Dritter Langener Pflanzentauschmarkt

Schätzchen aus dem Anzuchttopf

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Petra Heberer (links) und Simone Kilian an ihrem Stand von Naturgarten. Neben Jungpflanzen bekamen die Kunden eine ausführliche Beratung sowie Tipps zum Gärtnern. Rainer Gesell (kleines Foto) bot Blumenstauden sowie Tomaten- und Zucchinipflanzen an. Besonders stolz ist der 63-Jährige auf seine Exoten, etwa den kalifornischen Lorbeerbaum.

Langen - Beim dritten Pflanzentauschmarkt im Garten der evangelischen Johanneskirche deckten sich Gartenfreunde mit blühenden Gewächsen ein und ließen sich obendrein ausführlich beraten. Von Vanessa Kokoschka 

Darüber hinaus bot die Börse Informationen zu Ökologie, naturnahem Gärtnern und einheimischen Vögeln. Seine Pflanzen zu Geld zu machen, diese Idee sei ihm erst auf einem herkömmlichen Flohmarkt gekommen, erinnert sich Rainer Gesell. Damals habe er noch etwas Geld für eine Reise gebraucht, darum sei er mit einigem Trödel dorthin. „Um meine Pflanzen haben die Leute sich schließlich gerissen“, erzählt der Frankfurter. Daraus habe sich sein „Hobby mit Ertrag“ entwickelt, wie er seine Leidenschaft bezeichnet. Seither klappert er im Frühling die Pflanzenmärkte im Rhein-Main-Gebiet ab. Alle zwei Jahre zählt darum auch Langen zu seiner Tour. „Hier ist es ganz beschaulich, klein, man kennt sich mittlerweile“, sagt der 63-Jährige.

Tatsächlich ist der Pflanzentauschmarkt mit zehn Ständen überschaubar. Im Zwei-Jahres-Rhythmus lädt die evangelische Johanneskirche zum Kaufen, Verkaufen, Tauschen und Fachsimpeln ein. Abgesehen von den Ständen, an denen es grünt und blüht, lockt die Veranstaltung Gartenfreunde außerdem mit informativen Führungen zu einem naturnahen Garten und dessen Tieren. Der ganz große Andrang lässt trotzdem auf sich warten: „Wir haben den Markt zum ersten Mal an einem verlängerten Wochenende stattfinden lassen“, sagt Petra Heberer, „allerdings sind weniger Besucher hier. Wahrscheinlich sind viele über Christi Himmelfahrt weggefahren.“ Gemeinsam mit Sandra Trinkaus von der städtischen Umweltberatung hat Heberer den Pflanzentauschmarkt mitorganisiert. In den vergangenen Jahren seien allerdings mehr Vereine dabei gewesen, sagt Heberer. Bis auf einen Tisch, an dem der Naturschutzbund (NABU) Nistkästen ausstellt, ist nur noch sie mit dem Verein Naturgarten vertreten.

Zusammen mit der Botanikerin Simone Kilian kümmert Heberer sich um diesen Stand. Das Duo verkauft nicht nur allerlei Bücher zur richtigen Garten- und Blumenpflege, sondern auch verschiedene heimische Wildpflanzen wie Waldmeister, Pimpinelle, Muskatellersalbei oder Lungenkraut. Letzteres habe seinen Namen wegen der Blattform, sagt Kilian und deutet auf die Flecken, die Lungenbläschen ähneln. Kilian ist erst seit Kurzem Mitglied in Naturgarten – und vom Pflanzentauschmarkt begeistert. „Heute habe ich selbst gezüchtete Pflanzen verkauft. Das macht einen natürlich stolz, wenn man Tipps geben kann und weiß, die Pflanze ist gut aufgehoben“, sagt sie.

Tatsächlich geht es auf dem Pflanzentauschmarkt gemächlich und entspannt zu. Das liegt nicht nur am fehlenden Gedränge. Die Verkäufer nehmen sich bei ihren Kundengesprächen Zeit, beraten und geben Tipps zu den besten Standorten und Bodenverhältnissen. An einem separaten Tisch können Interessierte Pflanzen und Zubehör tauschen oder sich gegen eine Spende etwas mitnehmen. Der Erlös geht an das Projekt „Reis für Bangladesch“.

Sieben kreative Gärten in Europa

Nichts getauscht, dafür aber von den anderen Gartenfreunden gekauft haben Patricia und Jörg Möschner. Die beiden sind auch auf Pflanzenmärkten in der Umgebung anzutreffen. „Hier sind die Leute allerdings so nett und der Ort ist auch schön“, sagt Jörg Möschner. Das Paar selbst bietet verschiedene Tomatensorten, Auberginen, Artischocken, Kürbisse und Kräuter an. „Im Wohnzimmer ziehen wir sie alle auf, dann kommen sie nach und nach ins Gewächshaus und dann in den Garten“, schildert Patricia Möschner die Stationen der Pflanzenzüchtung. Das Hobby der beiden habe sich nach und nach gesteigert. „Erst haben wir nur für uns gepflanzt, später für die Onkel und Tanten, dann für die Nachbarn und so ging’s immer weiter“, sagt Jörg Möschner. Etliche ihrer Tomatensträucher wechseln diesmal den Besitzer. Und so sind beide mit dem Tag recht zufrieden.

Ähnlich sieht es bei Marktende bei Rainer Gesell aus. Seine Tomaten sind fast alle weg. „Das liegt aber auch daran, dass die jedes Jahr neu gepflanzt werden müssen“, ist Gesell überzeugt. Sein Fokus liegt derweil auf Exoten wie dem japanischen Zitronenbaum, der Korkeiche oder dem kalifornischen Lorbeerbaum. „Alles botanische Raritäten“, versichert er. „Die kriegt man nicht mal in einer guten Baumschule.“

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