Beim Gassigehen völlig ausgetickt

Streit zwischen Hundehaltern eskaliert: 33-Jähriger schlägt und würgt Frau

Hund (Symbolbild)
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Weil sie ihn bat, seinen Hund an die Leine zu nehmen, hat ein Langener eine Frau verprügelt. (Symbolbild)

Für das Opfer war es wohl ein Schock fürs Leben: Die 35-Jährige wurde von einem 33 Jahre alten Mann in der Steubenstraße in Langen brutal verprügelt. Jetzt bekam er seine Strafe.

Langen – Der Langener hatte sein Opfer am 9. März 2020 zunächst aufs Übelste beleidigt, angespuckt, dann zu Boden gerissen, mit Faustschlägen das Gesicht traktiert und letztlich so gewürgt, dass die Frau trotz Schal und Jacke über Tage Schluckbeschwerden, Prellungen im Gesicht, eine Thoraxprellung und Kopfschmerzen hatte.

Richterin Natalie Herbert verurteilt den Angeklagten nach anderthalb Stunden Verhandlung im Saal D des Amtsgerichts wegen tätlicher Beleidigung, vorsätzlicher Körperverletzung und Bedrohung zu einem Jahr und sechs Monaten und setzt die Strafe zur Bewährung aus. „Es bereitet mir Bauchschmerzen und die Bewährung erfolgt auch nicht wegen einer positiven Sozialprognose oder weil Sie gerade Vater geworden sind, sondern weil Sie Ihr Verhalten hier und heute nicht herunter gespielt haben und vollumfänglich geständig waren“, erklärt die Richterin bei ihrer Urteilsverkündung.

Langen: Richterin sieht „äußerst brutale Vorgehensweise“

Damit geht sie sogar über das Strafmaß von elf Monaten auf Bewährung hinaus, das Staatsanwalt Walden fordert. Einig sind sich Richterin und Staatsanwalt aber darin, dass die Grenze zur „gefährlichen Körperverletzung nur haarscharf unterschritten“ worden sei. „Dieser Übergriff hätte auch ganz anders ausgehen können“, betont Walden und attestiert dem Angeklagten eine „äußerst brutale Vorgehensweise“. Der Täter sei „wegen einer Nichtigkeit“ komplett ausgetickt. „Dass die Frau trotz Schal und Jacke über Tage erhebliche Beschwerden hatte, zeigt, mit welcher Gewalt Sie gewirkt haben“, hält Richterin Herbert dem Mann auf der Anklagebank vor.

Was aber war genau passiert an diesem 9. März 2020? Die Egelsbacherin war gegen 18 Uhr gemeinsam mit ihrer kleinen Tochter und den zwei angeleinten Hunden unterwegs, als ihr der Angeklagte mit seiner damals noch schwangeren Lebensgefährtin und Mutter des jetzt fünf Monate alten Kindes sowie einem Schäferhund-Mischling begegnete. Die Frau aus Egelsbach bat den Mann, dessen Hund auf sie zulief, sein Tier an die Leine zu nehmen, da ihre Hündin läufig war.

Prozess nach Attacke in Langen: Täter drohte mit Erwürgen

Der Täter rastete direkt aus, beschimpfte die Frau, spuckte ihr ins Gesicht. Als die Frau ihn daraufhin ohrfeigte, stürzte er sich auf sie. Die beiden fielen ins Gebüsch, er rammte ihr das Knie auf den Brustkorb, schlug ihr mit den Fäusten ins Gesicht und würgte sie heftig. „Er hat mir gedroht, wenn ich nicht sofort aufhöre zu zappeln, erwürgt er mich vor den Augen meiner Tochter“, erzählt die Nebenklägerin unter Tränen.

Die Frau sagt im Gericht aus, dass sie von der Gewalt und der blinden Aggression des Mannes sehr überrascht gewesen sei. Auch wenn die körperlichen Folgen jetzt, neun Monate später, verheilt sind, sitzen die seelischen Schmerzen tief. „Wir hatten seither Angst, ihm zu begegnen. Diese Angst vergiftet die Seele“, erläutert sie die anhaltenden Folgen des Übergriffs. Ihr Mann habe Tage später bei dem Angreifer geklingelt, dieser habe die Tat geleugnet und ihm viel Glück bei der Suche nach dem richtigen Täter gewünscht. Dieses Verhalten erklärt der Anwalt des Angeklagten damit, dass er ihm zunächst geraten habe, auf keinen Fall ein Schuldeingeständnis abzugeben.

Prozess in Langen: Täter vergießt Tränen auf der Anklagebank

Aber auch der Täter bleibt an diesem Morgen im Gericht nicht emotionslos. Der Mann vergießt Tränen auf der Anklagebank. Der seit vielen Jahren in einem großen Unternehmen arbeitende Chemikant ist kein unbeschriebenes Blatt in der Justiz. Er hat mehr als drei Jahre Jugendgefängnis hinter sich, insgesamt zwölf Vorstrafen, darunter Diebstahl, Brandstiftung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz und gefährliche Körperverletzung. Für eine Verurteilung wegen vorsätzlichen Fahrens ohne Führerschein läuft aktuell noch eine Bewährungszeit. „Es tut mir sehr leid. Ich kann mir nicht erklären, was an diesem Tag mit mir los war“, entschuldigt sich der Täter. Er berichtet auch, dass er, seit er zwölf Jahre alt sei, eine diagnostizierte Borderline-Störung habe, die er seit dem Übergriff in einer Therapie an der Asklepios Klinik von Psychologen behandeln lasse. „Borderline soll keine Entschuldigung für diese Tat sein“, sagt er weinend, „aber diese Krankheit ist wie eine zweite Persönlichkeit in mir. Ich lebe mit der Angst vor mir selbst“, versucht er sein Verhalten zu erklären.

Strafmildernd wirkt sich aus, dass der Mann seinem Opfer bereits 1500 Euro Schmerzensgeld überwiesen hat und die kleine Tochter der verprügelten Frau durch das Geständnis nicht mehr persönlich im Zeugenstand auftreten muss. Der jetzt Verurteilte muss mindestens zwölf weitere Monate Therapie nachweisen und bekommt einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Abschließend wendet sich Richterin Herbert noch einmal an den Angeklagten: „Ich hoffe sehr, dass es dank der Therapie nicht mehr zu solchen Impulskontrollverlusten kommt.“ (Von Nicole Jost)

Eine Trunkenheitsfahrt und Beamtenbeleidigung werden für einen Mann in Langen richtig teuer. Der Richter verhängt eine fünfstellige Strafe gegen den 26-Jährigen.

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