Vater, Mutter und Zuhause verloren

Prozess um Tod einer Lehrerin: Sohn macht Aussage

Tatort Langen Prozess
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Schulkinder haben nach dem Tod der 39-jährigen Lehrerin Blumen am Hoftor niedergelegt.

Langen/Darmstadt - Im Prozess um die im Schlaf erwürgte Frau eines ehemaligen Krankenpflegers ist der 16-jährige Sohn des Ehepaares vor dem Darmstädter Landgericht vernommen worden. Von ihm erhoffte man sich nähere Informationen zum Motiv der rätselhaften Tat. Doch die konnte der Oberstufengymnasiast nicht geben. Von Silke Gelhausen 

Die Tat hat die vierköpfige Familie für immer zerstört: Der angeklagte 47-jährige Langener hatte am frühen Morgen des 5. April 2018 der 39-jährigen Grundschullehrerin ein Sofakissen aufs Gesicht gedrückt und sie mit einer Hand gewürgt, bis sie starb – während die jugendlichen Kinder nebenan schliefen. Keinerlei Anzeichen deuteten vorab auf die grausame Tat hin. Der Angeklagte selbst macht finanzielle Sorgen dafür verantwortlich.

„Bis ich ins Bett gegangen bin, war alles wie immer. Unsere Familie hat gut funktioniert“, erklärt der Schüler. „Als morgens dann fünf Polizeiwagen und der Notarzt vor der Tür standen, dachte ich zuerst an einen Einbruch und dass mein Vater verletzt sein könnte. Meine Mutter wähnte ich bei der Arbeit, weil das Auto weg war.“ In Wahrheit war der Vater mit diesem Fahrzeug zur Polizei gefahren und hatte sich gestellt.

Die wenig rosige Finanzlage bestätigt der Teenager indes: „Ein paar Tage nach der Tat wurde unser Familienkonto gesperrt, es gab viele Mahnungen. Da haben wir dann den Schuldenberg entdeckt: insgesamt vier Kredite und das Konto um 10.000 Euro überzogen. Wir haben das letzte halbe Jahr jeden Monat 2000 Miese gemacht.“ Wahrscheinlich habe der Vater seiner Frau diese Dinge verschwiegen, mutmaßt der 16-Jährige.

Die wichtigsten Notruf-Nummern

Mehr kann er zu den Hintergründen nicht beitragen. Seinen Vater würdigt er während seiner Aussage kaum eines Blickes. Ebenfalls vor Gericht geladen ist die 13-jährige Schwester; sie nimmt ihr Zeugnisverweigerungsrecht in Anspruch.

Die Halbwaisen wohnen seit der Tat getrennt voneinander bei Verwandten, das Elternhaus soll verkauft werden. Drei weitere Polizisten werden am zweiten Prozesstag noch in den Zeugenstand gerufen. Deren Aussagen decken sich weitestgehend mit den Angaben des Angeklagten. Auch für die Beamten war es damals keine gewöhnliche Vernehmung. „Abends haben Sie noch mit Ihrem Sohn Darts gespielt und morgens töten Sie Ihre Frau“, so ein Kriminalkommissar aus Offenbach in Richtung des Beschuldigten.

Der Prozess wird Mitte November fortgesetzt.

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