Vor dem Amtsgericht

Prozess in Langen: 37-Jähriger für skurrilen Einbruch bei Verflossener verurteilt

Justitia-Figur
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Vor dem Amtsgericht Langen  wurde ein skurriler Fall verhandelt. (Symbolbild)

Nachdem er gewaltsam in die Wohnung der Exfreundin in der Langener Innenstadt eingedrungen ist, findet ein 37-Jährige deutliche Worte.

Langen – Eine schlüssige Erklärung, was seine Aktion bezwecken sollte, bleibt der Angeklagte dem Amtsgericht Langen schuldig. Doch es gibt Augenzeugen, die die Tat gut beschreiben können. Denn die Mieterin und ihr Bekannter befinden sich gerade im Wohnzimmer in Nähe der Terrassentür, durch die der Exfreund am späten Abend einsteigt. „Wir saßen auf der Couch und ständig klingelte mein Telefon. Ich wusste, dass es meine Ex-Freundschaft-Plus ist und bin deshalb nicht dran gegangen. Irgendwann wurde es uns aber zu viel und ich forderte meinen Besuch auf, ihm zu sagen, ich sei nicht da!“, berichtet die 50-Jährige. Danach hätten die unerwünschten Anrufe aufgehört.

Doch so einfach lässt sich der arbeitslose Restaurantfachmann nicht abwimmeln. „Ungefähr 20 Minuten später wurde der Türrollladen hochgedrückt. Durch die Katzenklappe kam eine Hand herein, die mit dem Handy als Verlängerung den Türdrücker betätigte“, schildert die Zeugin den Vorfall. Schon stand der Angeklagte im Wohnzimmer und sei direkt auf ihren Bekannten gestürmt. „Beide haben sofort gekämpft. Ich glaube, er hat Rot gesehen“, sagt sie.

Angeklagter brach sich den Unterarm

Amtsanwalt Julius Beßler will wissen, was alles zu Bruch gegangen sei. Die Kosmetikerin: „Das Rollo ist seitdem kaputt, da muss wohl ein neues her. Und die beiden Rotweingläser sind zersprungen.“ Die Flecken an der Wand und auf dem Teppich habe sie aber rückstandslos entfernen können. Geendet habe das Ganze erst, als noch ein ihr unbekannter Begleiter des Einbrechers hereinkam, der die Kampfhähne auseinanderbrachte. Den größten Schaden trug der Eindringling selbst davon: Er brach sich den Unterarm. Ob durch die Eisenstange, mit der sich der Bekannte seiner Ex sofort bewaffnete, oder bei einem Faustschlag – das konnte nicht geklärt werden.

Denn natürlich wird der zweite Zeuge, der zu Besuch war, von Horn unterrichtet, dass er sich nicht selbst belasten muss. „Als der Rollladen hochgedrückt wurde, habe ich sofort die Polizei angerufen. Die Beamtin musste ich erst mal überreden, überhaupt jemanden zu schicken“, empört sich der 53-Jährige. „Der Exfreund hat mich mehr oder weniger überrannt. Wir sind auf den Couchtisch gefallen, dabei gingen die Gläser kaputt.“ Die Eisenstange habe er zur Abwehr gegriffen, die habe im Wohnzimmer gelegen – mit anderen Resten aus vom Sturm zerfetzten Gartenmöbeln. Verteidiger Stefan Striefler will wissen, ob er die Waffe auch eingesetzt habe. „Ja, ich habe sie zur Abwehr benutzt, aber nicht richtig damit geschlagen. Ich stand unter Schock, hatte hinterher mehrere Schürfwunden“, behauptet der Griesheimer.

Der Anwalt meint, sein Mandant sei mit dem Armbruch schon genug gestraft. Seine Anregung, das Verfahren einzustellen, stößt bei der Staatsanwaltschaft auf taube Ohren. Beßler sagt: „Es gibt keine strafmildernden Gründe, außer, dass das alles schon ein Jahr her ist. Der Angeklagte ist zwar nicht einschlägig, aber fünfmal vorbestraft und stand zur Tatzeit unter laufender Bewährung. Er hat sich zur Nachtzeit Zutritt verschafft und hier nichts gesagt.“

Beßler plädiert für 1400 Euro Geldstrafe, was der Verteidiger nicht nachvollziehen kann: „Wirklich fremd war die Wohnung ja nicht, mein Mandant hat dort einige Zeit gewohnt. Trotzdem: Hausfriedensbruch ja, Sachbeschädigung nein. Er hat nichts vorsätzlich kaputtgemacht. 400 Euro sind völlig ausreichend!“ Er kündigt an, eventuell in Berufung zu gehen. (Silke Gelhausen)

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