ADFC sucht Helfer für seine Fahrradwerkstatt für Geflüchtete

Schrauben an einem Stückchen Freiheit

Kaputte und ausgediente Drahtesel wieder flott machen: Die 2015 gegründete Fahrradwerkstatt ist ein Erfolg.
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Kaputte und ausgediente Drahtesel wieder flott machen: Die 2015 gegründete Fahrradwerkstatt ist ein Erfolg.

Zusammen an Fahrrädern schrauben, sich besser kennenlernen und Geflüchteten Mobilität durch das eigene Rad ermöglichen – das ist das Konzept der Fahrradwerkstatt für Geflüchtete, die der ADFC Langen/Egelsbach seit 2015 betreibt. Die preisgekrönte Einrichtung hat sich zu einer Erfolgsgeschichte entwickelt. Nun sucht der Fahrradclub weitere Ehrenamtliche für sein Projekt.

Langen – Im Gründungsjahr sahen Verantwortliche des ADFC den Bedarf: Denn viele der als Geflüchtete gekommenen Menschen äußerten den Wunsch, für den Besuch der Sprach- und Integrationskurse, für Einkäufe oder den Weg zur Schule ein Fahrrad zur Verfügung zu haben, um damit schneller als zu Fuß und ohne Kosten für den Bus von A nach B zu kommen. Gleichzeitig eignen sich Langen und Egelsbach gut, um Wege mit dem Rad zurückzulegen. Mitglieder des in beiden Kommunen tätigen ADFC nutzten daher ihre Kontakte zum Diakonischen Werk und zur Caritas, die sich in Langen um die Belange Geflüchteter kümmern, und überlegten, wie diese Menschen mit Fahrrädern versorgt werden könnten. Schnell war klar, dass es viele Spenden gebrauchter Fahrräder bedarf – und Räumlichkeiten, in denen diese untergebracht und repariert werden können.

Schließlich wurde in einem Raum im Gemeindezentrum der katholischen Kirche eine Werkstatt eingerichtet. Die Ausstattung mit Montageständer, Werkbank und Spezialwerkzeugen wurde aus Spenden finanziert. Parallel dazu startete der ADFC Aufrufe und bat um Spenden von nicht mehr genutzten Fahrrädern. „Die Reaktionen waren enorm, in kürzester Zeit wurden zahlreiche, meist reparaturbedürftige Räder gespendet“, erinnert sich der Vorsitzende Werner Weigand.

Werkstatt erhielt 2018 den Langener „Ehrenamtspreis“

Ein Kreis engagierter „Schrauber“ und auch „Schrauberinnen“ aus den Reihen des ADFC machte sich an die Arbeit. Schnell war die Fahrradwerkstatt ein beliebtes Ziel bei all denen, die ein Fahrrad nutzen wollten. So schnell, wie die Räder über die „Ladentheke“ gingen, konnten diese oftmals doch nur mit hohem Aufwand wieder flott zu machenden Gefährte gar nicht repariert werden. Bald war bei einem Teil der Geflüchteten der Wunsch vorhanden, selbst Räder instand setzen zu können. Über die Jahre entstand so eine Gruppe von bis zu fünf Geflüchteten, die fester Bestandteil des Teams wurden. Einige schieden in der Zwischenzeit aus, weil sie eine Arbeits- oder Ausbildungsstelle erhalten hatten, es fand sich aber Ersatz. 2018 erhielt das Werkstattteam den „Ehrenamtspreis“ der Stadt, die die Fahrradwerkstatt auch finanziell unterstützt.

Die Bilanz nach dem sechsjährigen Bestehen der Fahrradwerkstatt ist eindrucksvoll: Es wurden über 970 Fahrräder gespendet – vom Zwölf-Zoll-Kinderrad bis zum Rennrad-Oldtimer. Es werden immer noch gebrauchte Räder benötigt, etwa für Frauen, die erst in Deutschland die Möglichkeit bekamen, das Radfahren zu erlernen, oder Kinder, die ein größeres Rad benötigen. Aber auch als Ersatz für Räder, die nach mehrjährigem Gebrauch durch die Geflüchteten nun endgültig ausgedient haben. „Daneben ist die Fahrradwerkstatt nun natürlich auch die Anlaufstelle für alle, die ein Problem mit ihrem Rad haben – sei es, dass es wieder einmal platt ist, das Licht nicht funktioniert oder die Schaltung streikt“, erklärt Weigand.

Mitmachen

Wer Zeit und Lust hat, kann dienstags zwischen 14 und 18 Uhr einfach vorbeischauen: Im Ginsterbusch, Ecke Berliner Allee 39, neben der Kirche Thomas von Aquin. Infos gibt es unter 06103 29697 oder infoadfc@adfc-langen.de.

Weiterhin ist die Werkstatt auf Finanzspritzen angewiesen: Mit den Spenden der Stadt und auch von Privatleuten können Ersatzteile und Werkzeuge, aber auch Fahrradschlösser und Luftpumpen für jedes abgegebene Rad beschafft werden. Denn hierfür reichen die zehn Euro nicht, die Geflüchtete beim Erhalt eines Rades bezahlen.

Nun sind aus den verschiedensten Gründen nicht mehr alle Helfenden aus der Anfangszeit an Bord. Der ADFC sucht daher Schrauberinnen und Schrauber, die einmal wöchentlich oder auch nur einmal im Monat in der Fahrradwerkstatt helfen. Hauptaufgabe ist die Beratung Geflüchteter bei der Reparatur von Fahrrädern, aber oft müssen die Helferinnen und Helfer auch selbst reparieren. Das Ziel ist, dass die Räder verkehrssicher die Werkstatt verlassen. Dabei ist das Spektrum an Mängeln der Räder breit. Neue Helfende werden natürlich von „alten Hasen“ unterstützt und auch Arbeitsteilung ist möglich. Wer also nur bestimmte Reparaturen ausführen kann, kann sich auch nützlich machen.  (jrd)

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