Raus aus dem „Schlafwagen“

FDP diskutiert über RTW-Anbindung Langens

eine Präsentationsfolie zur RTW-Anbindung von Langen
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Langen ist der ideale Linienendpunkt für den RTW-Anschluss. Diese These vertrat Werner Weigand schon 2018 bei seiner Präsentation.

Die Regionaltangente West (RTW) ist ein Großprojekt, das mehr Menschen in Rhein-Main auf die Schiene bringen soll. Bei der Planung blieb Langen zunächst außen vor, dann kam die Anbindung der Sterzbachstadt doch wieder auf die politische Agenda. Das Thema beschäftigte auch die FDP Langen bei ihrem „Treffpunkt Liberal“.

Langen – Aktuell läuft die Vorplanung und Variantenuntersuchung für die Süd-Erweiterung, die bis Langen weitergeführt werden könnte.In einer gut zweistündigen Videokonferenz haben die FDP-Mitglieder mit Gästen (über Parteigrenzen hinweg) das komplexe und langwierige Infrastrukturprojekt beleuchtet. Zugeschaltet haben sich auch Bürgermeister Jan Werner sowie Werner Weigand, der als Fachmann für Schienenverkehr und städtischer Berater 2018 eine Präsentation zum RTW-Anschluss Langens im Bauausschuss vorstellte. Das Fazit damals: Langen ist der ideale Endpunkt für die Schienenverbindung, die Anbindung höchst sinnvoll.

Daran hat sich auch drei Jahre später nichts geändert. „Wir unterstützen den RTW-Anschluss Langens und stehen da voll dahinter“, sagt Ortsvorsitzender Rolf Diefenthäler. Gerade die Anbindung an den Flughafen sei für die Stadt ein großes Thema. Und keinem in der digitalen Runde geht’s grundlegend anders – auch wenn es einige Diskussionspunkte gibt.

Win-win-Situation für gesamte RTW-Planungsgesellschaft

„Es überraschte mich, dass die Stadt die RTW damals nicht als relevant genug für den Wirtschaftsstandort Langen gesehen hat“, sagt CDU-Stadtverordneter Andreas Keppeler, den die Liberalen als Kenner der Thematik eingeladen haben. Die Aussage der Stadtspitze vor vier Jahren sei gewesen: Es ist eigentlich schon zu spät. Das habe seine Partei nicht akzeptieren wollen. „Wir dachten, es kann nicht sein, dass diese Tür schon geschlossen ist. Wenn die RTW in Buchschlag endet, ist das ein echtes Problem für Langen“, sagt Keppeler. Der Christdemokrat hebt hervor, dass die Anbindung Langens nicht nur für die Stadt machbar und höchst sinnvoll sei, sondern auch für das Gesamtprojekt rentabel, da die zuständige Planungsgesellschaft (zu der auch die anderen teilnehmenden Kommunen gehören) dann mehr Fördergeld einstreichen kann. „Langen bedeutet für die ganze RTW praktisch ein Sicherheitsprogramm“, betont Keppeler. Wenn die RTW auf den S-Bahn-Schienen mitlaufe, sei die Weiterführung zudem kein baulicher Aufwand.

Auch Bürgermeister Jan Werner hebt hervor, dass man die Chance fast verpasst hätte: „Wir sitzen mit der Stadt im Schlafwagen.“ Langen sei vor 15 Jahren gefragt worden, ob es Teil der Planungsgesellschaft werden wolle – „aber das war politisch nicht gewollt“, so Werner. Den aktuellen Stand resümiert der Bürgermeister so: Im Juni 2020 habe Kreisbeigeordnete Claudia Jäger gesagt, es sehe gut für die RTW-Teilnahme Langens aus. Das wäre der Abschnitt Süd 3. Für die Erweiterung läuft aktuell und wohl noch bis Ende 2021/Anfang 2022 die Vorplanung und Variantenuntersuchung. Dafür hat die Stadt 250 000 Euro (über den Kreis an die RTW-Gesellschaft) gezahlt. „Die Planer untersuchen gerade, ob es technisch möglich ist, nach Langen zu fahren“, erklärt Werner.

Varianten der RTW-Strecke sollten kompatibel sein

Die Stadtspitze erhofft sich, dass die Ergebnisse der Nutzen-Kosten-Untersuchung zeigen, dass sich der Anschluss Langens positiv auf das Gesamtprojekt auswirkt. Dann würde die Stadt Gesellschafterin. Ziel sei, dass der Südabschnitt zusammenhängend gebaut wird. Dafür habe Werner den RTW-Geschäftsführer Horst Amann erst am Freitag gebeten, dass die Ausschreibung für Süd 1 kompatibel mit der Variante Süd 3 ist. „Das ist unsere letzte Chance“, betont der Bürgermeister – auch mit Hinblick auf den starken Zuzug.

Werner Weigand kritisiert ebenfalls die abwartende Haltung der vorherigen Stadtführung, die das Thema „einfach liegengelassen“ habe. In seinen Ausführungen aus 2018 hat er bereits dargelegt, dass es verschenktes Potenzial wäre, die RTW in Dreieich enden zu lassen und nicht am Knotenpunkt Langener Bahnhof (in der überdies zweiteinwohnerstärksten Kommune im RTW-Gebiet). „Genau jetzt muss in der Planung geschaut werden, welche Variante die beste ist“, betont der Schienen-Fachmann.

Und wann könnten dann die ersten RTW-Züge nach Langen rollen? Darin sind sich die Diskussionsführer im „Treffpunkt Liberal“ uneinig. Vorbehaltlich alles verläuft planmäßig, hält es Keppeler für realistisch, dass der RTW-Abschnitt bereits 2025 fertig ist – und die Süd-1-Strecke somit in der Ausführung einholen kann. Daran glaubt Bürgermeister Werner nicht: Wenn das Planfeststellungsverfahren im kommenden Jahr beendet wird, geht er von 2026 bis 2028 aus. Auch Weigand hält eine Fertigstellung vor 2026 für unrealistisch. Aber Einigkeit herrscht bei der Notwendigkeit, sich gemeinsam, über Parteigrenzen, für das Projekt einzusetzen. „Wir müssen alle an einem Strang ziehen“, lautet Diefenthälers Schlussappell.

Von Julia Radgen

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