Nächtliche Alkoholfahrt und Unfallflucht

Maserati auf die Verkehrsinsel gesetzt

Langen - Eine Geldstrafe in vierstelliger Höhe und vier Monate Führerschein-Entzug: Vor dem Amtsgericht hat ein 53-jähriger Langener die Quittung für eine Alkoholfahrt inklusive Unfallflucht erhalten. Von Sina Beck 

Trunkenheit am Steuer, eine demolierte Verkehrsinsel, ein kaum noch fahrtüchtiger Maserati sowie unerlaubtes Entfernen vom Unfallort – das ist die Litanei der Vorwürfe gegen den 53-Jährigen, die Richter Kilian Ochs in zwei Anläufen am Amtsgericht verhandelte. Der Angeklagte will nicht selbst am Steuer gesessen haben, vielmehr beharrte er darauf, seine Frau habe den Sportwagen am Unfallabend gelenkt. Und obwohl die Ehefrau versuchte, die Schuld auf sich zu nehmen, schenkte Richter Ochs dieser Version aufgrund der Zeugenaussagen keinen Glauben und brummte dem Angeklagten 3850 Euro Geldstrafe (55 Tagessätze á 70 Euro) und vier Monate ohne Führerschein auf.

Dass der Lackierer und Karosseriebauer in der Nacht auf den 10. Juli 2017 in der Tat auf die Verkehrsinsel auf der Darmstädter Landstraße am Ortseingang Langens aufgefahren war, hatte sich schon am ersten Verhandlungstag abgezeichnet: Zwei Zeugen hatten seinerzeit nur eine, mit hoher Wahrscheinlichkeit männliche Person aus dem Auto aussteigen sehen und die Polizei gerufen. Diese griff den Angeklagten aufgrund der sehr genauen Personenbeschreibung kurze Zeit später auf. Weil die Verteidigung die Anhörung der Beamten forderte, die laut Angeklagtem dessen Aussage vor Ort nicht aufgenommen hätten, war die Verhandlung vertagt worden.

Die drei Polizeikommissare, die den flüchtigen Fahrer in der Unfallnacht suchten und fanden, schildern unabhängig voneinander das Gleiche: Sie hätten den torkelnden, augenscheinlich alkoholisierten Mann gefunden, mit den Vorwürfen konfrontiert und belehrt. Da der Angeklagte einfach weitergehen wollte, hätten sie ihm Handfesseln angelegt, wobei der 53-Jährige keinen Widerstand geleistet, sich „aber auch nicht sonderlich kooperativ“ gezeigt habe. Dass seine Frau das Unfallauto gesteuert habe, habe der Mann weder bei der Festnahme noch auf der Wache verlauten lassen, sind sich die Polizisten sicher.

Die 46-jährige Ehefrau wird vor ihrer Zeugenaussage vom Vorsitzenden explizit belehrt, dass sie keine Angaben machen muss. Trotzdem entschließt die Langenerin sich, die Version ihres Mannes vollauf zu bestätigen. Sie habe ihn nachts auf dem Heimweg von der Kneipe abgeholt, man habe gestritten und sie hätte die Verkehrsinsel nicht wahrgenommen. „Die war nicht zu sehen“, lautet ihre fragwürdige Begründung – die Richter Ochs sofort nachhaken lässt: „Aber Sie wohnen doch in der Nähe und kennen die Stelle?“ Sie habe das Fahrzeug noch gemäß Anweisung ihres Mannes geparkt und sei dann schockiert und – „wegen des Streits“ – wütend ausgestiegen. Sie habe ihren Mann stehen lassen und sei nach Hause gegangen. Auf die Idee, den Unfall zu melden, sei sie nicht gekommen, denn: „Ich habe ja nichts gemacht, nur mein eigenes Auto geschrottet.“

Das droht Verkehrssündern bei einer Unfallflucht

Der Angeklagte hatte am ersten Verhandlungstag angegeben, dass er sich nach dem Unfall mit einem Mann unterhalten habe. Den will nun auch die Ehefrau beim Verlassen des Unfallorts gesehen haben. Den Antrag der Verteidigung auf erneute Vertagung – um diesen Zeugen ausfindig zu machen – lehnt der Vorsitzende Richter ab. Nix wird’s auch mit dem geforderten Freispruch, den der Anwalt damit begründet, dass die Anwohner, die den Sachverhalt beobachteten, nicht ohne Unterbrechung Zeugen des Tathergangs gewesen seien. Ferner sei die polizeiliche Untersuchung des Maseratis lückenhaft gewesen.

Höchst glaubhafte, übereinstimmende Zeugenaussagen auf der einen, Ungereimtheiten und Widersprüche auf der anderen Seite – „die Aussagen des Angeklagten und seiner Frau sind anders als die übrigen Zeugenaussagen einfach fernliegend und nicht stimmig“, begründet der Vorsitzende Richter sein Urteil. Zudem merkt Kilian Ochs an, dass das Strafmaß durchaus höher hätte sein können und aufgrund der erheblichen Unterhaltszahlungen des Selbstständigen für zwei Kinder noch tendenziell gering ausgefallen sei.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare