Psychoonkologie: Hilfe für die Seele

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Angela Ebert (links) und Petra Schulze-Pieper bieten Krebspatienten professionelle Hilfe an.

Langen - Die Diagnose ist niederschmetternd. „Sie haben Krebs!“ Wenn aus einem Verdacht Gewissheit wird, bricht erst einmal eine Welt zusammen.

Aber: „Wie sehr dabei die Seele leidet, tritt meist in den Hintergrund“, sagt die Diplom-Psychologin Angela Ebert, die an der Langener Asklepios Klinik gemeinsam mit Petra Schulze-Pieper professionelle Unterstützung in dieser schwierigen Lebenssituation anbietet. Am morgigen Mittwoch, 25. Juli, stellen die beiden ihr Arbeitsfeld in einem Vortrag vor: „Psychoonkologie – Unterstützung im Umgang mit einer Krebserkrankung“ ist der Titel. Beginn ist um 18 Uhr im Konferenzraum I des Krankenhauses an der Röntgenstraße.

Eine Krebsdiagnose stellt in der Regel für Betroffene und deren Angehörige eine besondere Herausforderung dar, denn mit den körperlichen Folgen gehen meist seelische und soziale Belastungen einher. Die psychoonkologische Versorgung ist daher heute fester Bestandteil einer umfassenden Krebsbehandlung und in vielen Bereichen der Gesundheitsversorgung inzwischen strukturell festgeschrieben.

Krebsdiagnose reißt einen aus dem normalen Leben heraus

Seit vier Jahren können Patienten mit Krebserkrankungen und deren Angehörige in der Langener Asklepios Klinik ein speziell für ihre Belange konzipiertes psychologisches Angebot in Anspruch nehmen. In enger Zusammenarbeit mit anderen Fachgruppen wie Ärzten, Pflegekräften und Sozialdiensten der Klinik bieten Schulze-Pieper und Ebert Hilfe bei der Bewältigung der Krankheit, der Behandlungen und ihrer Folgen. Durch die Anbindung an das benachbarte Fachärztezentrum können Patienten psychoonkologische Beratungen während einer langen und oft belastenden Chemotherapie bekommen.

„Psychische Belastungen im Zusammenhang mit einer Krebserkrankung haben erst einmal nichts mit Verrückt-Sein zu tun. Sie sind vielmehr eine normale gesunde Reaktion auf dieses kritische Lebensereignis und dies sowohl für die Betroffenen als auch für Angehörige und andere nahestehende Menschen“, sagt Ebert. Auf den zweiten Blick hat eine Krebsdiagnose tatsächlich etwas mit Verrückt-Sein zu tun – aber in einem ganz anderen Sinn. Sie reißt einen aus dem normalen Leben heraus, verrückt den Alltag, stellt Zukunftspläne in Frage.

Psychoonkologen leisten Unterstützung im Umgang mit Ängsten, bei Entscheidungsprozessen bezüglich der Therapien, bei Fragen zur Alltagsbewältigung und beim Umgang mit der Erkrankung in Partnerschaft, Familie und Beruf. Die Hilfe beginnt mit dem Angebot an Patienten und deren Angehörige, noch während des stationären Aufenthalts ins Gespräch zu kommen. Viele Krebspatienten nehmen dieses Angebot in dieser Zeit an. Oft tauchen Fragen oder Belastungen aber erst nach dem Krankenhausaufenthalt auf. Ebert und Schulze-Pieper stehen dann auch für ambulante Gespräche in der Nachsorge zur Verfügung.

In den Jahren 2008 bis 2012 wurden so insgesamt fast 1 000 Patienten betreut, oft auch über einen längeren Zeitraum hinweg. Mehr als die Hälfte davon waren Patientinnen der Frauenklinik und des Brustzentrums. Auch die Zahl der Patienten auf den Stationen der Allgemeinen Chirurgie und der Inneren Medizin, die das psychoonkologische Angebot nutzen, steige stetig an, berichtet Angela Ebert.

fm

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