Die Art People: Antje Schmitt

Sich selbst die härteste Kritikerin

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Reisen ist ihre eine Leidenschaft, Malen die andere: Antje Schmitt ist Mitglied der Art People.

Langen - „Ich stand wie der Ochs vorm Berg“, erinnert sich Antje Schmitt zurück, wie sie das erste Mal vor der Staffelei stand. Das ist nun sechs Jahre her, längst hat sie sich an die Arbeit mit Pinsel und Farbe gewöhnt und ist 2013 dann auch den Art People beigetreten. Von Sina Beck 

Dass sie nicht schon früher mit Kunst in Berührung gekommen ist, bedauert sie inzwischen, gerade weil sich die neu entdeckte Kreativität auch auf andere Lebensbereiche ausgedehnt hat. „Ich bin kein Profi, aber meine Kunst ist passabel“, stapelt Antje Schmitt tief. Dabei hat die 53-Jährige schon einige Bilder verkauft, zudem macht sie Auftragsarbeiten. Aber die gebürtige Marburgerin ist sich selbst die härteste Kritikerin, weshalb sie den Schritt in die Öffentlichkeit erst mit der Künstlergruppe wagte. „Umso sensationeller war das Feedback. Nach der ersten Ausstellung bin ich um einige Zentimeter gewachsen“, lacht sie.

Ob gegenständlich oder abstrakt, Öl oder Acryl – Schmitt will sich nicht auf eine Richtung festlegen, sondern malt das, was sie anspricht. Das Hobby, zu dem sie eigentlich nur zufällig kam, ist eine ausgewachsene Leidenschaft geworden: „Es macht Spaß, bringt Entspannung und man kriegt so richtig schön den Kopf frei“, so die Wahl-Langenerin, die seit 24 Jahren in der Sterzbachstadt zu Hause ist. Zuvor war sie immer fleißig auf den Gleisen unterwegs, hat erst ihre Ausbildung bei der Deutschen Bahn in Kassel gemacht und anschließend in Frankfurt gearbeitet. Fünf Jahre lang ist sie gependelt, bevor sie zunächst in die Mainmetropole umgezogen ist. Die ganze Fahrerei hatte aber etwas Gutes: „Über eine Pendler-Freundin habe ich meinen Mann kennengelernt. Da sieht man mal, wofür es gut war“, erzählt sie schmunzelnd.

1992 hat das Paar geheiratet und kam ein Jahr später von Dreieichenhain nach Langen. Aber unterwegs ist Schmitt immer noch viel, denn das Reisen ist die andere große Leidenschaft der Künstlerin und die halbe Welt hat sie mit ihrem Mann bereits besucht. Besonders Asien hat es ihnen angetan, aber eher auf unkonventionellen Wegen: „Wir haben einfach den Rucksack gepackt, nur den Hin- du Rückflug gebucht und sind losgezogen“, berichtet sie von einer Expedition auf die Philippinen, ihr Lieblingsland. „Wir haben dort viele tolle Menschen kennengelernt“, schwärmt sie noch heute.

Dass man dafür nicht immer in die weite Ferne schweifen muss, stellte Schmitt dann vor vier Jahren fest, als sie zu den Art People stieß. Für die damals frisch gebackene Malerin, die ohne Vorkenntnisse und Basis zur Kunst gekommen ist, war die Gruppe nämlich nicht nur ein gutes Sprungbrett: „Man hilft sich untereinander und bekommt Impulse, aber es ist auch ein großartiger Zusammenhalt und es sind richtig gute Freundschaften entstanden.“

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Neue Techniken hat Schmitt seither immer mal wieder ausprobiert, aber neben Acryl war es die Ölmalerei, die es ihr am meisten angetan hat. Mit der Kunst habe sich bei ihr aber auch alles andere Kreative verbessert: „Inzwischen würde ich sogar gerne selbst das Haus dekorieren, aber das ist das Steckenpferd von meinem Mann“, gibt sie sich in diesem Bereich geschlagen. Dafür war sie schon immer in der Küche experimentell – und so erfolgreich, dass sie sogar für ihre Nichte die Hochzeitstorte gemacht hat.

Langeweile kommt bei Schmitt also nicht auf, denn wenn sie die Inspiration erfasst, verschwindet sie entweder in der Küche, ihrem hauseigenen Atelier oder im Garten – zum Malen oder zum Werkeln. Seit vier Jahren ist sie zudem ehrenamtlich für die Langener Tafel unterwegs, führt Hunde des Egelsbacher Tierheims aus und wenn dann noch Zeit ist, wird vielleicht mal wieder mit ihrem Mann eine Runde auf dem 30 Jahre alten Motorrad gedreht oder für ein Wochenende am Langener Waldsee gezeltet. Der „Traum vor der Haustür“, wie Schmitt den Badesee nennt, befriedigt dann aber doch nicht ganz die Fernreiselust. Schließlich fehlt die halbe Welt noch und die Pläne sind bereits gefasst: „Wenn wir in Rente sind, stehen Australien und Neuseeland an.“

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