Projektwoche an Dreieichschule

Hurra, die Schule qualmt

+
Geburtstagskind Sairung geht zum Abschluss der Projektwoche schon routiniert mit dem Feuerlöscher um. Zu den Highlights der Woche gehörte der senkrechte Höhenflug im Korb des Teleskopmasts, den Feuerwehr-Jugendleiter Christian Buchholz begleitete.  

Langen - Rauchschwaden im Klassenraum sind während der Projektwoche am Gymnasium zum Glück kein Grund zur Panik. Von Cora Werwitzke

Mit jedem Meter, den der Teleskopmast himmelwärts an Höhe gewinnt, legen die Schüler ringsherum den Kopf weiter in den Nacken. „Ganz schön hoch“, murmelt ein Mädchen. Die Gruppe am Boden beobachtet, wie ihre Schulkameradinnen Louisa und Denise mit Feuerwehrmann Christian Buchholz im Korb des Teleskopmasts dem Hof der Feuerwehr entschweben. Zwei Minuten dauert der Nervenkitzel samt beeindruckender Aussicht über Langen, dann sind die nächsten Schüler an der Reihe.

Der Unterricht fällt vergangene Woche mal etwas anders aus: Die Acht- und Elftklässler der Dreieichschule haben Projektwoche. In diesem Zuge führt der Schulweg für 18 Jugendliche der Jahrgangsstufe acht morgens um 9 Uhr nicht unbedingt zum Gymnasium, sondern an eins, zwei Tagen auch aufs Feuerwehrgelände an der Darmstädter Straße. Mit dem Titel „Fit for Firefighting“ in der Projektbeschreibung hat Lehrerin Katharina Buchholz offenbar den Nerv der Jugenlichen getroffen. „Es waren noch mehr interessiert, aber weil das Projekt eine Premiere ist, haben wir die Teilnehmerzahl begrenzt“, erzählt die Lehrerin, die in ihrer Freizeit bei der Langener Wehr die Kindergruppe („Feuerwehr-Bären“) leitet.

Herausforderung in der Höhe

Der Betreuer im Teleskopmast-Korb ist ihr Mann und gleichzeitig Jugendleiter der Langener Wehr. Mit dem Zerstreuen von Bedenken hat Christian Buchholz so seine Erfahrung: „Das letzte Mal, dass der Teleskopmast umgefallen ist, das ist eine Woche her“, verkündet er augenzwinkernd. Die zehn Mädchen um ihn herum kichern nervös.

Gleichzeitig werden die acht Jungen der Gruppe ein paar Meter weiter auf Trab gehalten: Ihre Aufgabe ist es, vom ersten Stock des Feuerwehrturms über eine angelehnte Leiter nach unten auf den Hof zu klettern. Was vom Boden aus zunächst machbar erscheint, entpuppt sich in sechs Meter Höhe als Herausforderung. „Am Ende war’s aber einfacher, als es am Anfang aussah“, meint Tim (13) gelassen. Die Schüler sind bei ihrer Kletteraktion freilich ebenso gesichert wie beim Senkrechtflug im Teleskopmast.

Nach den Worten von Lehrerin Katharina Buchholz bekommen die Jugendlichen mit dem Projekt im Prinzip einen Schnelldurchlauf durch die Feuerwehrarbeit geboten. „Am ersten Tag haben wir im Chemieraum ein Mess-Praktikum absolviert – dabei wurden Säuren getestet, die Brennbarkeit verschiedener Gegenstände bestimmt und schwache Radioaktivität nachgewiesen.“ Im Verlauf der Woche üben die Mädchen und Jungen auch den Umgang mit Feuerlöschern, erleben eine Fettexplosion, machen sich mit der Feuerwehrausrüstung vertraut („Wir sind in Chemikalienschutzanzügen durch die Schule gelaufen“) und imitieren Einsätze im Klassenraum. „Dafür haben wir den Raum eingenebelt – einmal bekamen die Jugendlichen Aufgaben, die sie erfüllen mussten, ein anderes Mal spielten zwei Schüler Verletzte, die zu bergen waren“, erzählt die Projektleiterin. Bei der Betreuung hilft die Woche über auch Feuerwehr-Ausbilder Mathias Graf mit.

Übung in der Feuerhölle

Nachhaltig beeindruckt sind Tim, Justus, Julian und Filmon von der Simulation eines Unfalleinsatzes. „Dafür haben wir ein Auto aufgeschnitten“, erzählt das Quartett. Auf dem Feuerwehr-Hof stand dafür ein schrottreifer Wagen Pate. „Uns wurde gezeigt, wie und wo man schneiden muss – dann haben wir’s selbst versucht“, sagt Filmon. Die Schneidetechniken werden von Einsatzkräften häufig gebraucht, um Menschen nach einem Verkehrsunfall aus ihren deformierten Autos zu bekommen.

Am Abschlusstag wird Sairung schließlich als Geburtstagskind nochmal die Ehre zuteil, einem kleinen Brand mit einem Feuerlöscher den Garaus zu machen. Ihre Schulkameraden applaudieren. Katharina Buchholz hofft derweil, dass sich der eine oder andere nachhaltig für die Freiwillige Feuerwehr interessieren – und vielleicht sogar in die Nachwuchsabteilung einsteigen wird.

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare