Stammzellenspende gesucht

Langener hat seltenen Form von Blutkrebs: Familie startet Aktion

Trotz schwerer Krankheit optimistisch: Heiko Dede mit Sohn Neel und Tochter Inken.
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Trotz schwerer Krankheit optimistisch: Heiko Dede mit Sohn Neel und Tochter Inken.

Heiko Dede aus Langen ist an einer seltenen Form von Blutkrebs erkrankt. Er hofft auf eine passende Stammzellenspende - bislang ohne Erfolg. Die Familie startet einen Aufruf.

Langen – Weil Heiko Dede sich im vergangenen Herbst etwas schlapp fühlt, geht er zum Arzt. Er denkt, dass es vielleicht ein Anzeichen für Burn-out sein könnte. Doch die Diagnose fällt anders aus: Idiopathische Myelofibrose. Bei dieser seltenen Form von Blutkrebs erkrankt das Knochenmark. Die einzige Chance auf Heilung besteht in einer Stammzellenspende.

Seit Januar lebt Dede mit der Diagnose. Er ist angewiesen auf Medikamente und Bluttransfusionen. Dank ihnen geht es ihm zeitweise gut. Doch so wie er weiß, dass er zwei gute Wochen im Monat haben wird, weiß er auch, dass darauf oft zwei schlechtere folgen werden: „Gerade fühle ich mich fit. Auf der Straße sieht man mir nicht an, dass ich krank bin. Aber irgendwann kommen die Muskel- und Knochenschmerzen zurück, dann bin ich so müde, dass ich keine Motivation habe und den ganzen Tag schlafen könnte.“

Jeder zehnte Blutkrebspatient findet keinen passenden Stammzellenspender

Es ist eine belastende Situation für ihn und sein Umfeld. Die Lebenserwartung ohne Stammzellenspende liegt bei gerade einmal zwei Jahren. Dede: „Ich sage es mal ganz drastisch: Nach den zwei Jahren hieße es für mich, einfach im Krankenhaus herumliegen und zu warten, bis das Licht ausgeht.“ Eine Heilung der Krankheit ist nur durch eine Stammzellenspende möglich.

In Hessen gibt es derzeit rund 550 000 aktive Stammzellenspender, die bei der Deutschen Knochenmarkspenderdatei (DKMS) registriert sind. Deutschlandweit sind es nach Angaben der gemeinnützigen Organisation in ihrer Datei rund sieben Millionen Menschen, die sich haben typisieren lassen. Ein geringer Anteil bei einer Gesamtbevölkerung von rund 83 Millionen Menschen. Und in Deutschland ist der Anteil an Registrierten noch vergleichsweise hoch. Trotzdem findet jeder zehnte Blutkrebspatient keinen passenden Stammzellenspender.

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Seltene Blutkrebserkrankung: Heiko Dede aus Langen sucht seinen „genetischen Zwilling“

Auch Heiko Dede sucht noch nach seinem „Match“. In Deutschland gibt es aktuell keinen Spender, der ideal zu ihm passt. „Die Ärzte haben drei Personen für den Notfall in der Hinterhand, bei denen sechs von zehn Gewebemerkmalen mit meinen übereinstimmen. Sie suchen aber nach dem perfekten Spender, und den haben wir noch nicht gefunden“, sagt Dede. Je weniger Merkmale zwischen Spender und Empfänger übereinstimmen, desto höher ist das Risiko, dass die fremden Zellen vom Körper abgestoßen werden und der Patient nicht überlebt. Nun werden die Datenbanken international durchsucht.

Wer als Spender geeignet ist, hängt auch mit den Genen zusammen. Grundsätzlich kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren registrieren lassen. Allerdings ist die Chance höher, seinen genetischen Zwilling zu finden, wenn der Spender aus demselben Land oder sogar der Region wie der Patient kommt. Die Herkunft spielt eine entscheidende Rolle. Für Menschen mit zum Beispiel afrikanischen oder asiatischen Wurzeln ist es schwerer, einen Spender zu finden, da die meisten registrierten Menschen Westeuropäer sind.

Langen: Stammzellenspende dringend gesucht – Familie startet Aufruf zur Typisierung bei der DKMS

Damit Heiko Dede, der mit seiner Partnerin und seinen beiden Kindern vor wenigen Monaten nach Langen gezogen ist, seinen Spender findet, hat die Familie eine Aktion bei der DKMS gestartet. Dem Aufruf, sich typisieren zu lassen, sind bereits fast 500 Menschen gefolgt – die meisten aus seinem näheren Umfeld. „Wer sich registriert, hilft nicht nur Heiko, sondern kann vielleicht jemand anderem das Leben retten“, sagt seine Lebensgefährtin Katrin Lowitz.

Eine Registrierung kann bequem von zu Hause aus erfolgen: Die DKMS schickt ein Set mit drei Wattestäbchen, mit denen man einen Abstrich in der Wange macht – fertig. Wer einmal registriert ist, wird als potenzieller Spender für alle Blutkrebspatienten überprüft. Und auch eine Entnahme der Stammzellen direkt aus dem Knochenmark ist bei vielen Spenden nicht mehr nötig.

Weitere Informationen zur Stammzellenspende

Den Typisierungsaufruf von Heiko Dede und weitere Infos gibt es auf der Seite der DKMS.

Heiko Dede aus Langen will sich für Aufklärung über Blutkrebserkrankungen einsetzen

Heiko Dede ist zuversichtlich, dass er einen Spender finden wird: „Natürlich wird das klappen!“ Denn er hat noch etwas vor, wenn er wieder gesund ist: „Es sind noch viel zu wenig Menschen registriert. Es kann jeden treffen – Eltern, Geschwister, Freunde. Auch Kinder sind oft betroffen.“ Und für Kinder ist es wichtig, möglichst junge Spender zu finden. Denn Stammzellen altern auch.

Dede möchte sich dafür einsetzen, dass mehr Kampagnen gestartet werden, die Menschen über Blutkrebs aufklären. „Ob in Kindergärten, Sportvereinen oder Schulen: Für Kinder gibt es kaum passende Spender und ab 17 Jahren darf man sich anmelden. Aber die Jugendlichen wissen gar nichts über die DKMS. Das möchte ich ändern.“ (Theresa Ricke)

Ein 25-jähriger Bahn-Azubi aus Mühlheim nahe Langen spendete seine Stammzellen und konnte dadurch im vergangenen März ein Leben retten.

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