Rohbauarbeiten für Erweiterung in Langen haben begonnen

Geschwister-Scholl-Schule: Neubau auf Stelzen

Die große Grube ist unübersehbar: An ihrer Stelle stand früher das seit Jahren ungenutzte Hausmeisterhaus. Schulleiterin Manuela Mück und Architekt Leo Hoth (rechts) zeigten Landrat Oliver Quilling beim Ortstermin den Baufortschritt. Zum Schuljahr 2022/23 soll das neue Gebäude stehen.
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Die große Grube ist unübersehbar: An ihrer Stelle stand früher das seit Jahren ungenutzte Hausmeisterhaus. Schulleiterin Manuela Mück und Architekt Leo Hoth (rechts) zeigten Landrat Oliver Quilling beim Ortstermin den Baufortschritt. Zum Schuljahr 2022/23 soll das neue Gebäude stehen.

Noch ist auf dem Schulhof der Geschwister-Scholl-Schule (GSS) nicht viel zu erkennen – ein großer Kran versperrt die Straße vor dem Eingangstor und viel Baustellenlärm schallt aus der tiefen Grube. Aufgrund von steigenden Schülerzahlen wird die Grundschule ab dem kommenden Schuljahr vierzügig aufgestellt sein. Dafür wird jetzt gebaut.

Langen – „Die zusätzliche Klasse wird nun vorerst im ehemaligen Werkraum untergebracht. Die Kollegin hat den Raum zwar schön herrichten können, aber eine Dauerlösung ist das nicht“, beschreibt Schulleiterin Manuela Mück die Situation. Dem zuständigen Schulamt und auch Landrat Oliver Quilling ist das Problem bewusst: „Wir mussten reagieren und eine Erweiterung auf dem beengten Grundstück planen. Mitten im Wohngebiet ist das natürlich eine große Herausforderung. Durch den Abriss des Hausmeisterhauses, das wir seit Jahren nur als Aktenablage genutzt haben, und der Verlegung der Trafostation haben wir an der südlichen Grundstücksgrenze Platz für einen dreigeschossigen Neubau schaffen können“, erklärt er.

Da das Hausmeisterhaus auf dem Schulgelände, Vor der Höhe 14, bereits vor einem Jahr abgerissen worden ist, konnte nun zügig mit den Baumaßnahmen begonnen werden. Insbesondere um den Schulbetrieb so wenig wie möglich zu stören, werden die lautesten Arbeiten stets in den Ferien verrichtet. Die ersten Stahlkonstruktionen sind bereits im Boden versenkt. Architekt Leo Hoth betont die besonderen Tücken des Geländes: „Da wir uns hier in der Erdbebenzone eins befinden, muss extrem viel Beton und Stahl verbaut werden, um den statischen Bedingungen gerecht zu werden.“ Insgesamt würden so 60 Tonnen Stahl in Wände, Decken und Böden verbaut.

Architektonische Besonderheit: Der Erweiterungsbau wird im Erdgeschoss aufgeständert (hier die Ansicht zum Schulhof hin). Das überdachte Areal dient den Grundschülern als wettergeschützter Pausenhof.

Für den Erweiterungsbau der Geschwister-Scholl-Schule ist zudem eine ganz besondere Bauweise geplant: Das Gebäude wird im Erdgeschoss, in dem Toiletten sowie Technik- und Abstellräume angelegt sind, aufgeständert. So kann die Fläche darunter als überdachter Pausenhof genutzt werden. „Wir können hier zudem mit einer Hybridbauweise experimentieren. Das Erdgeschoss wird zwar aus Stahlbeton gefertigt, wohingegen die beiden Obergeschosse, die für den Unterricht genutzt werden, aus einer Holzfertigteilbauweise errichtet werden“, sagt Hoth. So würden 180 Tonnen CO2 gebunden. „Auch zum Klimaschutz ist das ein Beitrag“, meint Quilling.

Insgesamt vier Klassen- und zwei Gruppenräume sowie ein Materialraum werden sich in den beiden Obergeschossen befinden. Die Klassenräume sollen mit dezentralen Lüftungsgeräten für die Wärmerückgewinnung ausgestattet werden, die sich „unsichtbar“ in den Einbauschränken befinden. Auf dem Dach sind zudem eine Luftwärmepumpe und eine Fotovoltaikanlage geplant, die für die nachhaltige Energieversorgung zuständig sind. Abschließend soll auf der Fassade eine Installation, in Form einer weißen Rose, an die Namensgeber der Schule – die Geschwister Scholl – erinnern.

Kreis will weiteres Grundstück erwerben

„Die aktuelle Erweiterung wird jedoch nicht ausreichen, um die Schule bereit für einen ganztägigen Betrieb zu machen“, prophezeit der Landrat. „Insbesondere für den Pausenhof und die Betreuung benötigen wir mehr Platz.“ Um schon jetzt für eine Kompensation des verloren gegangenen Pausenhofteils durch den Neubau zu sorgen, steht der Kreis kurz vor dem Erwerb einer 650 Quadratmeter großen Fläche eines Nachbargrundstückes.

Rund 3,7 Millionen Euro sind für die aktuelle Erweiterung der Geschwister-Scholl-Schule kalkuliert. Die Fertigstellung ist im Sommer des kommenden Jahres vorgesehen. Schulleiterin Manuela Mück kann es schon jetzt nicht mehr abwarten: „Wir hoffen, dass dann auch die Klasse, die nun vorerst für ein Jahr im alten Werkraum Unterschlupf gefunden hat, pünktlich zum Schuljahr 2022/23 in die neuen und modernen Klassenräume umziehen kann.“

Von Moritz Kegler

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