VVV- und Stadthistorie, Teil 3: zu Bäumen und Bänken

Spuren-Elemente, die allen guttun

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Das bekannte Bauwerk in der Koberstadt war anfangs wohl mehr Schirm als Tempel – bei Regen dort Schutz gefunden haben Generationen von Spaziergängern. Dass der VVV „Brunnen kann“ ist ein offenes Geheimnis, die Aufnahme rechts zeigt den alten Lichterbrunnen auf dem Lutherplatz.

Langen - Zum 140-jährigen Bestehen hat der Verkehrs- und Verschönerungsverein sich und den Langenern ein literarisches Geburtstagsgeschenk gemacht: Das Buch „Von Bänken, Bäumen und Bembeln – 140 Jahre VVV von 1878 bis 2018“ skizziert die untrennbar mit der Stadthistorie verbundene Vereinsgeschichte von der Gründung bis in die Gegenwart. Von Holger Borchard 

Wir bieten Appetithäppchen aus dem höchst lesenswerten 224-Seiten-Werk im Rahmen einer kleinen Serie. Der heutige Teil folgt den zahlreich vorhandenen Spuren, die der VVV im Stadtbild hinterlassen hat. Ein – ungewollter – Lauschangriff während des Ebbelwoifests liefert die Steilvorlage zum Einstieg in die heutige Geschichte: Nichtssagend sei der Titel des neuen VVV-Buchs, kritisiert ein Herr in einer Gesprächsrunde am Brunnen. „Bänke, Bäume und Bembel – das klingt so banal.“ Nun will man dem Herrn Kritikaster ja nicht zu nahe treten, aber: Man sollte den Herren Autoren schon zugestehen, dass sie eine ordentliche Portion Hirnschmalz in eine aussagekräftige Überschrift investiert haben. „Von Bänken, Bäumen und Bembeln“ lässt von vornherein vermuten, wo die literarische Reise hingeht. Wer den VVV, dessen Historie und Selbstverständnis ein wenig kennt, wird in seiner Erwartungshaltung gewiss bestätigt. Der Redakteur geht noch weiter: Nach der Lektüre des Bandes kann das Urteil zur Überschrift nur lauten: Passt. In diesem Sinne wird es im Folgenden um die Bänke und Bäume gehen.

Das Vereinsgelände des VVV – das ist die ganze Stadt Langen! Was für eine fantastische Aussage. Der Verein hat binnen 140 Jahren viele und markante Spuren hinterlassen. Dies beileibe nicht nur im öffentlichen Raum der besiedelten und bebauten Gemarkungsteile, sondern ebenso in Wäldern, auf Feldern, Wiesen und an Gewässern. Was der VVV angeschoben und umgesetzt hat, kann bei Stadtspaziergängen besichtigt werden: Alleen, Parks, das Mühltal, Brunnen, Plätze, Hütten, Raststätten mit Ruhebänken und nicht zuletzt ein (Weißer) Tempel in der Koberstadt.

Romantische Inspiration: die Quelle des Sterzbachs im Mühltal in natura und auf einer historischen Zeichnung von Paula Endner.

„Das meiste davon ist allerdings mitnichten ,VVV pur’“, schränken die Verfasser des Jubiläumsbands ein. „Die öffentliche Hand hat sich an etlichen VVV-Unternehmungen beteiligt und/oder – was der Regelfall ist – sie „geerbt“ und fortgeführt. Vieles ist dabei verschwunden, um- und neugestaltet worden. So koexistieren die Spuren-Elemente des Vereins mit denen der Stadt.“

Der VVV erweist sich vom Start weg als Macherverein. Während der Amtszeit des Gründers Friedrich Keßler und auch noch in dessen Zeit als Ehrenvorsitzender werden sieben Projekte realisiert, die das Stadtbild zwischen Bahnhof und Lutherplatz bis heute nachhaltig prägen: die Platanenallee Bahnstraße, die in der Region als „einmalig“ gilt; der Lutherplatz und der Bahnhofsvorplatz; drei öffentliche Brunnen und zwei innerstädtische Grünanlagen. Dazu gilt Langen als „Hochburg der Brunnen“. Sie ziehen sich wie ein „blaues Band“ durchs Stadtgebiet. Nicht zuletzt dank des VVV, der sich seit Gründertagen mächtig für Wasserspender und Wasserspiele ins Zeug gelegt hat – „wegen der besonderen Wirkung aufs Stadtbild und weil sie zur Belebung beitragen“.

Kennen Sie die Wappen aus der Region?

Ein Paradebeispiel steht auf dem Lutherplatz. Für den Verkehrskreisel stiftet der VVV anlässlich des 75-jährigen Bestehens einen Springbrunnen, der im Juli 1959 vom damaligen VVV-Vorsitzenden Alfred Oeder eingeweiht wird. Der Brunnen ziert bis 1988 das Rondell, muss einer Umgestaltung weichen und wird, weil marode, durch einen Neubau ersetzt. 1991 ist das umgemodelte Rondell wieder Drehpunkt, Blickpunkt und Aufreger. In seiner Mitte prangt ein 15 Tonnen schwerer Brunnenstein, ein Monolith aus schwedischem Vanga-Granit.

Wer den VVV-Spuren ins Grüne folgt, landet früher oder später im Mühltal. Nach dem Zweiten Weltkrieg nur noch Wildnis und Brachland und als Motocross-Gelände missbraucht, wurde das Mühltal auf Initiative des VVV ab 1963 zu einem attraktiven Naherholungsgebiet umgestaltet. Ein Glanzpunkt: die romantisch verwachsene „Quellenschlucht“ des Sterzbachs, die nicht nur Künstler inspiriert, sondern auch so etwas wie frühe lokale Tourismus-PR beflügelt.

Und schließlich noch der Weiße Tempel in der Koberstadt. Wie viele Jahre er auf dem Buckel hat, weiß wohl niemand so ganz genau. Er ist jedenfalls deutlich älter als der VVV. Der Verein hat von den 1930ern bis in die Gegenwart immer wieder Pate bei Tempelsanierungen gespielt, zuletzt bei der aufwendigen Dachreparatur anno 2015.

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