Anwohner beschweren sich über Lärm

Von Shishabar um Nachtruhe gebracht

Langen - Autolärm und laute Gespräche mitten in der Nacht – darüber beschweren sich Anwohner der Gartenstraße. Verantwortlich dafür machen sie eine benachbarte Shisbabar. Das Problem ist Polizei und Stadt bekannt – „aber nichts passiert“, klagen die Betroffenen. Von Julia Radgen

Zwischen drei und fünf Mal reiße sie der Lärm jede Nacht aus dem Schlaf, beschwert sich eine Nachbarin aus der Gartenstraße, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Sie fühle sich in ihrer Nachtruhe gestört: Lautstarke Unterhaltungen der Gäste sind für sie ein Ärgernis, ebenso Autolärm vor der Bar in dem früheren Billardcafé. „Da werden regelrecht Rennen gefahren“, ergänzt eine weitere Nachbarin aus dem gleichen Haus. Zudem parkten die Autos „wild“ vor der Kneipe. Der Lärm habe schon begonnen, noch bevor das Lokal im Juli aufgemacht habe. „Schon seit April war es wegen der Umbauarbeiten sehr laut – vor allem nachts “, berichten die Frauen. Beim Ausladen hätten die Betreiber Radau gemacht und sich außerdem gegenseitig auf der Straße angebrüllt. „Das war keine normale Lautstärke“, versichern die Anwohnerinnen,

Mit ihrem Ärger seien sie nicht allein. „Das ganze Haus beschwert sich.“ Rund 30 Nachbarn aus den umliegenden Häusern hätten denn auch die Unterschriftenliste unterzeichnet, die die Anwohner dem Ordnungsamt überreicht haben. Wenn sie selbst um Ruhe gebeten hätten, seien sie beleidigt worden. Schon mehrfach haben sie daher die Polizei gerufen. Doch bis die Beamten kämen, seien die jungen Männer mit ihrem lärmenden Autos, die sich vor der Bar aufhalten, schon wieder verschwunden.

Bei der Stadt ist die Lärmproblematik an dieser Stelle bekannt. „Unser Ordnungsamt arbeitet Hand in Hand mit dem Kreis und der Polizei zusammen“, sagt Pressesprecher Roland Sorger. Beschwerden über Lärm – vor allem von Autos – hätten aber nicht zugenommen. „Das Ordnungsamt überprüft regelmäßig die Zuverlässigkeit von Betreibern in Bezug auf Lärmschutz und Emissionen“, sagt der Stadtsprecher. In der Shishabar an der Gartenstraße habe alles „Recht und Ordnung“. Das mögen die Anwohner kaum glauben. Sie sagen, es habe bereits drei Razzien seit der Eröffnung im Sommer gegeben. Beim Ordnungsamt habe man ihnen versichert, sobald es drei „Verwarnungen“ gebe, werde die Shishabar dichtgemacht. Passiert ist seither nichts, noch immer kommen die Anwohner nicht zur Ruhe. „Wir kommen uns veräppelt vor“, sagen sie.

Das Polizeipräsidiums Südosthessen in Offenbach verzeichnet seit September sechs Beschwerden wegen Ruhestörung in dieser Angelegenheit, wie Andrea Ackermann von der Pressestelle mitteilt. Grund seien laute Motoren vor der Bar gewesen, bestätigt Ackermann. Sie appelliert an die Nachbarn, Lärmbelästigungen stets der Polizei zu melden. „Wir werden immer hinfahren und kontrollieren.“ Die Hinweisgeber sollten sich dann jedoch auch offiziell als Zeugen zur Verfügung stellen und Anzeige erstatten. In Sachen „Razzien“ winkt die Polizeisprecherin ab und verweist auf Gaststättenkontrollen. „Dabei wurden Ende September in der betreffenden Bar präventiv 57 Shishas sichergestellt“, teilt Ackermann mit. Das sei nicht ungewöhnlich und werde naturgemäß als größerer Polizeieinsatz wahrgenommen. „Zum Transport so vieler Shishas reicht ein Streifenwagen nun mal nicht aus.“

Rauchverbote in den Bundesländern

Zurück zum Lärm: Unserer Zeitung sagt Can Cimen, auf dem Papier noch Geschäftsführer der Bar, die Beschwerden seien ihm bekannt. Er wolle aber keine Auskunft geben, da er das Geschäft „inoffiziell schon abgegeben“ habe. Ab Monatsende führe sein Nachfolger offiziell die Shishabar. Dem neuen Geschäftsführer Bosi Sakic ist eine Anzeige wegen Ruhestörung bekannt, seitdem er das Lokal kommissarisch leitet. „Wir haben allerdings keine Veranstaltungen mit DJs mehr“, erklärt Sakic. Die Bar sei zwar weiter bis nachts geöffnet – unter der Woche ist laut Geschäftszeiten um ein Uhr, am Wochenende um drei Uhr Schluss – aber eben ohne Partys und nur in Zimmerlautstärke, schildert der neue Betreiber eine Änderung, die sich als gute Nachricht für die Anwohner entpuppen könnte. Denen hatte es zuletzt vor dem Jahreswechsel gegraut, an dem die Shishabar eine große Party veranstaltet hat.

Rubriklistenbild: © dpa

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