Mann zeigt Reue: Mildes Urteil

Dreister Dieb klaut Seniorin am Grab die Handtasche

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Symbolbild

Langen/Egelsbach - Auf dem Friedhof ältere Menschen zu beklauen zählt so ziemlich zu den miesesten Nummern, die man als Kleinganove abziehen kann. Das hat ein erwischter Täter vor Gericht eingesehen – das Urteil fiel nicht zuletzt deshalb milde aus. Von Holger Borchard

Zu 30 Tagessätzen à zehn Euro verdonnert Amtsrichter Volker Horn nach kurzer Verhandlung den 25-jährigen Delinquenten. Zudem muss jener den Wert seiner Beute, in diesem Fall 125 Euro (50 Euro in bar, 50 Euro „Finderlohn“ sowie ein Handy, das er für 25 Euro „vertickte“), zurückerstatten und die Prozesskosten tragen. Die Tat, die dem jungen Mann zur Last gelegt wird, datiert vom Herbst 2017. Ende September stiehlt er auf dem Egelsbacher Friedhof einer mit Grabpflege befassten Seniorin die Handtasche. Deren Inhalt: diverse Ausweise, Führerschein, ein Portemonnaie mit 50 Euro Bargeld und Kreditkarten und ein Handy.

Das Telefon versilbert der Dieb anschließend in einem Langener Café, die Geschichte ist damit freilich noch nicht zu Ende: Zwei Wochen nach der Tat bringt er der Geschädigten unter falschem Namen die Handtasche und das Portemonnaie (ohne Bargeld und Kreditkarte) zurück – und fliegt dadurch auf. Die ältere Dame hat zuvor per Aushang im Ort, unter anderem im Schaukasten des Friedhofs, den Diebstahl publik gemacht und etwaigen Findern ihrer Habseligkeiten 50 Euro Belohnung versprochen. Die kassiert der Angeklagte auch noch – die entscheidende Dummheit, da die Polizei sich in der Folge ebenfalls für seine Version vom Fund des Diebesguts interessiert.

Dass er zehn Monate später vor Gericht mit einem blauen Auge davon kommt, verdankt der 25-Jährige mehreren Faktoren. Einerseits zeigt er sich einsichtig und reuig, gesteht mit seinen ersten Worten die Tat „in vollem Umfang“ und erspart so der Geschädigten als auch einem als Zeugen geladenen Polizisten jegliche Vernehmung. Sodann wendet der Angeklagte sich direkt an sein Opfer und erklärt unter Tränen: „Es war eine Riesendummheit, ich hätte es besser wissen müssen. Ich schäme mich, dass ich mich gerade an einem älteren Menschen bereichern wollte, der auch nicht viel mehr zum Leben hat als ich, und verspreche, den Schaden wieder gutzumachen.“

Die gängigsten Tricks der Diebe

Die Seniorin, in Begleitung des Ehemannes erschienen, nimmt die Entschuldigung an. Opfer und Täter reichen sich die Hand. Der letzte Akt des beschleunigten Verfahrens klopft die übrigen Parameter des Strafgesetzbuchs ab: Der Angeklagte hat keine Vorstrafen, seine Lebenssituation darf getrost als verpfuscht bezeichnet werden. Als Halbwaise aufgewachsen, lebt er von Gelegenheitsjobs, sprich von der Hand in den Mund, und wohnt in einer Obdachlosenunterkunft. Über ein Konto verfüge er nicht, das gestohlene Geld habe er für Lebensmittel, Katzenfutter und seinen Cannabiskonsum ausgegeben, schildert der junge Mann auf Nachfrage des Richters.

Der Staatsanwalt hält sein Plädoyer kurz: „Eine Haftstrafe steht nicht zur Debatte, angesichts der Umstände halte ich eine niedrige Geldstrafe von 30 Tagessätzen à zehn Euro für angemessen.“ Richter Volker Horns Urteil folgt dem Antrag der Anklage. Der Verurteilte erklärt abschließend, er habe nicht vor, Berufung einzulegen.

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