SPD und NEV wollen keine Machbarkeitsstudie

„Rausgeworfenes Geld“: Diskussion um Straßenbahn in Langen

Ein Radfahrer fährt an einer Straßenbahnhaltestelle vorbei. Im Hintergrund ist ein Fahrkartenautomat des RMV.
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Bekommt Langen eine Straßenbahn? Die Mehrheit in der Stadtverordnetenversammlung ist dafür, das weiter zu untersuchen. (Symbolbild)

In der Langener Stadtverordnetenversammlung sprechen sich zwei Fraktionen gegen eine Machbarkeitsstudie zur Straßenbahnverlängerung aus. Die Mehrheit ist jedoch fürs Weiterplanen.

Langen – Weiterplanen und 150 000 Euro ausgeben oder ganz aus dem Projekt „Straßenbahnverlängerung“ aussteigen, weil es wohl zu teuer wird – diese beiden Positionen stehen sich in der Stadtverordnetenversammlung gegenüber. Nach der eingehenden Diskussion im Bau- sowie im Haupt- und Finanzausschuss zeichnete sich in der Sitzung des Stadtparlaments eine hitzige Debatte ab.

Die Grünen wollen auf jeden Fall weiterplanen. Thilo Kaufmann skizziert fünf große Vorteile der Straßenbahn gegenüber den bisherigen Verkehrsmitteln in Langen. Ganz oben auf der Liste: der Klimaschutz. „Alle reden – gerade im Wahlkampf – von der Verkehrswende, aber oft kommt zu kurz, was das konkret heißt“, meint Kaufmann. Langen sollte sich zum Ziel setzen, dass weniger Autos fahren. „Durch die Straßenbahn schaffen wir die Möglichkeit, dass Familien auf ihr zweites Auto verzichten“, glaubt Kaufmann. Aber auch die höhere Akzeptanz der Straßenbahn und dass sie im Vergleich zu Bussen mehr Kapazität und Komfort bietet, seien Pluspunkte. „Die Straßenbahn fährt ruhiger und bietet mehr Platz, beispielsweise für Senioren mit Rollator“, so Kaufmann, das müsse man in einer alternden Gesellschaft berücksichtigen.

Straßenbahn in Langen: Verkehrswende muss vor Ort umgesetzt werden

Es bestehe nun auch die Möglichkeit, dass die Straßenbahn für Langen nicht sinnvoll ist – oder aber sinnvoll, jedoch viel zu teuer. „Aber wir sind nicht in der Lage, das ohne Expertise zu entscheiden.“ Deshalb sprechen sich die Grünen für eine tiefergehende Machbarkeitsstudie aus. „Die Verkehrswende wird von Bund und Land gefordert, aber wir hier vor Ort müssen sie umsetzen“, appelliert Kaufmann.

Die FWG-NEV ist hingegen der Meinung, dass sich die Stadt die Straßenbahn nicht leisten könne. Bei den aktuell geschätzten Preisen pro Schienenkilometer blieben nach Abzug der Förderung 16 Millionen für alle vier Kommunen übrig, Langen hätte also Ausbaukosten in Höhe von vier Millionen Euro zu tragen, rechnet Claudia Trippel am Pult vor. Hinzu komme der Ausbau innerhalb Langens beziehungsweise der Umbau am Bahnhof, ein „Privatproblem“ der Stadt. „In Anbetracht der Haushaltslage und mit Blick auf Kitas, Sporthalle und die Hessenkasse, die wir stemmen müssen, kann ich da – so gut, wie ich die Idee auch finde – nicht zustimmen“, betont Trippel. Ihre Fraktion findet daher: „Die 150 000 Euro für die Machbarkeitsstudie können wir uns sparen.“ Die NEV votiert gegen den Antrag.

SPD zur Straßenbahn in Langen: „Weiterplanung ist rausgeworfenes Geld“

Zum selben Schluss kommt die SPD. „Wir waren durchaus der Meinung, dass die Straßenbahn eine interessante Alternative für Langen ist“, sagt Joachim Knapp. Aber da die Trassenplanung gemäß der Präsentation der Experten (siehe Kasten) in den Bereich der Utopie falle, habe sich die SPD nach interner Beratung von der Idee verabschiedet. „Die mögliche Trassenführung zum Bahnhof macht die Straßenbahn für uns unattraktiv“, so Knapp. Es steige doch niemand in Langen zwischen Bahnhof und Asklepios Klinik in die Tram, um zu einem anderen Bahnhof zu fahren, den er mit der S-Bahn viel schneller erreicht. Knapp: „Auf gut Schwäbisch gesagt: Die Weiterplanung ist für uns rausgeworfenes Geld.“

Christian Gött (CDU) erinnert, dass ein Antrag seiner Fraktion Basis für das Projekt war. Die Christdemokraten wollten eine Straßenbahn zur Asklepios Klinik. „Daraus ist jetzt das geworden“, sagt Gött mit Blick auf die ersten Ergebnisse der Planer. Der nächste Schritt sei nun, die Straßenbahnverlängerung eingehender zu prüfen. „Das sind wir den Einwohnern der Stadt Langen schuldig“, meint Gött. „Ich möchte niemandem in ein paar Jahren erklären, dass wir kein Geld in die Hand nehmen wollten, um zu prüfen, ob die Straßenbahn in Langen möglich ist“, sagt der Christdemokrat.

Bei der RTW, das habe er extra in alten Zeitungsartikeln nachgelesen, seien im Übrigen dieselben Gegenargumente vorgebracht worden wie jetzt bei der Straßenbahn. „Das soll uns diesmal nicht passieren“, sagt Gött. Das Argument der SPD, die angedachte Trassenführung über den Bahnhof nutze den Langenern nichts, lässt Gött nicht gelten. „Wir müssen Modelle für die Nahmobilität schaffen. Und wenn wir andere Ansätze wollen als den Individualverkehr, müssen wir die Straßenbahn prüfen und uns dem nicht verweigern“, so der Fraktionsvorsitzende.

Projekt Straßenbahn in Langen: Kosten stehen in keinem Verhältnis zu Nutzen

Das sieht die FWG-NEV nicht so. Die Straßenbahn sei ein klassischer Parallelverkehr zum bisherigen Bussystem in der Stadt. „Als damals die S-Bahn in Betrieb ging, musste der Parallelverkehr mit Bussen nach Frankfurt beendet werden“, erinnert Heinz-Georg Sehring. Die Regionaltangente West (RTW) sei hingegen ein Querverkehr, den die NEV deshalb favorisiert. Zudem seien die Busse in den Abendstunden gar nicht ausgelastet. „Und wir würden mit dieser Trasse nur ein Viertel des Stadtgebiets bedienen“, betont Sehring. Die Kosten für das Projekt stünden nach Ansicht seiner Fraktion in keinem Verhältnis zum Nutzen.

Am Ende votieren daher die Vertreter von NEV und SPD gegen die Vergabe weiterer Untersuchungen zur Straßenbahnverlängerung. Alle anderen Stadtverordneten stimmen aber dafür, sodass der Antrag mehrheitlich angenommen ist – und die Stadt weiterplanen kann. (Julia Radgen)

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