Zum Tag der seelischen Gesundheit

Bewusst vom Stress befreien

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„Nicht-Erreichbar-Sein ist Luxus – eine falsche und gefährliche Entwicklung“, mahnt Dr. Stefan Hornung, Chefarzt der Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit.  

Langen - Jährlich ruft die Weltgesundheitsorganisation WHO den Tag der Seelischen Gesundheit aus: Am heutigen 10. Oktober ist jedermann dazu angehalten, einmal im Alltag inne zu halten, um sich der seelischen Gesundheit zuzuwenden. Von Holger Borchard 

In Deutschland hat sich das „Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“ der Information und Aufklärung verschrieben – nicht zuletzt, um Vorurteilen und der Stigmatisierung psychischer Erkrankungen entgegenzuwirken. Wie aber bleibt der Mensch psychisch gesund? Wie lassen sich Warnzeichen beziehungsweise Anzeichen solcher Erkrankungen erkennen? Dr. Stefan Hornung, Chefarzt der Asklepios Klinik für Psychische Gesundheit, hat im Gespräch mit der Redaktion Antworten parat.

Herr Dr. Hornung, haben wir das Entschleunigen verlernt? Stressen wir uns zu Tode?

Das Abschalten wird fraglos immer schwieriger – die ständige Erreichbarkeit per Handy, E-Mail und anderen Kommunikationsquellen lässt kaum noch Zeit zum Entschleunigen. Für viele endet permanenter Stress in psychischen Erkrankungen, in Drogen-, Alkohol-, oder Tablettenanhängigkeit.

Keine schöne Aussichten, die Sie da skizzieren. Was rät der Fachmann also, um frühzeitig und effektiv gegenzusteuern?

Achten Sie auf sich und Ihre Angehörigen und Freunde, nehmen Sie sich frei wenn Sie frei haben, legen Sie das Handy mal ganz zur Seite oder machen Sie es sogar mal vollständig aus. Der wahre Luxus besteht mittlerweile im Nicht-Erreichbar-Sein. Genießen Sie Ihre Freizeit und setzen Sie sich auch dort nicht selbst wieder unter Druck, um zum Beispiel sportliche Höchstleitungen zu erbringen. Ein vielfältiges soziales Leben, gute Freunde, eine intakte Familie: das sind die besten Voraussetzungen, um mit den Belastungen des Alltags zurecht zu kommen und psychisch gesund zu bleiben.

Welche Formen psychischer Erkrankungen gehören zu den häufigsten in unserer Gesellschaft?

Wir sprechen in erster Linie über Angststörungen, Depressionen und Alkoholabhängigkeit. Sie sind als häufigste psychische Erkrankungen unserer Gesellschaft zu nennen. Die positive Nachricht: Sie alle lassen sich gut behandeln – sofern sie rechtzeitig erkannt und fachgerecht therapiert werden.

Wie begegnet professionelle Hilfe demnach solchen Erkrankungen?

Mit einer pauschalen Formel lässt sich das nicht beantworten, ein Patentrezept für die Behandlung psychischer Erkrankungen gibt es nicht. Dafür sind sie zu komplex. Der erste Schritt für Hilfesuchende ist im Allgemeinen der Gang zum Hausarzt. Dieser kennt seine Patienten und kann daher individuell die richtigen Behandlungsmaßnahmen einleiten, sei es ambulant, teilstationär oder stationär.

Was kommt nach dem Hausarzt – wer begleitet die weitere Behandlung und beurteilt, ob sich Besserung einstellt?

Je nach Krankheitsbild wird der Hausarzt zum Gang zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, zum Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie oder zum Psychologischen Psychotherapeuten raten, im Falle der Alkoholabhängigkeit auch zu einer ambulanten Suchthilfeeinrichtung. Ob ein Therapieansatz sich als zielführend erweist, stellt sich meist schon nach wenigen Wochen heraus.

Und falls sich keine Besserung einstellt, ja sich das Befinden schlimmstenfalls weiter verschlechtert?

Stellt sich tatsächlich nicht nach einigen Wochen Besserungen ein, sollte der Hausarzt erneut konsultiert werden. Dann geht es darum, gemeinsam die bisherige Therapieentscheidung zu überprüfen. Wurden keine signifikanten Fortschritte erreicht, kann eine Psychiatrische Institutsambulanz, kurz PIA genannt, die richtige Anlaufstelle sein. Bei dieser handelt es sich um eine auf die Behandlung von schweren psychiatrischen Erkrankungen ausgerichtete Ambulanz. Oft besteht die Möglichkeit, bereits telefonisch abzuklären, ob die Klinik der richtige Ansprechpartner ist und wie eine Therapie aussehen kann. Ist das per Telefon nicht möglich, kann jederzeit ein ambulanter Beratungstermin vereinbart werden.

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Womit wir in Langen wären, an der Asklepios Klinik gibt es eine solche PIA auch...

Ja, genau. Die PIA in Langen ist telefonisch unter 06103 912-4070 montags bis freitags von 8 bis 16 Uhr erreichbar. Darüber hinaus steht unsere Notfallsprechstunde unter der 06103 9124000 rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr zur Verfügung. Diese Sprechstunde ist aber ausschließlich für psychiatrische Notfälle gedacht. Sie soll und kann nicht die regulären ambulanten Behandlungsstrukturen ersetzen.

Herr Dr. Hornung, vielen Dank für das Gespräch.

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