Schlagfertig, aber nicht immer konkret

Tarek Al-Wazir diskutiert im Politischen Salon der Dreieichschule

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Tarek Al-Wazir stand in der Dreieichschule den Lehrern Stefan Trier und Jörg Couturier (von links) sowie den Schülern Rede und Antwort.

Langen - Zum 22. Politischen Salon begrüßte die Dreieichschule den hessischen Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir (Bündnis 90/Grüne). Gemeinsam mit Schülern, Lehrern und interessierten Bürgern diskutierte er über verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit. Von Vanessa Kokoschka 

Im Musiksaal des Gymnasiums sind alle Plätze besetzt; rund 230 Interessierte sind gekommen, um der Diskussion mit Al-Wazir zu lauschen. Damit folgt der hessische Wirtschafts- und Verkehrsminister auf eine ganze Reihe bekannter Gesichter: Claudia Roth (Bündnis 90/Grüne), Günther Oettinger (CDU) oder der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff haben den Politischen Salon bereits besucht.

Der Abend beginnt mit einem Referat des Ministers zum etwas sperrigen Thema „Ökonomie und Ökologie – Die Auflösung des Widerspruchs und das gesellschaftliche Nachhaltigkeitsgebot in der europäischen Zentrumsregion Rhein/Main“. „Lukas Podolski hat mal nach einem Spiel gesagt: ,Wir haben uns nachhaltig verbessert‘“, erinnert sich Al-Wazir und schmunzelt. „Und da liegt auch schon das Problem: Viele Menschen nutzen den Begriff ,nachhaltig‘ und meinen damit dauerhaft.“ Nachhaltigkeit setze sich für ihn aus drei Ebenen zusammen: der Ökonomie, der Ökologie und dem Sozialen wie Bildungsgleichheit. „Ein ökonomisches System, das ökologische Fragen ausblendet, kann nicht funktionieren“, betont Al-Wazir. Nachhaltigkeit betreffe jeden und sei somit nur global lösbar. „Wer glaubt, dass es mit nationalem Handeln getan wäre, der ist auf dem Holzweg“, sagt Al-Wazir in seiner Rede.

Gemeinsam mit den Organisatoren und PoWi-Lehrern Stefan Trier und Jörg Couturier steigt Al-Wazir anschließend in die Diskussion ein. „Bei der nächsten Wahl könnte es zu Ende sein für Sie – vielleicht aber auch nicht. Wollen Sie da als bester Freund des Ministerpräsidenten oder als beliebtester Politiker unter CDU-Anhängern in Erinnerung bleiben?“, fragt Trier keck. Al-Wazir zeigt sich schlagfertig und kontert mit Seitenblick auf die Lehrer: „Zum Thema zu Ende sein: Minister haben nicht das Privileg, auf Lebenszeit Beamte zu sein.“ Nichtsdestotrotz blickt er den Landtagswahlen im Oktober diesen Jahres optimistisch entgegen. ,,Freuen wir uns, dass wir nicht wissen, wie die Wahlen ausgehen. Bei Putin und Erdogan wusste man das ja schon vorher.“ Nachdem Trier und Couturier den Gast warm diskutiert haben, dürfen die Schüler ran. Neben Fleischproduktion, finanzieller Sicherheit und technologischen Innovationen wird auch das Thema Internet in Schulen angesprochen.

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„Sie haben beschlossen, bis 2019 Glasfasernetze in alle Schulen zu bringen. Ist es nicht sinnvoller, das Geld in Lehrer zu investieren? Bei uns fällt jede zehnte Stunde aus“, fragt ein Schüler. „Ich bin zwar kein Fan davon, alles mit Elektrogeräten zu erledigen. Allerdings: Wenn Klassen das fordern, muss die Option bestehen, die Geräte pädagogisch nutzen zu können“, antwortet Al-Wazir.

Weg von Digitalisierung, hin zu E-Mobilität – das beschäftigt den 17-jährigen Julian. „Warum wird E-Mobilität so gefördert? Der Großteil des Stroms kommt aus Kohlekraftwerken. Die ganze Energie, die verwendet wird, um den Strom in meine Steckdose zu bringen – das ist umweltschädlicher als ein Diesel“, meint der Elftklässler. Al-Wazir nimmt sich Zeit, versucht sich an einer Antwort – aber so recht zufrieden ist Julian damit nicht. ,,Ich versuche gleich noch mal mein Glück“, sagt der Oberstufenschüler nach der öffentlichen Diskussion beim anschließenden Snack, bei dem auch der Minister noch für Gespräche im kleinen Kreis zur Verfügung steht. „Ich hab schon gemerkt, dass er etwas drumrum geredet hat.“

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