Auf Stippvisite bei Verwandten

Queen Elizabeth II.: Vor 50 Jahren in Langen

Die Queen vor 50 Jahren in Langen auf der Treppe von Schloss Wolfsgarten: (von links) Prinz Ludwig von Hessen, Königin Elizabeth II., Prinzessin Margarethe und Prinz Philip, dahinter Prinzessin Beatrix von Hohenlohe-Langenburg und Prinzessin Christina von Hessen.
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Die Queen vor 50 Jahren in Langen auf der Treppe von Schloss Wolfsgarten: (von links) Prinz Ludwig von Hessen, Königin Elizabeth II., Prinzessin Margarethe und Prinz Philip, dahinter Prinzessin Beatrix von Hohenlohe-Langenburg und Prinzessin Christina von Hessen.

Langen/Frankfurt - Die Vorfreude auf den Frankfurt-Besuch der Queen und das Interesse am englischen Königshaus sind groß. Das hat sich auch beim gut besuchten Vortrag mit Buchautor Thomas Kielinger gezeigt. Von Konstanze Löw und Markus Schaible

Kielinger berichtet seit 1998 als Auslandskorrespondent aus London und ist ein wahrer „Queen-Experte“. Auch wenn Elizabeth II. für viele nur das Oberhaupt einer Familie sei, die bunten Magazinen Schlagzeilen beschere, werde ihr in Großbritannien eine wichtige Aufgabe zuteil: „Dort ist sie der Souverän, sie verkörpert den Staat“, weiß Kielinger. Nun kommt die Königin, die nie Interviews gibt und immerzu politische Neutralität wahrt, zum ersten Mal nach Frankfurt. Kielingers Einschätzung ist ernüchternd: „Ihr Besuch ist natürlich rein politischer Natur, es geht um Staatsinteressen. Ungewöhnlich ist nur, dass bei einem Staatsbesuch dieselbe Person wie vor 50 Jahren antritt“, scherzt Kielinger. Wenn die Queen nach Deutschland kommt, ist der Besuch aber auch immer eine Stippvisite bei Verwandten. Denn die Adelige hat deutsche Wurzeln. Bis zum Ersten Weltkrieg trug die Royal Family sogar den deutschen Namen „Sachsen-Coburg und Gotha“. „Das ist Prinz Albert zu verdanken. 1840 hat er die aus dem deutschen Adelsgeschlecht stammende Queen Victoria, die Urgroßmutter der Queen, geheiratet“, weiß der Experte.

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Elizabeths Ehemann, Prinz Philip, hat sogar eine tiefe Verbindung zu Hessen. Seine Urgroßeltern – Alexander von Hessen-Darmstadt und Gräfin Julia Hauke – sind über dem Rheintal am Schloss Heiligenberg begraben. Außerdem heiratete Alice, die Tochter von Queen Victoria, 1862 in Darmstadt den Großherzog Ludwig IV. Aber auch heute noch gibt es eine hessische Familienbande: Donatus Landgraf von Hessen und seine Frau Floria, die vom selben Adelsgeschlecht wie Prinz Philip stammen, werden in Frankfurt beim Mittagessen im Römer dabei sein. Der Hausstiftung von Donatus gehören das Grandhotel Hessischer Hof in Frankfurt und das Schlosshotel Kronberg.

Prinz Philip besuchte den vor zwei Jahren verstorbenen Vater von Donatus, Moritz Landgraf von Hessen, häufiger in seinem Schloss Wolfsgarten in Langen. Der Queen-Besuch in Frankfurt dürfte daher vor allem bei älteren Langenern Erinnerungen wecken – am 20. Mai 1965 weilte Ihre Majestät im Schloss Wolfsgarten.

Besuch von Queen Elizabeth II.: Der erste Tag in Berlin - Bilder

Besuch von Queen Elizabeth II.: Der erste Tag in Berlin
Besuch von Queen Elizabeth II.: Der erste Tag in Berlin
Besuch von Queen Elizabeth II.: Der erste Tag in Berlin
Besuch von Queen Elizabeth II.: Der erste Tag in Berlin
Besuch von Queen Elizabeth II.: Der erste Tag in Berlin - Bilder

Die englische Königin in Deutschland, die englische Königin in Hessen, die englische Königin in Langen – schon Tage zuvor war damals die Langener Zeitung voll mit Berichten über das, was da kommen sollte. Ging es doch um nicht weniger als einen „neuen Abschnitt in der deutsch-englischen Geschichte“, der mit dem Staatsbesuch 1965 eingeläutet werden sollte. Die Reise führte sie damals durch acht Bundesländer und durch zwei Dutzend Städte und Gemeinden. Diese unterbrachen Elizabeth II. und Philip für genau vier Stunden. So lange weilten die beiden privat auf Langener Boden – zum Verwandtenbesuch bei Prinz Ludwig von Hessen und bei Rhein und seiner Frau, Prinzessin Margaret. Schon damals war der Besuch minutiös durchgeplant – und die Bevölkerung gierte nach Informationen. Die flossen anfänglich allerdings eher spärlich.

Zum Thema Verpflegung sollten dann aber nach und nach doch detaillierte Informationen an die Öffentlichkeit dringen: „Während des Menüs werden gebratene Täubchen und Möweneier sowie andere Kostbarkeiten der Küche gereicht“, hieß es eine Woche vor dem Besuch. Und dass zum Nachtisch „Englischer Kuchen“ (ein heute in Vergessenheit geratener Rührkuchen mit Sultaninen, kandierten Kirschen, Korinthen, Orangeat und Zitronat) serviert wird.

Auch über den weiteren Verlauf des Besuchs im Schloss informierte die Langener Zeitung: „Nach dem Abendmahl werden sich die hohen Gäste zu einer Familienrunde in den ,Herrenbau‘ begeben. Der Besuch wird nicht vom Protokoll beeinträchtigt, hat er doch einen ganz privaten Charakter.“ Viele hundert Schaulustige umjubelten die Monarchin am Schloss Wolfsgarten. Auch Prinz Philip, der schon oft dort weilte, winkte den am Straßenrand Stehenden zu. Dann stiegen sie in den Salonwagen der Königin. „Spät“, so der Schlusssatz des Artikels, „ging Langen an diesem Tag schlafen.“

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