Mit Rücksicht Richtung Fahrradland

Radschnellweg in Langen: Erster Streckenabschnitt eröffnet

Gaben den neuen Streckenabschnitt offiziell frei (von links): Landrat Oliver Quilling, Egelsbachs Bürgermeister Tobias Wilbrand, Bürgermeister Jan Werner, Ministerialdirigent Gerhard Rühmkorf, Regionalpark-Geschäftsführer Manfred Ockel, Jens Deutschendorf (Verkehrsministerium), Professor Jürgen Follmann und Erster Stadtrat Stefan Löbig.
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Gaben den neuen Streckenabschnitt offiziell frei (von links): Landrat Oliver Quilling, Egelsbachs Bürgermeister Tobias Wilbrand, Bürgermeister Jan Werner, Ministerialdirigent Gerhard Rühmkorf, Regionalpark-Geschäftsführer Manfred Ockel, Jens Deutschendorf (Verkehrsministerium), Professor Jürgen Follmann und Erster Stadtrat Stefan Löbig.

Der erste Streckenabschnitt des Radschnellwegs in Langen ist fertig. Gefeiert wurde das mit einem großen Fest – es gibt aber weiter Kritik.

Langen – Ein halbes Jahr lang mussten Radfahrer und Spaziergänger zwischen Langen und Egelsbach Umleitungen und lange Umwege hinnehmen. Nun ist die Baustelle an der Radschnellverbindung Frankfurt-Darmstadt passé und der brandneue Streckenabschnitt zwischen der Langener Walter-Rietig-Straße und dem Egelsbacher Bahnhof fertiggestellt. Zur Einweihung der 2,5 Kilometer langen Strecke wurde am Samstag das große Fest „Radschnellweg live“ gefeiert – mit vielen Ständen rund um die Themen Fahrrad, E-Bike und Mobilität.

Neben Staatssekretär Jens Deutschendorf vom Verkehrsministerium ist auch Ministerialdirigent Gerhard Rühmkorf vom Bundesverkehrsministerium angereist und meint: „Der Radschnellweg ist ein Gemeinschaftsprojekt, da gemeinsam geplant und finanziert wird und das ist ein Grund zum Feiern.“ Zudem lässt auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer die Nachricht überbringen, „dass gerade für Berufspendler die Spezial-Radwege eine große Verbesserung sind“. Das sei eine gute Nachricht für die Berufspendler und Radfahrer in der Region und ein weiterer Schritt in Richtung „Fahrradland Deutschland“.

Radschnellweg in Langen: Mobilität zwischen Darmstadt und Frankfurt soll verbessert werden

„Wir hoffen vor allem, dass die Freude bei den vielen Fahrradfahrern in der Region nun noch großer wird, wenn sie zwischen den beiden Städten, aber auch zwischen Darmstadt und Frankfurt unterwegs sind“, sagt Manfred Ockel, Geschäftsführer der Regionalpark RheinMain GmbH. „Sechs Monate Bauzeit sind zwar nicht besonders schnell, doch die Strecke führt durch Kulturlandschaften und Naturschutzgebiete, wo eine genaue Planung wichtig ist.“

Insgesamt sind auf dem neuen Teilstück neben rund 11 000 Quadratmetern Asphalt 40 Fotovoltaik-Leuchten mit Radartechnik, eine Servicestation und 14 Stellplätze errichtet worden. Folgen soll im kommenden Jahr noch die Erneuerung der 70 Meter lange Holzbrücke zwischen der Gemarkung Langen und Egelsbach. „Alles in allem können wir bei der Finanzierung der 2,1 Millionen Euro für diesen Abschnitt auf eine Bezuschussung von rund 1,3 Millionen von Bund und Land bauen. Die Restfinanzierung übernehmen die Kommunen“, erklärt Ockel.

Langen: Engstelle an Goethestraße macht Anwohnern weiter Sorgen

Ebenfalls erleichtert ist Bürgermeister Jan Werner über die Eröffnung der Strecke, mahnt aber auch an, „dass alle Verkehrsteilnehmer berücksichtigt werden müssen.“ Dabei spricht er vor allem die Anwohner an, denen die Engstelle an der Goethestraße weiter große Sorge bereitet. Diese äußern bei der Eröffnung erneut ihren Unmut über den Umgang mit den Fußgängern. „Auf dem schmalen Weg an der Goethestraße sind maximal ein Drittel Radfahrer unterwegs – der Rest sind Fußgänger. Dass diese in Zukunft hunderte Meter Umweg gehen sollen, ist nicht nachvollziehbar“, sagt die Anwohnerin Simone Sanetra.

Aktuell weist die Stadt mit Schildern an der Engstelle darauf hin, dass die Benutzung für Radfahrer und Fußgänger zugelassen ist – mit entsprechender Rücksichtnahme. Später soll ein Fußweg um den Häuserblock herum Abhilfe schaffen.

Strittiger Abschnitt: Die Engstelle an der Goethestraße

Radschnellweg in Langen: Entwicklung muss weiter beobachtet werden

Als fachlicher Experte steht während der gesamten Planung Professor Jürgen Follmann von der Hochschule Darmstadt bereit, der bereits im Jahr 2013 die erste Grundidee zur Radschnellverbindung mit begleitet hat. Zu den Bedenken an der Engstelle meint er: „Wir können die Verkehrsanlagen in Zukunft nur nutzen, wenn wir als Gesellschaft auf alle Rücksicht nehmen und nicht jeder nur an sich denkt.“ Zur Drosselung der Geschwindigkeit der Autos an der Engstelle sei die rote Fahrbahnmarkierung bereits ein guter Weg, doch die Planer wollen die Entwicklungen im Zusammenspiel zwischen Fußgängern, Fahrradfahrern und Autos weiter beobachten, um eventuell notwendige Änderungen des Verkehrskonzeptes zu erkennen. Einen Unfallschwerpunkt sieht der Verkehrsexperte jedoch nicht.

„In den nächsten Monaten und Jahren haben wir noch viel vor“, meint Regionalpark-Geschäftsführer Ockel abschließend. Der Ausbau des Radschnellwegs bis zum Bahnhof Langen – 2022 soll es damit losgehen – und dann der Anschluss nach Dreieich sind die nächsten Projekte, um die derzeit ausgebaute Streckenlänge von 6,6 Kilometern am Ende auf 31 Kilometer zu verlängern. (Moritz Kegler)

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