Repair-Café im ZenJA

Neues Leben statt Müllhalde

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Eva Glunde ist mit ihrem defekten CD-Player ins Repair-Café gekommen, doch Ronny Habel kann in diesem Fall nicht helfen.  

Langen - Das Repair-Café im Zentrum für Jung und Alt ist für viele Langener mittlerweile die erste Anlaufstelle, wenn lieb gewonnene Gegenstände den Geist aufgeben. Doch der Ansturm an Hilfesuchenden ist für die ehrenamtlichen Bastler oftmals schwer zu bewältigen. Von Vanessa Kokoschka 

Nach einer kurzen Pause habe die Nähmaschine urplötzlich keinen Mucks mehr von sich gegeben, berichtet Sabine Zobeley. Komisch gerochen habe sie nicht, somit dürfte nichts durchgeschmort sein, vermutet die Langenerin. Nils Schrenk wirft einen prüfenden Blick auf das alte Stück und beginnt, es auseinanderzuschrauben. Zobeley wirft dem Mitarbeiter des Repair-Cafés dabei einen sorgenvollen Blick über die Schulter. Denn die Reparatur ihrer 50 Jahre alten Nähmaschine würde anderswo ein tiefes Loch in ihren Geldbeutel reißen.

Das Repair-Café im Zentrum für Jung und Alt (ZenJA) ist in solchen Fällen für viele die erste Anlaufstation. Ehrenamtliche Mitarbeiter wie Schrenk tüfteln dort an den gebrachten Gegenständen herum – und das völlig kostenlos. Ob Kaffeemaschinen, Lampen oder Radios: Insgesamt 680 Gegenstände brachten Hilfesuchende seit der Premiere 2013 ins Repair-Café.

Mehr Glück hat Sabine Zobeley: Nils Schrenk bringt ihre 50 Jahre alte Nähmaschine wieder zum Laufen.

„Wir haben eine Erfolgsquote von etwa 40 Prozent“, sagt Ronny Habel. Das sei zwar nicht viel, bedeute aber immerhin 40 Prozent weniger Müll. Der 50-Jährige ist der Ideengeber des Repair-Cafés – dem damals ersten seiner Art in der Region. Gemeinsam mit sechs weiteren Mitarbeitern öffnet er jeden dritten Donnerstagabend im Monat die Türen zur Tüftelstube. Doch der Andrang der Hilfesuchenden ist oftmals zu groß für das kleine Team. „Darum suchen wir händeringend nach Freiwilligen. Dazu braucht man keine Fachkenntnisse oder perfektes handwerkliches Geschick“, betont Habel. Auch diejenigen, die handwerklich was dazu lernen wollen, sind willkommen.

Angesichts der Schlange, die sich bereits vor der Öffnungszeit bildet, erscheint das notwendig. Die Arbeitstische sind durchgehend besetzt, genauso wie die Wartesofas. „Ab und an haben wir hier Holz- oder Näharbeiten“, weiß Hobel, „aber am häufigsten haben wir es mit elektrischen Geräten zu tun.“

Wie bei Anne Kühl, die mit ihrer Leselampe bereits einen zweiten Anlauf im Repair-Café nimmt. Mit einem neuen Kabel und einer Glühbirne zum Testen hofft sie, dass eine Reparatur möglich ist. „Ohne meine Leselampe kann ich einfach nicht sein. Und es wäre schade, wenn auf meiner Bettseite eine LED-Lampe brennt“, sagt Kühl. Wolfgang Kaufmann nimmt sich der Lampe an und ersetzt das morsche Kabel. „Der Zustand war schon lebensgefährlich“, meint er und hält den ausgefransten Kabelsalat in die Höhe. Mit gekonnten Handgriffen lötet Kaufmann die neuen Kabelenden an und bringt die Lampe wieder zum Leuchten.

Das Fahrrad selbst reparieren - und die Profis helfen mit

Doch nicht jeder Gast kann an diesem Abend freudestrahlend mit seinem aufgepäppelten Lieblingsstück wieder nach Hause. Eva Glunde, deren CD-Spieler die Discs nicht mehr liest, muss sich wohl einen neuen kaufen. Selbst Reinigungs-CD und Wattetupfer können es nicht richten. „Der Laser scheint komplett dejustiert. Das ist aussichtslos“, diagnostiziert Habel.

Bei Schrenk und der Nähmaschine läuft es dagegen besser. Keine halbe Stunde später hat er die Maschine wieder in Gang gesetzt. Sie sticht fleißig vor sich hin. „Nur macht sie jetzt ein merkwürdiges Geräusch, das hat sie vorher nicht gemacht“, bemerkt Sabine Zobeley. „Aber damit kann ich leben.“

Spezialisten für viele Bereiche

Das Repair-Café im ZenJA, Zimmerstraße 3, öffnet das nächste Mal am Donnerstag, 15. März, von 17 bis 19.30 Uhr. Zur Verfügung stehen Spezialisten für die Bereiche: Elektronik, Elektrotechnik, Technik allgemein, Handy, Telefone, Computer Hard- und Software sowie Nähen. Die Reparaturen erfolgen ausschließlich im Rahmen der Nachbarschaftshilfe. Es entsteht kein Haftungs- oder Garantieanspruch. Wer Interesse hat, sich dem ehrenamtlichen Bastler-Team anzuschließen, wendet sich an Ronny Habel, repaircafe@zenja-langen.de Weitere Infos unter: www.zenja-langen.de www.repaircafe.org/de

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