Langen

Neuer Bürgermeister in Langen: Stichwahl ging deutlich aus 

So hatte er sich das nicht vorgestellt: Stefan Löbig war von der Deutlichkeit seiner Niederlage überrascht.

In Langen im Landkreis Offenbach wurde ein neuer Bürgermeister gewählt. Die Stichwahl ging deutlich aus. 

  • Bürgermeisterwahl in Langen (Landkreis Offenbach)
  • Stichwahl ging deutlich aus 
  • Bürgermeister mit 58,85 Prozent der Stimmen gewählt

Langen – Dr. Jan Werner wird am 1. Juli das Bürgermeisteramt von Frieder Gebhardt (SPD) übernehmen. Der unabhängige Kandidat setzte sich gestern in der Stichwahl deutlich gegen Stefan Löbig (Grüne) durch.

58,85 zu 41,15 Prozent hieß es am Ende; Werner konnte 2000 Stimmen mehr auf sich vereinen als sein Kontrahent.

Der Traum von Stefan Löbig, im Rathaus vom Büro des Ersten Stadtrats in das des Bürgermeisters wechseln und (nach Tobias Wilbrand, Egelsbach) zweiter grüner Rathauschef im Westkreis zu werden, ist bereits um 18.18 Uhr ausgeträumt: Da ist die erste Schnellmeldung eines Wahlbezirks auf der Grafik im Internet zu sehen, die im Grünen-Regionalbüro an die Wand projiziert wird. 

Bürgermeisterwahl in Langen: Offizielle Ergebnispräsentation wegen dem Coronavirus abgesagt

Es ist die Kita Am Steinberg – und Dr. Jan Werner liegt bei 60,66 Prozent. So deutlich hatte den Unterschied zwischen den beiden keiner erwartet – auch die beiden Bewerber nicht, wie sie später sagen werden.

In Ermanglung einer offiziellen Ergebnispräsentation im Rathaus (abgesagt wegen Corona-Krise) haben sich beide jeweils nur mit einem ganz kleinen Kreis ihrer Unterstützer zusammengefunden. Doch während im Büro der Grünen gedämpfte Stimmung herrscht, ist in den Räumen der Jungen Union in der Altstadt die Freude groß. 

Je mehr Wahlbezirke ausgezählt sind, desto klarer wird, dass Löbig den Sieg des Ehrenvorsitzenden der CDU-Nachwuchsorganisation nicht gefährden kann. Immer pendelt das Ergebnis um die beiden Zahlen, die nach 13 von 17 Bezirken sogar punktgenau getroffen werden: 60,00 zu 40,00 heißt es da.

Bürgermeisterwahl in Langen: Kontrahent zeigt sich enttäuscht

Letztlich kann Löbig mit dem letzten ausgezählten Wahllokal noch ein bisschen ranrücken, es ist die Wallschule und damit die Altstadt, in der er wohnt. „Schade“, ist das erste Wort, dass ihm über die Lippen kommt, als er nach einer Stellungnahme gefragt wird. „Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht und in dieser Deutlichkeit habe ich es nicht erwartet.“

Den zweiten Teil der Aussage sieht Dr. Jan Werner genauso. Er sei sehr angespannt gewesen den ganzen Tag, gibt er zu – angesichts der Historie: Denn vor sechs Jahren war er nur mit 49 Stimmen Amtsinhaber Frieder Gebhardt (SPD) unterlegen, nachdem er beim vorletzten Wahlbezirk noch geführt hatte.

Dieses Mal jedoch konnte er alle Bezirke für sich gewinnen: „Das zeigt, dass ich ein Bürgermeister für alle sein kann. Ich nehme das als riesige Verantwortung mit.“

Bürgermeisterwahl in Langen: Wahlkampf verlief fair

Der Wahlkampf, das betonen beide, sei sehr fair gewesen. „Es war ein gutes Miteinander bei inhaltlichen Unterschieden“, sagt Werner. Sekunden nach dieser Aussage läutet sein Handy – Löbig ruft an, um zu gratulieren.

Er werde nun bei Frieder Gebhardt anfragen, „ob wir in den kommenden Wochen das eine oder andere schon gemeinsam besprechen können“, erklärt der Wahlgewinner. „Ich bin da sehr optimistisch, wir haben ein gutes Verhältnis.“ Zudem werde er schauen, ob und welche Lehrgänge er besuchen könne. Klar sei: „Wir haben viel Arbeit vor uns. Langen hat es finanziell schwer, das wusste ich vorher. Das ist die größte Herausforderung. Und Corona wird auch nicht spurlos an der Gewerbesteuer vorbeigehen.“

Bürgermeisterwahl in Langen: Position des ersten Stadtrats unbesetzt

Bleibt eine Frage: Wer ist künftig Erster Stadtrat? Löbigs Amtszeit endet am 30. Juni. Er wolle erst einmal eine Nacht über das Ergebnis schlafen und dann entscheiden, sagt er.

Unklar ist aber überhaupt, wie es in der Krise weitergeht. Eigentlich ist gleich für diesen Donnerstag eine Stadtverordnetensitzung anberaumt (und auch noch nicht abgesagt). In dieser könnte ein Wiederwahlantrag gestellt werden, über den dann geheim abgestimmt würde. Sollte dies aber nicht erfolgen, würde ein Wahlvorbereitungsausschuss eingesetzt.

Sowohl Löbig als auch Werner betonen, dass es im Wahlkampf keinerlei Absprachen gegeben habe. Und der Wahlsieger sagt: „Wer immer es wird, ich werde kollegial mit ihm zusammenarbeiten.“

Von Markus Schaible 

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