Borst (13) sind die Sprecher der Arbeitsgruppe Jugendforum (siehe Infokasten). Sie und knapp zwei Dutzend weitere junge Leute arbeiten zurzeit zusammen mit dem städtischen Fachdienst Jugend, Migration, Spielplätze eine Geschäftsordnung für das Gremium aus, das Ende des Jahres Realität werden soll. Der Fahrplan steht: Nach anderthalb Jahren Vorarbeit, deren bisheriger Höhepunkt die Zukunftskonferenz 2017 in der Stadthalle war, wird nun der Satzungsentwurf ausgearbeitet. Dieser soll den Stadtverordneten in der Mai-Sitzungsrunde zur Beratung und Abstimmung vorgelegt werden. Sofern die „große Politik“ grünes Licht gibt, sollen nach den Sommerferien die Wahlvorbereitungen starten und mit den Wahlen im Herbst die politische Interessenvertretung für Langens junge Leute Realität werden.

„Ich bin begeistert, dass junge Leute sich derart für Politik und den demokratischen Gedanken begeistern und mit enormem Engagement bei der Sache sind“, kommentiert Frieder Gebhardt. Der Bürgermeister erinnert sich nur zu gut an die Anfänge: „Im April 2016 hat Michael Ackermann mich im Rathaus angerufen und gesagt, er würde sich gerne mal mit mir unterhalten ...“ Was seither an Dynamik in das Projekt gekommen ist, sei phänomenal, urteilt Gebhardt. Im Wissen um die Tatsache, dass der gute und zeitgemäße Ansatz in mancher Kommune vor die Wand gefahren wurde, appelliert der Rathaus-Chef: „Jugendliche und Kinder sollen ohne Wenn und Aber ernst genommen werden und ihre Altersgruppe in kommunalpolitischen Entscheidungen vertreten. Natürlich hegen sie den Wunsch, mitzureden und das Jugendforum ist das richtige Mittel, um sich mit den Spielregeln der Demokratie und Möglichkeiten zur Mitbestimmung vertraut zu machen.“
Wie sehr sich die Jugend Gedanken um ihre Heimatstadt und ihren Platz darin macht, spiegelt die große Zukunftskonferenz vom September wider. In der Stadthalle versammelten sich rund 750 Schüler der Klassenstufen sieben bis neun, um sich einen Vormittag lang mit Themen wie Freizeit, Umwelt, Klima, Stadtplanung, Teilhabe und Verkehr auseinanderzusetzen. „Die Jugendlichen leben gerne in Langen, sie haben ein ausgeprägtes Bewusstsein für ihre Stadt und sind bereit, sich in vielfältiger Weise zu engagieren“, bricht Tim Kolmschlag eine Lanze für seine Altersgenossen. „Mehr öffentliche Plätze und Rückzugsräume für junge Leute, bitte unbedingt auch überdacht, mehr Grün in der Stadt, attraktive Angebote für die verschiedenen Altersgruppen und ein öffentliches WLAN-Netz“, gibt Giulia Sengpiel die am häufigsten benannten Wünsche wieder. „Das Interesse an dieser Veranstaltung war enorm, die Resonanz hat all unsere Erwartungen übertroffen – das schreit geradezu nach einer Wiederholung“, resümiert Leonie Borst die Zukunftskonferenz.

In sechs Workshops, an zehn Mitmachstationen sowie in einem von Finn Holitzka moderierten Plenum als Quizshow hatten die Teilnehmer vor vier Monaten Gelegenheit, ihre Standpunkte festzuhalten und jede Menge über Langen und die Kommunalpolitik, aber auch über Demokratie im Allgemeinen und „große“ Themen wie den Klimaschutz zu erfahren. In kleinen Arbeitskreisen tauschten sich die Schüler der Einstein-, Reichwein- und Dreieichschule aus – Resultat ist ein breites Spektrum an Themen.

Bilder: Sitzung der katholischen Jugend in Bieber

„Die Politikbegeisterung der Beteiligten war alles andere als schwer zu wecken“, blickt Martina Waidelich, Leiterin des städtischen Fachdienstes Migration, Jugend, Spielplätze zurück. „Die Ergebnisse der Zukunftskonferenz zeigen, dass Kinder und Jugendliche einen ganz eigenen Blick auf ihren Wohnort haben. Insofern ist es schön, dass es gelungen ist, die Stadtverordneten und die jungen Leute miteinander ins Gespräch zu bringen.“ Das Versprechen der Stadtverordneten, das Projekt Jugendforum zu verfolgen, steht. Die jungen Initiatoren wiederum sind sich sicher: „Das Jugendforum wird dazu beitragen, politisches Interesse zu wecken.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare