Prozessauftakt gegen drei Angeklagte

Fake-Shop „KKG-Technik“: Gute Bewertungen im Netz als Basis des Betrugs

Frankfurt/Langen – Staatsanwalt Andreas Karl verzichtet vor der Wirtschaftskammer des Landgerichts Frankfurt darauf, 9301 Betrugsfälle vorzulesen. So oft hatten Fake-Shop-Kunden Anzeige erstattet.

Gestern begann der Prozess gegen drei Angeklagte aus dem Umfeld der insolventen Frankfurter Firma KKG-Technik, die in Langen Geschäftsräume betrieb: Zwei Beschuldigte gestanden, der dritte könnte deren Beispiel folgen.

KKG-Technik hatte in seinem Online-Shop Laptops oder Waschmaschinen auffällig günstig angeboten. Anfangs lieferte die GmbH noch Ware, um gute Bewertungen zu bekommen. KKG-Technik erarbeitete sich den Ruf des verlässlichen Billiganbieters. Dann verschickte der Shop so gut wie nichts mehr. Der Umsatz lag in den Monaten des zweiten Halbjahrs 2017 bei 11,4 Mio. Euro, die Ausgaben bei 1,4 Mio., das Finanzamt wartete vergeblich auf die Mehrwertsteuer.

Die Fäden zog ein mittlerweile verstorbener Mann in der Türkei. Er fand über einen in Deutschland lebenden Landsmann den Angeklagten K., den die Anwälte Thorsten Fuchs und Ivo Hänel vertreten. Der 55-Jährige erzählt eloquent, wie er als Strohmann ohne Prokura in die Rolle des Geschäftsführers gelangte, „von Online-Handel habe ich keine Ahnung“. Ihm sei es damals ökonomisch schlecht gegangen. Seine Stelle als Gewerkschaftssekretär habe er verloren. Sein türkischer Freund, der Mitangeklagte E., habe das gewusst und den Kontakt hergestellt.

5000 Euro Festgehalt plus Gewinnbeteiligung versprochen

In der Türkei habe jemand einen Fake-Shop in Deutschland aufbauen wollen. Wegen seines deutschen Namens habe er den Geschäftsführer gemimt. Das erklärte Konzept: Die ersten zwei Jahre wolle man die Ware aus der Türkei beziehen, auf dem Markt so viel Reputation aufbauen, bis ein arrivierter Großhändler bereit sei, ohne Vorkasse lange zu liefern. Bezahlen werde man nichts, sondern Insolvenz anmelden. Das Versprechen von 5000 Euro Festgehalt und Gewinnbeteiligung habe ebenso verlockend gewirkt wie 200.000 Euro Abfindung. Gehalt habe er dann nicht gesehen, statt dessen von Untervermietung und einem Minijob gelebt.

Schnell wurden die Kunden zornig, die habe man mit Lieferschwierigkeiten und Gutscheinen vertröstet. Im Internet habe jemand seine Privatadresse veröffentlicht, auf dem Privathandy telefonisch Besuche der Hells Angels angekündigt.

Billigkopien von Markenprodukten erkennen

Auch von den Drahtziehern des Fake-Shops habe er Druck bekommen. Einmal habe er ein Haus in der Türkei versprochen bekommen, dann eine Kugel in den Kopf, sowie Angriffe auf sein soziales Umfeld. Schließlich habe man ihm für seine Flucht 100.000 Euro gegeben und ihn in ein Flugzeug nach Fernost gesetzt, „auf der Fahrt zum Flughafen dachte ich, gleich bin ich tot“. Acht Monate sei er durch Länder wie Malaysia und Laos gereist.

Der Angeklagte T. (33), vertreten von den Anwälten Ferhat Tikbas und Oliver Wallasch, darf nach der Absprache zwischen Gericht und Verteidigung als einziger wegen Beihilfe zum bandenmäßigen Betrug auf Bewährung hoffen. Er gibt zu, zum Zweck der Geldwäsche 50 Kisten bestellte Handys abgeholt zu haben, die auf dem Schwarzmarkt verkauft werden sollten. Er erklärt, nur Handlanger gewesen zu sein. Der Prozess wird fortgesetzt.

Von Stefan Mangold

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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