Nistplatz mit Seeblick

Sehring AG hilft den Uferschwalben

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Die Uferschwalbenkolonie in der Westgrube des Waldsees war im Juni 2017 zwischen 80 und 100 Paaren groß. Weitere Vögel brüteten an der Ostgrube.

Langen - Sie gelten als sehr gesellig, schließen sich zu Trupps und Schwärmen zusammen, lassen ein reibendes „tschrrip“ (und bei Alarm ein kurzes „brrit“) erklingen, fliegen mit bis zu 50 km/h niedrig übers Wasser und jagen Insekten: Der Langener Waldsee ist ein Paradies für Uferschwalben – dank einer speziellen Baumaßnahme der Sehring AG. Von Markus Schaible

Als Vogelparadies ist der Waldsee, mit 72.000 Quadratmetern größte Wasserfläche im Rhein-Main-Gebiet, weithin bekannt. Auch die Uferschwalben (Vogel des Jahres 1983) fühlen sich dort überaus wohl. Allerdings brauchen sie anders als andere Arten die Hilfe des Menschen, um dort nisten zu können. Und die gewährt ihnen die Firma Sehring AG.
Ende April kehren die Vögel aus ihren afrikanischen Winterquartieren nördlich des Äquators zurück und graben etwa 70 Zentimeter lange Brutröhren in Steilwände am Wasser. Diese werden allerdings meist nur ein Jahr lang benutzt. Früher, als in der Westgrube noch Kies und Sand abgebaut wurden, veränderte sich die Uferlinie ständig, somit standen immer ausreichend „frische“ Flächen für die Schwalben zur Verfügung, erklärt Diplom-Ingenieurin Nina Thomas von der Sehring AG. Doch nach dem Ende der Arbeiten in diesem Bereich war das nicht mehr der Fall, die Vögel blieben erst mal weg.

Die Vogelschützer Dieter Ohler und Ernst Böhm (von links) begutachten gemeinsam mit Firmenchef Stefan Sehring das Abstechen der Uferschwalbenwand in der Westgrube am Langener Waldsee.

In Absprache mit den Vogel-Fachleuten Dieter Ohler (Vogelschutzbeauftragter der Stadt Langen) und Ernst Böhm (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz, Arbeitskreis Offenbach) sorgt die Sehring AG deshalb seit 2014 dafür, dass die Schwalben an einer der letzten Steilwände am Waldsee immer neue Nistmöglichkeiten zur Verfügung haben. Dazu erfolgt alljährlich vor Beginn der Brutsaison ein frisches „Abstechen“ der sandigen Wand. Und das zeigt einen großen Erfolg, freut sich Thomas.

2014, nachdem die Uferschwalbenwand erstmalig im Bereich der Waldabteilung 22 der Westgrube angelegt wurde, brüteten dort etwa zehn Paare, ein Jahr später waren es bereits rund 60, 2016 dann circa 100. 2017 zählten die Ornithologen zwischen 80 und 100 Paaren, allerdings wurden auch an einer im Herbst 2016 an der Nordflanke der Ostgrube angelegten weiteren Steilböschung bereits einzelne Tiere gesichtet.

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„Es ist eine kleine Maßnahme, die unglaublich erfolgreich geworden ist“, sagt Nina Thomas. Der Aufwand sei vor allem organisatorischer und zeitlicher Natur, die Mitarbeiter seien ja vor Ort auf dem Betriebsgelände. „Aufgrund der Anwesenheit der Uferschwalben und der Brutnachweise bereits vor Beginn der Rohstoffgewinnung in der Südosterweiterung wurde 2016 der Vollständigkeit halber im Planergänzungsbeschluss zur Südosterweiterung festlegt, dass auch weiterhin am Langener Waldsee Steilwände für Uferschwalben vorzuhalten sind“, erklärt die Sehring-Mitarbeiterin.

Gespannt warten nun zahlreiche Ornithologen, Vogelliebhaber und die Firma Sehring auf die in wenigen Tagen zu erwartende Ankunft der Uferschwalben in der Westgrube am Langener Waldsee. Und vielleicht brüten dieses Jahr ja noch mehr Paare dort, ehe sie im September wieder gen Süden aufbrechen.

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